Französischer Präsidentschaftswahlkampf
In Mehl gewälzt und frittiert

François Bayrou ist ehemaliger Viehzüchter und Parteichef der zentristischen UDF. Er kandidiert auch für das französische Präsidentenamt - und ist erstaunlich beliebt. Seine Stärke: Die Schwäche von Ségolène Royal, deren Parteiprogramm immer noch auf sich warten lässt.

PARIS. Die Mitte ist in Frankreich kein bequemer politischer Standort. "Einen Zentristen kannst du in Mehl wälzen und frittieren", soll der konservative Staatschef Jacques Chirac einmal über die Zentrumspartei UDF gesagt haben. Seit vielen Jahren fristet die UDF ein kümmerliches Dasein, eingequetscht zwischen den übermächtigen Volksparteien, benachteiligt durch das Mehrheitswahlrecht und belächelt von einer traditionell stark polarisierten Wählerschaft.

Umso größer ist die Überraschung, die UDF-Parteichef François Bayrou seinen Landsleuten in diesen Tagen bereitet. Drei Monate vor der Präsidentschaftswahl steigt der ehemalige Viehzüchter aus dem Baskenland geradezu kometenhaft in der Gunst der Bürger. Derzeit würden ihm je nach Meinungsumfrage zwischen 11 und 14 Prozent im ersten Wahlgang ihre Stimme geben, doppelt so viele wie noch im Oktober. "Hier passiert etwas", bemerkte Bayrou leicht ungläubig. "Er ist das Ereignis des Jahresbeginns", schwärmt das Meinungsforschungsinstitut LH2.

Seine plötzliche Popularität hat der 52-Jährige dem politischen Frust der Franzosen zu verdanken. Vor allem im linken Lager grassiert Enttäuschung. Viele fühlen sich von Spitzenkandidatin Ségolène Royal allein gelassen, weil ihr Wahlprogramm immer noch auf sich warten lässt. Aus Ärger über das inhaltliche Vakuum wenden sich manche Sozialisten nun Bayrou zu, darunter auch prominente Leute wie der frühere Chef der Großbank Crédit Lyonnais, Jean Peyrelevade. "Für mich ist sie schon geschlagen", sagt er über Royal. Bei Bayrou habe man zudem "nicht das Gefühl, rechts zu wählen", fügt ein anderer abgängiger Sozialist hinzu.

In der Tat hält der Kandidat der Mitte seit vielen Jahren sorgfältig Distanz nicht nur zum linken, sondern auch zum rechten Lager. Dem konservativen Präsidentschaftskandidaten und Innenminister Nicolas Sarkozy wirft er vor, sich unmoralischer Methoden im Wahlkampf zu bedienen und einen "verdorbenen Staat" zu repräsentieren: "Wenn sich ein Fuchs in Federn kleidet, hält man ihn noch lange nicht für ein Huhn."

Bayrous 26 UDF-Abgeordnete in der französischen Nationalversammlung stimmen bei wichtigen Gesetzesvorhaben immer wieder gegen die UMP. Und im Europaparlament verließen Bayrous Leute 2004 die konservative Europäische Volkspartei EVP und formierten mit Gleichgesinnten aus anderen EU-Staaten eine neue europäische Zentrumspartei.

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