Französischer Reifenhersteller erhöht in schlechtem Marktumfeld seine Gewinnprognose
Michelin erntet die Früchte der Neuorientierung

Der französische Reifenhersteller Michelin S.C.A. setzt sich von der flauen Autokonjunktur mit einer Konzentration auf Reifen höherer Qualität und einem Bündel von Maßnahmen zur Kostenreduktion ab.

abo PARIS. Finanzchef Michel Rollier korrigierte die Gewinnerwartung des Unternehmens für das Gesamtjahr deswegen um fast einen Prozentpunkt herauf. "Wir werden uns im zweiten Halbjahr noch auf unsicherem Terrain bewegen", sagte er. "Trotzdem erwarten wir, wenn es nicht zu einem Einbruch am Reifenmarkt, bei den Wechselkursen oder zu einer starken Verteuerung der Rohstoffe kommt, eine operative Marge von 7 bis 7,4 %."

Diese Nachricht löste an der Börse Kursgewinne der Michelin-Aktie von 4 % auf Werte um 40 Euro aus. "Die Gruppe wird die Anleger in diesem Jahr nicht enttäuschen", glaubt ein Analyst des Pariser Brokerhauses Aurel Leven. Er unterstrich aber, dass Rolliers Ankündigung an viele Bedingungen geknüpft sei. So könne etwa die Marktlage bei Lastwagenreifen in den USA Michelin noch die Suppe versalzen.

Michelin realisierte in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Umsatzzuwachs gegenüber der gleichen Vorjahresperiode von 1,4 % auf 7,8 Mrd. Euro - etwas weniger als manche Analysten erwartet hatten. Das Unternehmen zog daraus jedoch weit höhere operative Erträge, als es die Anleger der Gruppe zugetraut hatten: Der Betriebsgewinn stieg um 16 % auf 570 Mill. Euro.

Rollier erklärte dies unter anderem mit der systematischen Reduktion der Lagerbestände der Gruppe. Außerdem wirke sich nunmehr das 1999 aufgelegte, politisch heftig umstrittene Sparprogramm positiv aus, in dessen Rahmen in Europa 7 000 Stellen abgebaut worden seien. Rollier: "Das hat uns brutale Entlassungsmaßnahmen erspart."

Reingewinn eigentlich höher

Dass der Jahresüberschuss mit 254 Mill. Euro hinter jenem des ersten Halbjahres 2001 zurückblieb, liegt vor allem am damals verbuchten Verkauf von 2,5 % des Peugeot-Kapitals. Ohne diesen Deal weist der Reingewinn eine Steigerung von fast 280 % aus.

Parallel dazu hat das Unternehmen seinen Schuldenstand reduziert, der ihm zum Klotz am Bein zu werden drohte. Mit dem binnen Jahresfrist auf 300 Mill. Euro gestiegenen freien Cash flow wurden die Schulden auf 4,3 Mrd. Euro abgetragen, was etwa der Summe der Eigenmittel entspricht.

In dieser Lage fühlt sich Michelin stark genug, den Konflikt mit der General Motors Corp. (GM), Detroit, auch öffentlich auszutragen. Den Unstimmigkeiten über die Lieferverträge war erst vor kurzem die Erstausrüstung von Fahrzeugen der GM-Tochter Adam Opel AG zum Opfer gefallen - Michelin nutzt die Kapazitäten in den deutschen Werken jetzt für andere Kunden. Doch nun steht auch der Vertrag mit GM in den USA auf dem Prüfstand.

GM will Michelin einen weltweiten Vertrag zu deutlich verschlechterten Bedingungen aufnötigen, verlautete aus Unternehmenskreisen. In den nächsten Wochen solle jetzt verhandelt werden.

Ein Rauswurf von Michelin dürfte für den größten Autokonzern der Welt mehr Probleme aufwerfen, als ihm lieb sein kann: Denn nach der imageschädigenden Rückrufaktion des Konkurrenten Firestone bleiben GM kaum Alternativen, wenn sich der Konzern weiter auf mehrere Lieferanten stützen will.

"Für einige Leute in Detroit sind Reifen eine Ware, die man von beliebigen Herstellern beziehen kann", sagt ein französischer Reifenexperte. Michelin dagegen wolle seine High-End-Markenstrategie auch bei GM durchsetzen und sich Qualitäts- und Performance-Vorsprünge ihrer Produkte auch bezahlen lassen. Dieses Ziel stellt den US-Autokonzern angesichts seiner überquellenden Fahrzeughalden aber vor Probleme.

Quelle: Handelsblatt

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