Französischer Versicherer kritisiert US-Rechtsprechung: Axa-Chef erwartet weiter steigende Versicherungsprämien

Französischer Versicherer kritisiert US-Rechtsprechung
Axa-Chef erwartet weiter steigende Versicherungsprämien

Die Versicherungsprämien haben ihren Gipfelpunkt noch nicht erreicht und werden weiter steigen. Dies erwartet der Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns Axa S.A., Henri de Castries. Das gilt nach seiner Einschätzung besonders für Industrieversicherungen, bei denen Axa einer der wenigen verbliebenen Anbieter am deutschen Markt ist.

abo PARIS. "Bisher haben die Prämien ihr Gleichgewichtsniveau noch nicht wieder erreicht", sagte de Castries in einem Interview, das heute in der französischen Wirtschaftszeitung "La Tribune" erscheint. Nach 1993 seien die Prämien bei Industrieversicherungen stark zurückgegangen. Vor kurzem seien sie dann zweimal jeweils um gut 30 % angehoben worden. Doch hätten sie die Ausgangspreise von vor zehn Jahren noch nicht wieder erreicht. Man werde sich seine Kunden zudem genauer aussuchen als bisher. Nicht für jeden würden die Preise steigen, sagt der Chef von Axa, einer der größten Versicherungskonzerne der Welt. Aber auch bei Privatleuten gebe es einen Aufwärtsdruck der Prämien.

De Castries nennt zwei Gründe für den Prämienanstieg. Zum einen modifizierten in den USA Gerichtsurteile immer wieder längst abgeschlossene Verträge. Dadurch zwängen sie die Versicherer, für Risiken aufzukommen, die zur Zeit der Unterschrift noch nicht bestanden hätten. "Bisher wurden diese Auswüchse durch die Schwankungen an den Märkten kaschiert", sagte de Castries. "Aber allmählich schlagen sie auf den Endverbraucher durch." Der Moment sei absehbar, wo die Kosten für die Schadensleistungen für jene untragbar würden, die letztlich zahlten - das seien eben nicht die Versicherer, sondern die übrigen Prämienzahler.

Zum anderen seien durch die Talfahrt an den Börsen die Geldanlagen der Versicherer entwertet worden. Das habe ihre Deckungskapazitäten reduziert. "Der Abschwung an den Finanzmärkten und die Großkatastrophen haben in der Branche rund 200 Mrd. Euro Kapital vernichtet", sagte de Castries. Nur ein Fünftel davon sei durch Kapitalerhöhungen wieder aufgebaut worden. Die Überkapazitäten seien also verschwunden. "Und wenn die Kapazitäten begrenzt sind, steigen die Preise."

De Castries wandte sich gegen den Vorwurf, die Branche arbeite inzwischen mit einer zu knappen Kapitaldecke. "Die Branche ist zu Kapitalisierungsniveaus zurückgekehrt, die für gut geführte Akteure völlig ausreichen", sagte er. Den gigantischen Kapitalüberhang in der Branche, der die Preise niedrig gehalten habe, gebe es nicht mehr. Das zwinge die Versicherer zu rigorosem Preismanagement.

Insgesamt beurteilte de Castries die Aussichten der Branche positiv. Das Ende der Übertreibungen an den Kapitalmärkten sei schmerzlich, werde aber ein Ende haben. "Wir sind nicht in einer Lage, wo alles zusammenbricht, und auch nicht in einem japanischen Szenario", sagte der Axa-Chef.

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