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Französisches Geiseldrama im Irak geht weiter

Die für den heutigen Freitag erwartete Freilassung der im Irak verschleppten französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot wird sich möglicherweise verzögern.

dpa PARIS. Die für den heutigen Freitag erwartete Freilassung der im Irak verschleppten französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot wird sich möglicherweise verzögern.

Malbrunots Partnerin Sylvie Cherpin sagte am Freitagabend: "Die Freilassung steht nicht unmittelbar bevor." Das französische Außenministerium halte sie in der Affäre auf dem Laufenden. "Man hat mir gesagt, dass das keine Frage von Stunden ist, sondern dass das mehrere Tage dauern könnte", sagte Cherpin vor Journalisten in Montaiguet-en-Forez.

Dem Ministerium zufolge seien die beiden Journalisten "am Leben, aber nicht außer Gefahr". Ihre Abfahrt (offenbar zum Flughafen) sei nicht bestätigt worden. "Das ist noch nicht gewonnen." Zuvor hatte der Informationsdirektor des Senders RFI berichtet, die Geiseln seien in Begleitung von Unterhändlern und hätten nur noch den Weg zum Flughafen vor sich. Die Wagenkolonne müsse aber die Gewissheit haben, unbehelligt durchfahren zu können. Die Entführten befanden sich offenbar in der Nähe der sunnitischen Aufständischen-Hochburg Falludscha westlich von Bagdad. Dort gab es am Freitag Kampfeinsätze der US-Truppen.

Der Situation um Falludscha ist höchst unsicher. Daher sei es für die an der Entführung beteiligten Gruppen schwierig, sich zu bewegen. Bei einem Angriff amerikanischer Truppen in Falludscha wurden am Abend zwei Menschen getötet. Mindestens fünf andere Personen seien verletzt, darunter zwei Mitarbeiter der irakischen Zivilverteidigung, berichtete ein irakischer Journalist aus der Stadt.

Zuvor hatte der Rat der Religionsgelehrten im Irak erklärt, er erwarte eine Freilassung der zwei Franzosen bis zu diesem Samstag. Die beiden Entführten seien in guter gesundheitlicher Verfassung. sagte Abdul Kachar el Ani, Mitglied des Rates. Die Franzosen waren Mitte August entführt worden.

Die Gruppe "Islamische Armee im Irak" hatte von Frankreich vergeblich ultimativ die Rücknahme des Verbots islamischer Kopftücher an Schulen verlangt. Auf einer arabischen Islamisten-Internetseite tauchte am Freitag ein Brief im Namen einer "Islamisch Irakischen Armee" auf, die eine "Fatwa" (islamisches Rechtsgutachten) von Terroristenanführer Osama bin Laden zum Schicksal der Journalisten erbittet. Nach Darstellung von Ménargues wurden die Franzosten dagegen nicht "aus politischen sondern aus rein finanziellen Gründen" gekidnappt.

Die vor einer Woche in Bagdad freigelassene libanesische Geisel Mohammed Raed berichtete unterdessen, sie habe während ihrer Gefangenschaft im so genannten sunnitischen Dreieck, in dem auch Falludscha liegt, die Enthauptung einer zweiten Geisel mitansehen müssen. Seine Entführer hätten ihm erklärt, der Mann sei Ägypter und markiere im Auftrag der US-Armee vor Luftangriffen die Dächer der Häuser von "Gotteskriegern", sagte er der Zeitung "Al-Hayat".

Ein Vertreter des radikalen Schiiten-Predigers Muktada el Sadr sagte beim Freitagsgebet vor 3000 Geistlichen in der großen Moschee von Kufa, die Geiselnehmer sollten die französischen Journalisten so schnell wie möglich freilassen, "weil derartige Aktionen dem irakischen Widerstand gegen die US-Besatzung schaden". Gleichzeitig forderte Dschaber el Chafadschi die Übergangsregierung von Ministerpräsident Ijad Allawi auf, alle Anhänger der Sadr-Bewegung aus den Polizeigefängnissen zu entlassen.

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