Franzosen nicht in Form
Das Abenteuer ist vorbei

Nach dem Rücktritt der Stars wie Zinedine Zidane tut sich das neue französische Nationalteam schwer. Die Franzosen können froh sein, in der Fußball-WM 2006 nicht in einer stärkeren Gruppe spielen zu müssen.

PARIS. Zufrieden lehnte sich Claude Simonet im Oktober 2003 in der Frankfurter Festhalle in seinen Stuhl zurück. Der Präsident des französischen Fußballverbandes hatte live erlebt, dass die Gruppenauslosung für die Qualifikationsspiele zur Fußball-WM 2006 in Deutschland der "Equipe Tricolore" scheinbar lösbare Aufgaben beschert hatte. Irland, Israel, Zypern, Schweiz und die Faröer - das sollte für den damals noch amtierenden Europameister kein Problem sein. Ein Jahr später sieht die Fußballwelt in Frankreich anders aus. Der EM-Titel ist Geschichte, die großen Stars wie Zidane, Lizarazu, Thuram haben ihre Nationalmannschaftskarrieren beendet und nach drei Qualifikationsspielen können die Franzosen froh sein, nicht in einer stärkeren Gruppe spielen zu müssen.

Zweimal vor eigenem Publikum ein mageres 0:0 (gegen Israel und Irland) und ein 2:0 auf den Faröer - das ist alles. Die französische Sportzeitung "L'Equipe" bangt schon um die Teilnahme an der nächsten WM. Dafür beruhigt Aimé Jacquet die Gemüter, der Trainer der Weltmeistermannschaft von 1998: "Es gibt keinen Grund zur Panik. Das schöne Abenteuer der Jahre 1998 bis 2000 ist nun mal vorbei. Wir müssen ein neues Team bauen, das dauert."

Heute ist Raymond Domenech Trainer, und er hat eine schwierige Aufgabe. Nach den zahlreichen Abgängen muss er eine Mannschaft aufbauen, in der die vielen jungen Spieler und die verbliebenen der EM-Generation 2000 eine Einheit bilden. Robert Pires soll eine Stütze der neuen Mannschaft werden und für Kreativität aus dem Mittelfeld sorgen. Doch statt raffinierte Pässe zu spielen, kritisierte er das System des Trainers. Nach einer Krisensitzung ist der Streit inzwischen beigelegt. Doch das ist nicht das einzige Problem. Dem Team fehlt der kollektive Elan, das Mannschaftsgefühl.

Die Abwehr hat in der laufenden Qualifikation noch keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen müssen, aber in der Offensive klemmt es gewaltig. Das große Sorgenkind ist ausgerechnet einer der besten Stürmer Europas: Thierry Henry. In den vergangenen elf Spielen mit der Nationalmannschaft hat er nur zweimal getroffen.

Domenech, der nach der mageren Ausbeute bereits unter Druck steht und heute von seiner Mannschaft gegen Zypern einen Sieg fordert, hat viel experimentiert. Selbst in der erfolgreichen Abwehr bestritt fast kein Verteidiger zwei Spiele in Folge. Auch ein echter Führungsspieler fehlt dem Coach. Fabian Barthez ist der einzige Verbliebene der WM-Mannschaft von 1998, und ihm haben es die Franzosen zu verdanken, dass sie gegen Irland (0:0) nicht verloren haben. Der Torhüter spielt zurzeit besser denn je. Doch für Einheit auf dem Platz kann er von hinten nicht sorgen. Und Tore schießt er auch keine.

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