Franzosen schreiben Goodwill auf britische Racal ab
Thalès hofft auf das US-Rüstungsgeschäft

Die französische Thalès S.A. hat 2001 Sonderabschreibungen in Höhe von 530 Mill. Euro auf den 2000 erworbenen britischen Telefontechnikanbieter Racal Plc. vorgenommen. Mit den regulären Goodwill-Abschreibungen summieren sich diese Wertberichtigung auf 709 Mill. Euro und drücken das Ergebnis des operativ profitablen Rüstungs- und Elektronikkonzerns tief in die roten Zahlen.

abo PARIS. Vorstandschef Denis Ranque rechtfertigte den Schritt mit neuen Erfordernissen der französischen Bilanzregeln. "Die Maßnahme betrifft vor allem Racals Zivilgeschäft, wo die wichtigsten Aktivitäten (Service für Telefonkonzerne, Call-Center und Positionsbestimmung) seit 2000 stark an Wert verloren haben", sagte Ranque. Strategisch bleibe Racal aber eine gute Ergänzung.

Finanzfachleute sind darüber geteilter Meinung. Während die Einordnung von Racals Zivilgeschäft in die Telefonindustrie akzeptiert wurde, weisen Analysten auf die stark militärische Orientierung des gesamten britischen Geschäfts von Thalès samt Racal hin. Im Rüstungsgeschäft sei der Abschreibungsbedarf nicht zwingend.

Aus seinen 2001 fast um ein Fünftel gestiegenen Konzernumsätzen von 10,3 Mrd. Euro erwirtschaftete Thalès 471 Mill. Euro betriebliche Erträge (Ebit). Nach stark gestiegenen Steuern, aber vor den genannten Wertberichtigungen errechnet sich ein Reingewinn von 405 Mill. Euro, der durch die Goodwill-Abschreibungen sowie die Aufwendungen für kleinere Akquisitionen in einen Jahresfehlbetrag von 366 Mill. Euro verkehrt wird.

Trotz Vorwarnungen unter anderem durch das Brokerhaus Fideuram Wargny wurde die Börse von dem Schritt offenbar überrascht. Der Thalès-Kurs sank bis zum Mittag gegen den Markttrend um über 4 % auf Werte unter 40 Euro.

Dabei gilt die Gruppe als Perle unter den französischen Technologiewerten. Analysten honorieren die seit Jahren im zweistelligen Prozentbereich wachsenden Erträge der Gruppe. Und seitdem die Militärs im Gefolge der Terror-Anschläge wieder die Spendierhosen tragen, sieht Ranque Thalès mit seinen Sparten Rüstung (56 % vom Umsatz), Aeronautik (18 %) sowie Nachrichtentechnik und Systeme (26 %) gut positioniert.

Davon werde Thalès bei der absehbaren Umrüstung und Neuausstattung von Land-, See- und Luftstreitkräften profitieren. In diesem Zusammenhang erwähnte Ranque unter anderem das Projekt des Airbus A 400 M, an dem sich sein Konzern maßgeblich beteiligen werde. In den USA hofft Ranque weiter auf einen Durchbruch: Zwar hat Thalès von Racal einen prestigeträchtigen Kleinauftrag geerbt. Doch größere Aufträge hat Thalès im Rahmen des US-Feldzuges gegen den Terrorismus nicht ergattert.

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