Franzosen steigen mit Deutscher Bahn in den Markt für gebrauchte Schienenfahrzeuge ein
Alstom will alte Bahn-Loks wiederverwerten

Die Deutsche Bahn nimmt Abstand von ihrer umstrittenen Verschrottungspolitik. In einem Stendaler Reparaturwerk macht sie alte Loks gemeinsam mit Alstom startklar für den Verkauf.

DÜSSELDORF. Der französische Verkehrstechnik-Konzern Alstom Transport steigt in Sachsen-Anhalt in das Geschäft mit gebrauchten Dieselloks ein. Basis dafür ist ein gestern unterzeichnetes Joint Venture mit der Deutschen Bahn AG (DB), bei dem Alstom die unternehmerische Führung hat. Am Standort des derzeitigen Bahn-Instandhaltungswerkes Stendal soll künftige die Alstom Lokomotiven Service GmbH gebrauchte Dieselloks der DB von Grund auf modernisieren und über die internationalen Konzern-Kanäle weltweit vermarkten. Als Mitgift bringt die Bahn über 300 Altbau-Loks in die Partnerschaft ein, erfuhr das Handelsblatt aus Bahn-Kreisen. Die 150 Mitarbeiter des von der Stilllegung bedrohten Werkes will Alstom komplett übernehmen.

Mit der Vertragsunterzeichnung kommt die Bahn ihrem vor einem Jahr verkündeten Ziel näher, sich bundesweit von acht Werken mit insgesamt knapp 6 000 Mitarbeitern zu trennen. Das Deutsche-Bahn-Management hatte damals die Schließungspläne damit begründet, dass die insgesamt 18 Instandhaltungsstätten der DB nur noch zu 57 % ausgelastet seien, weil neue Fahrzeuge und wartungsfreundliche Technologie den Aufwand verringerten. Einige Werke und Werkstätten hat die Bahn inzwischen verkauft. Ein Teil der Arbeitnehmer verlor dabei seinen Job.

Die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet begrüßte zwar den Deal in Stendal, weil er die Arbeitsplätze dort auf Dauer sichere. Ein Sprecher sagte dem Handelsblatt aber, Transnet fordere nach wie vor ein erneutes Spitzengespräch mit Bahnchef Hartmut Mehdorn. In ihm müssten Wege zum Erhalt der vier Werke gefunden werden, deren Schicksal noch offen ist. Dabei handelt es sich um die sächsischen Standorte Delitzsch, Chemnitz und Zwickau sowie um ein Werk im Leverkusener Stadtteil Opladen. 3 000 Arbeitsplätze stehen immer noch auf der Kippe.

Die DB hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, dass sie Investoren für diese Werke in einer europaweiten Ausschreibung suche. Dies war von Transnet-Vorstand Alexander Kirchner als "Täuschungsmanöver" abgetan worden. Alternativen der Schließung seien nicht ernsthaft geprüft worden.

Mit dem Joint Venture in Stendal entdeckt die DB erstmals den Gebrauchtfahrzeugmarkt als potenzielles Geschäft für sich. "Der Markt für Diesellokomotiven befindet sich im Umbruch, die Nachfrage steigt", sagte Bahnchef Mehdorn in Stendal. Bislang war die DB von ihren Wettbewerbern vielfach dafür kritisiert worden, dass sie alte Fahrzeuge bevorzugt verschrotte, anstatt sie aufzuarbeiten. Damit habe sie der Konkurrenz den Marktzugang erschwert.

In Stendal sollen nun Alt-Fahrzeuge der Baureihen 202 und 212 ein "Redesign" durchlaufen, um sie für eine neue Lebenszeit im Güter-Transportdienst fit zu machen. "Die Loks werden durch den Einbau neuer Aggregate modernisiert, so dass sie leistungsstärker, wirtschaftlicher und instandhaltungsfreundlicher zu betreiben sind", sagte DB-Technik-Vorstand Karl-Friedrich Rausch. Eine derart aufgearbeitete Lok sei wie neu, koste aber nicht annähernd so viel wie ein neues Fahrzeug. Im Werk Stendal sei das Know-how für das Redesign systematisch aufgebaut worden.

Alstom-Transport-Chef Michel Moreau verwies auf die Strategie seines Konzerns, das Geschäftsfeld Service auszubauen. Der Konzern verfüge in 20 Ländern über 100 Werkstätten mit 6 100 Mitarbeitern, die auf die Modernisierung und Wartung von Bahnfahrzeugen spezialisiert seien. Stendal sei eine sinnvolle Ergänzung dieses Spektrums.

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