Fraport: Analyse: Das Manila-Desaster

Fraport
Analyse: Das Manila-Desaster

Der Geist der alten Deutschland AG, die Verfilzung von Politik und Geschäft, lebt zum Beispiel in dem Staatsbetrieb Fraport AG. Der Vorstand des Frankfurter Flughafenkonzerns versenkt in seinem größten Auslandsprojekt, einem Terminalneubau auf dem Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila, insgesamt 353 Millionen Euro - fast den dreieinhalbfachen Jahresüberschuss oder 40 Prozent des Erlöses aus dem ersten Börsengang. Fraport stürzt tief in die roten Zahlen, der Wert der Aktie hat sich faktisch halbiert, eine gewaltige Kapitalvernichtung. Und die Konsequenzen für den Vorstand sind - null.

Der Aufsichtsrat der Fraport wird heute die Entlastung des Managements absegnen. Zwar wurde ein Bereichsvorstand gefeuert, aber Fraport-Chef Wilhelm Bender, der die letzte Verantwortung trägt, bleibt im Amt, und Ex-Finanzvorstand Johannes Endler hat sich in die Rente verabschiedet. So wie der Fraport-Vorstand kann man nur in der eigenen Küche wirtschaften oder eben mit dem Staat im Rücken. Fraport gehört zu 70 Prozent dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt und dem Bund.

Und so sieht auch der Aufsichtsrat aus: dominiert von Politikern, Gewerkschaftern und Beamten - alle ohne Ergebnisverantwortung. Auch der Aufsichtsratschef und hessische Ministerpräsident Roland Koch hat tatenlos zugesehen. Warum nur? Schließlich ist er Chef eines Kontrollorgans und keines Gesangsvereins.

Das Desaster in Manila zeichnete sich lange ab - trotz aller Beschönigungsrhetorik Benders, der versucht, das eigene Versagen als politischen Schadensfall darzustellen. Doch das ist Heuchelei. Wer in einem der korruptesten Staaten der Welt mit einem Präsidenten wie damals Joseph Estrada Verträge schließt, weiß, was er tut. Bender mag noch so oft mit der Miene eines Märchenonkels beteuern, Fraport habe in Manila im guten Glauben gehandelt - glaubwürdiger wird es dadurch nicht.

Die Kleinaktionäre sollten nicht darauf bauen, dass Fraport Geld aus Manila wiedersieht. Entschädigungen aus einem Schiedsverfahren der Weltbank, das Bender anstrengen will, oder aus Bundesgarantien für Kapitalanlagen, einer Versicherung des Bundes gegen politische Investitionsrisiken, setzen rechtlich saubere Verträge voraus.

Ministerpräsident Roland Koch will den Vorstand daran messen, wie viel Geld er zurückholt. Da kann er bald messen - diesmal vielleicht "brutalstmöglich"? Bender hat mit seiner Informationspolitik die Glaubwürdigkeit des Fraportvorstands im Markt untergraben. Der Anzug des Global Players ist für diesen Vorstand viel zu groß.

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