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Frauen am Steuer beständiges StreitthemaDPA-Datum: 2004-07-16 12:12:27

Frankfurt/Main (dpa) - Rückwärts einparken klappt gar nicht, selbst geradeaus fahren führt zu schweren Unfällen: Noch immer werden solche Vorurteile gegen Frauen als Autofahrerinnen gerne und häufig vom anderen Geschlecht zitiert.

Frankfurt/Main (dpa) - Rückwärts einparken klappt gar nicht, selbst geradeaus fahren führt zu schweren Unfällen: Noch immer werden solche Vorurteile gegen Frauen als Autofahrerinnen gerne und häufig vom anderen Geschlecht zitiert.

Eigentlich dem Klischee entgegenwirken will seit zwölf Jahren die Aktion «Frau und Auto» mit einem bundesweiten Autofahr- und Reparierwettbewerb für die Damen. Dessen Präsentation in Frankfurt bewies jedoch, dass das Thema immer noch genug Zündstoff für einen Geschlechterkampf hat.

Drei ältere Herren von Auto-Verbänden sitzen als Ansprechpartner in einem Hotel bereit. «Das Verhalten der Frauen am Steuer gleicht sich inzwischen - Gott sei Dank - immer mehr dem der Männer an», sagt der Präsident des Verbandes der Importeure von Kraftfahrzeugen (Vdik), Volker Lange. Die Frau als Käufer sei für die Automobilindustrie wichtig, außerdem hätten die Damen ja auch Einfluss auf die Kaufentscheidung ihres Mannes.

Positiv wird hervorgehoben, dass sich das Frauen-Einpark-Verhalten anscheinend verbessert habe. In der vom Meinungsforschungsinstitut forsa erstellten Studie geben 60 Prozent der befragten Frauen an, das Einparken spielend zu bewältigen, während sich 80 Prozent der Männer perfektes Einparken zutrauen. Ein Teilnehmer wirft ein, doch spezielle Frauen-Einparkkurse zu veranstalten und wird von den Auto-Spezialisten abgewiegelt: Schließlich gebe es immer mehr Autos mit eingebauter Einpark-Hilfe. Eine weibliche Mitarbeiterin des Vdik merkt später an, dass männliche Selbst-Überschätzung wohl der eigentliche Grund für das Ergebnis der Studie sein könnte: «Welcher Mann gibt schon zu, nicht einparken zu können.»

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, Rolf Leuchtenberger, bekräftigt die Bedeutung der Frau als Käufer. Die Damen seien anspruchsvoll und kritisch. «Marketing-Kampagnen nach dem Motto 'Wir malen das ein bisschen rosa an und haben dann ein Frauenprodukt' funktionieren sicher nicht.» Er schlägt eine Handtaschen-Halterung vor. Eine Auto-Expertin wirft ein, dass bei einem Projekt von Volvo nur Frauen ein Auto konzipiert hätten, dass nicht durch viele Schminkspiegel und Handtaschen-Halterung sondern durch besondere Zweckmäßigkeit überzeuge. «Das sieht auch gar nicht rund und rosa aus, sondern ist ziemlich kantig - so richtig männlich», fügt sie hinzu.

Auch die Gewinnerin des Vorentscheids des «Frau und Auto»- Wettbewerbs, Antje Diesler aus Herschbach-Oberwesterwald in Rheinland-Pfalz braucht keine Halterung für ihre Handtasche. «Ein Auto muss zweckmäßig und flexibel sein, Schminkspiegel und solche Sachen brauche ich nicht», sagt die 35-Jährige. Gewinnt sie den Bundesentscheid, erhält sie einen «Subaru Forester Lady» mit Glitzersteinen im Cockpit, apricotfarbenen Sitzen und extra großem Gepäckraum.

«In der heutigen Gesellschaft halte ich es eigentlich gar nicht mehr für nötig, ein spezielles Auto für Frauen herzustellen», sagt die Gewinnerin. Sie fahre einen Geländewagen. Dass sie bei dem Vorentscheid als Frau fehlendes Öl und Bremsflüssigkeit entdecken und einen Reifen wechseln konnte, hält sie für keine besondere Leistung. «Ich bin auf dem Land aufgewachsen, da lernt man das. Außerdem parke ich schon immer unseren Pferdeanhänger besser rückwärts ein als mein Mann.»

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