Frauen haben es bei den Hausbanken schwerer als Männer
Im Investmentclub gemeinsam Börsenerfahrung sammeln

Sie heißen "Goldfinger", "Strahlender Bulle" oder "Dax-Hexen" und haben eines gemeinsam: Alle spekulieren in ihrer Freizeit mit Aktien. Investmentclubs erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Nach Schätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gibt es hierzulande rund 6 500 solche Clubs. 400 davon sind fest in Frauenhänden.

ddp-vwd BERLIN. So auch der Berliner Investmentclub "Performance", der bereits seit 1997 fleißig mit Aktien handelt. Clubgründerin Barbara Möbus fand es schade, dass sich kaum Frauen mit der Börsenwelt auseinander setzten. Sie kontaktierte die DSW, den Dachverband der deutschen Investmentclubs, und bekam einen Leitfaden zur Gründung eines solchen Clubs sowie eine Liste mit Namen und Adressen von Gleichgesinnten zugeschickt.

Nach einer telefonischen Kontaktaufnahme trafen sich die Frauen und gründeten bald darauf ihren Club. Wichtiges Bestandteil eines Investmentclubs ist die Depotbank, die den Gesellschaftervertrag mit unterschreibt. Die Suche danach beschrieb Barbara Möbus als mittleren Kraftakt. Dabei war es weniger die Idee des Investmentclubs an sich, die bei den Banken für Ablehnung sorgte. Vielmehr sei es die Tatsache gewesen, dass es sich dabei um Frauen handelte, erinnerte sich Barbara Möbus.

Schutzverband kennt die Probleme der Frauen

Dem Dachverband DSW sind solche Erfahrungen bekannt. "Die Banken sind bei Frauen besonders skeptisch", sagt DSW-Sprecherin Renate Feller. Die Finanzinstitute gingen grundsätzlich davon aus, dass sie mit Frauen mehr Arbeit hätten als mit Männern. Feller empfiehlt den angehenden Clubmitgliedern, zunächst ihre Hausbank anzusprechen. Dabei sollte man gleich bei der Kontaktaufnahme die genaue Personenzahl, das monatliche Mittelaufkommen, die Depotgröße und die Einmaleinzahlung nennen.

Nachdem Barbara Möbus' Investmentclub-Idee von zehn Banken abgelehnt worden war, erklärte sich schließlich die Berliner Sparkasse dazu bereit, das Depot zu führen. Inzwischen scheuen sich die Finanzinstitute immer weniger vor dem Verwaltungsaufwand, der mit einem Investmentclub verbunden ist. "Die Banken haben erkannt, dass Clubmitglieder in der Regel auch privat ein Aktiendepot führen", erklärt Renate Feller den Sinneswandel.

Die 25 "Performance"-Frauen zahlen monatlich 100 oder 200 Mark in ihr Club-Konto ein. Derzeit treffen sie sich regelmäßig zwei Mal pro Monat. Bei jeder Sitzung wird die Depotentwicklung detailliert erörtert. Außerdem überlegen sich die Mitglieder gemeinsam, welche neuen Unternehmen fürs Portfolio interessant sein könnten und beobachtet werden müssen. Die Anlagestrategie des Clubs bezeichnet die Geschäftsführerin als konservativ. "Bei uns spielen die Gewinnzahlen eine wichtige Rolle", sagt Barbara Möbus. Vorrang hätten deshalb die Branchenführer. Ab und zu investieren die Frauen aber auch in den einen oder anderen spekulativen Wert.

Hohe Gewinne vor jähem Absturz

Einer der spekulativen Titel war die japanische Internet-Beteiligungsgesellschaft Softbank, deren Aktien sich innerhalb eines Jahres von 17,66 Euro auf 550 Euro verteuerten, ein Kursanstieg von mehr als 3 000 Prozent! Allerdings ging es danach wieder steil bergab. Der Titel notiert derzeit bei 38,50 Euro. Die "Performance"-Frauen hatten ihre Anteile rechtzeitig verkauft und konnten einen satten Gewinn einstreichen.

Damit in einem Investmentclub keine Steuern anfallen, empfiehlt die DSW die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Bei einer GbR sind bis zu 30 Mitglieder erlaubt. Die Geschäftsführung besteht aus dem Geschäftsführer, einem Schatzmeister und Protokollführer sowie einer Stellvertretung. Im Gesellschaftervertrag sollte auch festgehalten werden, wie der Club mit dem Ausscheiden von alten und dem Eintreten von neuen Mitgliedern verfährt. Um die Kontoführung nicht unnötig zu erschweren, erlauben viele Investmentclubs das Ausscheiden nur zum Jahresende.

Broschüre zum Einstieg

Nähere Informationen zur Clubgründung bietet die Broschüre "Leitfaden zur Gründung von Investmentclubs". Der Ratgeber kostet 10 Mark und kann bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. bestellt werden, Postfach 35 01 63, 40443 Düsseldorf, Telefon: 0211 - 66 97 01/02, Telefax: 0211 - 66 97 60.

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