Frauen in Führungspositionen
Lucy wird zum Global Leader

Sie ist einer der neuen "globalen Stars". Vertreten auf zahlreichen People to Watch-Listen. Gefragt und eingeladen immer dann, wenn es um Frauen und Karriere geht. Ihre Firma Marcus Venture Consulting berät Risikokapitalgeber bei der Auswahl von Projekten. Ihr For-Profit-Netzwerk "HighTech Women" vereint 1700 Frauen weltweit.

Vom World Economic Forum zum "Global Leader for Tomorrow" gekürt, leitet die 32-jährige Lucy Marcus nun auch eine "Task Force on Building Women Leaders", die sich als globale Initiative versteht, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen.

In ihrem ersten Interview mit der deutschen Presse erklärt die dynamische Amerikanerin, die in London lebt und mit einem Deutschen verheiratet ist, warum Frauen keine Karriere machen und warum sie es trotzdem geschafft hat:

Sie sind so etwas wie der neue internationale Konferenz-Darling, immer eingeladen, wenn es um Frauen und Karriere geht. Wieso?

Ich glaube, mein Erfolg kommt daher, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und Dinge beim Namen zu nennen, auch wenn sie unangenehm, ja manchmal sogar schmerzhaft sind. Und dass ich allgemein akzeptierte Praktiken mit einer Mischung aus gutem Menschenverstand und einer originellen, unorthodoxen Denkweise in Frage stelle.

Das Problem mit vielversprechenden jungen Leuten ist, dass sie irgendwann die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen müssen. Was haben Sie schon geleistet?

Ich bin immer gut unter Druck und bei anscheinend unerreichbaren Zielen. Als ich von den USA nach Großbritannien ging, kannte ich absolut niemanden, und innerhalb eines Jahres hatte ich dort mit Marcus Venture Consulting und HighTech Women zwei Firmen aufgebaut. Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu machen, ist für mich sicherlich das erste Erfolgskriterium. Aber Erfolg bedeutet für mich auch, über Dinge schreiben und reden zu können, die mir wichtig sind - und Gehör zu finden.

Sie haben es als Frau geschafft, mit Ihren, sich mit Ihren verschiedenen Projekten in der von Männern dominierten Unternehmenswelt durchzusetzen. Warum?

Mehr und mehr Frauen schaffen es heute. Es braucht eine Mischung aus Entschlossenheit, Fähigkeiten und Ausdauer, und auch Unabhängigkeit im Denken und Handeln. Erfolgreiche Frauen, die ich bewundere, zeigen auch Zähigkeit und Durchhaltevermögen. Und ein Sinn für Humor ist oft auch ganz hilfreich.

Die weltweite Studie, die Sie nun für das World Economic Forum leiten, soll die Faktoren klären, universell und länder-/kulturspezifisch, die weibliche Führungspersönlichkeiten hervorbringen. Ohne den Ergebnissen vorzugreifen, was macht Ihrer Erfahrung nach Frauen erfolgreich?

Einige Faktoren habe ich schon genannt. Mentoring, sowohl institutionalisiertes als auch informelles, ist wichtig. Und starke Vorbilder - erfolgreiche Frauen, die darüber berichten, wie sie erfolgreich geworden sind.

Das Macho-Argument ist, dass Frauen ganz einfach deshalb nicht so erfolgreich sind wie Männer, weil ihnen der Wille und das Durchsetzungsvermögen fehlt.

Die Leute scheinen manchmal Durchsetzungsvermögen mit Rücksichtslosigkeit zu verwechseln. Vielleicht stimmt es, dass Frauen, obwohl sie die Fähigkeiten hätten, erfolgreich zu sein, nicht bereit sind, a l l e s für den Erfolg zu tun.

Die Ergebnisse Ihrer weltweiten Studie sollen es auch Unternehmen ermöglichen, mehr für die Karrieren von Frauen zu tun. Warum sollten diese eigentlich überhaupt Interesse daran haben?

Frauen können genau so viel wie Männer. Deshalb ist der Punkt auch nicht, Frauen zu fördern, sondern die besten Talente. Daran muss heute jedes Unternehmen Interesse haben. Und die möglicherweise unterschiedlichen Führungsfähigkeiten von Männern und Frauen zu verbinden, erlaubt komplexen Organisationen noch erfolgreicher zu sein.

Die Fragen stellte Christoph Mohr. Mehr zum Thema World Economic Forum/Global Leaders for Tomorrow finden Sie in unter  www.jungekarriere.com/glt.

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