Frauen-Zwist trotz Dreifachsieg: Historische Pleite für Hackl & Co

Frauen-Zwist trotz Dreifachsieg
Historische Pleite für Hackl & Co

Georg Hackl hat im malerischen Gauja-Tal von Sigulda eine seiner schwärzesten Stunden erlebt, die deutschen Rodel- Männer sind erstmals seit 20 Jahren ohne Medaillenglanz geblieben. Der dreimalige Olympiasieger aus Berchtesgaden musste am Sonntag bei der 36. Weltmeisterschaft als 16. mit einem Rückstand von 0,886 Sekunden auf Titelverteidiger Armin Zöggeler (Italien) die schlechteste WM-Platzierung seiner Karriere einstecken.

HB/dpa SIGULDA. "Es ist schade, das es bei der WM so in die Hose gegangen ist. Flennen werde ich aber nicht", analysierte Hackl, der seine Karriere auf jeden Fall fortsetzen will. Verlass war zwar auf die Frauen, die angeführt von Sylke Otto einen Dreifacherfolg feierten. Doch die harte Kritik der dreimaligen Titelträgerin am Teamgeist trübte das Bild.

Ihren WM-Erfolg von Calgary vor zwei Jahren konnten die Doppelsitzer Patric Leitner und Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden) nicht wiederholen. Die Olympiasieger fuhren nach dem Mannschaftstitel aber mit Bronze hinter den Österreichern Andreas und Wolfgang Linger sowie deren Landsmännern Tobias und Markus Schiegl die fünfte deutsche Medaille ein. Bei den Männern sorgte WM-Debütant Jan Eichhorn (Oberhof) als Fünfter für den Lichtblick, Denis Geppert (Oberwiesenthal) wurde 10., David Möller (Oberhof) 11.

"Ich hatte kaum Hoffnungen auf eine Medaille", gab Bundestrainer Thomas Schwab zu. Als erster Einsitzer schaffte Italiens Olympiasieger Armin Zöggeler seinen vierten WM-Titel vor dem Letten Martins Rubenis und dem Österreicher Rainer Margreiter.

"Nach dem Fehler in der ersten Kurve im ersten Lauf war die Messe gelesen", sagte Hackl, nachdem er sich vor versammelter Journalistenschar bis auf die Unterhose umgezogen hatte. "Ich hatte bislang zwei Aussetzer bei einer WM." Vor vier Jahren stürzte er auf seiner Hausbahn am Königssee. "Es ist sehr schade, dass ich all die Arbeit, die ich in das Gerät gesteckt habe, nicht umsetzen konnte." Mit dem schlechtesten Lauf der Saison auf der weichen Bahn hatte Hackl bei einem Rückstand von 0,557 Sekunden als 17. bereits zur Halbzeit alles verspielt.

"Ich bin aber guter Dinge für die Zukunft. Auf anderen Bahnen ist es besser gelaufen als ich erwartet hatte. Das gibt mir Hoffnung für die nächste Saison", meinte Hackl. Sein Karriereende will der Rodel- Oldie von seinem Gesundheitszustand abhängig machen - und der Aussicht auf Erfolg. Seine sechsten Olympischen Winterspiele will er 2006 in Turin nur in Angriff nehmen, wenn er auch eine Medaillenchance hat.

"Es war der schwerste Titel, den ich jemals geholt habe. Ich würde ihn fast höher einschätzen als den Olympiasieg", sagte Sylke Otto mit Tränen in den Augen nach ihrem dritten WM-Titel in Serie. Die Gewinnerin der 100. deutschen Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen holte mit Bahnrekord im ersten Durchgang und Bestzeit im zweiten um 26/1000 Sekunden vor Dauerrivalin Silke Kraushaar auch den 25. WM-Sieg einer deutschen Rodlerin. Barbara Niedernhuber (Königssee) komplettierte den vierten WM-Dreifach-Erfolg hintereinander.

Doch der Erfolg täuscht. Erst ließ sich Otto zu einer provozierenden Handgeste hinreißen, dann rechnete sie gnadenlos mit dem eigenen Team und Dauerrivalin Kraushaar ab. "Ich bin es leid, weiter etwas vorzuspielen. Es herrscht kein Klima in der Mannschaft", kritisierte die 33-Jährige. Kraushaar jammere ständig über ihr eigenes Material. Sie mache vor allem Team-Mechaniker Wolfgang Scholz völlig zu Unrecht Vorwürfe.

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