Fraunhofer-Forscher suchen nach extrem robusten Lebensformen
Widerstandsfähige Algen aus der Arktis sollen Biomedizin beflügeln

Mit einer Expedition in die Arktis haben sich Fraunhofer-Forscher Ende August auf die Suche nach unbekannten Algen gemacht. Sie hoffen, auf Schneefeldern und Gletschern Organismen zu finden, die extremen Umweltbedingungen trotzen können.

mx DÜSSELDORF. Diese so genannten extremophilen Lebewesen hätten ein hohes Potenzial für die Pharmaindustrie und die Lebensmittelproduktion.

"Bei der biotechnologischen Produktion verschiedenster Substanzen bieten extremophile Einzeller Vorteile", erklärt Jörg Degen vom Fraunhofer für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik-Institut (IGB). "Gewöhnliche Einzeller finden die extremen Bedingungen im Bioreaktor alles andere als angenehm und können kaum konkurrieren." Daher sind die Forscher hinter Mikroorganismen mit gnadenlosen Nehmerqualitäten her. Manche nutzen in den Tiefen der Ozeane heiße Quellen für ihre Energie- und Stoffproduktion. Einige Bakterien und Algen fühlen sich im kochenden Wasser von Geysiren pudelwohl, andere in Säuretümpeln oder Salzseen, und wieder andere besiedeln Gletscher und Schneefelder.

Biologen wie Degen, die solchen Lebensformen auf der Spur sind, nutzen die Einzeller, weil diese im Bioreaktor Vorteile bieten: Der Aufwand für die Sterilisierung der Apparaturen sinkt ebenso wie die Gefahr, dass ein Ansatz "umkippt".

Degen will mit seiner ausgegründeten Stuttgarter Firma Subitec bald mit Algen einen roten Lebensmittelfarbstoff im Kilomaßstab produzieren. Er erwartet einen großen Markt für diesen bisher synthetisch oder mit genetisch veränderten Bakterien erzeugten Farbstoff. Denn allein in der Lachszucht verschlinge er mehr als 10 % der Gesamtkosten.

Gefragt sind auch so genannte psychrophile Mikroorganismen, die sich etwas oberhalb des Gefrierpunkts wohlfühlen und vermehren. "Sie eignen sich als natürliche Produzenten bisher unbekannter Enzyme", sagt Thomas Leya vom Fraunhofer für Biomedizinische Technik-Institut (IBMT). "Wir sind optimistisch, dass sich einige der Biokatalysatoren in temperatursensiblen Prozessen wie der Milchverarbeitung vorteilhaft einsetzen lassen." Am Zentrum für Biophysik und Bioinformatik der Humboldt-Universität werden die gefundenen kleinen Lebewesen kultiviert - als zukünftige Ressourcen für Pharma- und Lebensmittelproduzenten.

Quelle: Handelsblatt

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