Fraunhofer-Institut entwickelt Pilotanlage Tower24 in Dortmund
Deutsche Post richtet eigene Packetautomaten ein

Automatische Paketstationen, bei denen sich die Kunden ihre Ware selbst abholen, bieten viele Vorteile. Doch damit sich die aufwendige Technik lohnt, muss die Auslastung der Anlage groß und die Lage zentral sein.

DÜSSELDORF. Dortmund hat ab Mitte März neben der Westfalenhalle und der Borussia ein weiteres Aushängeschild: den Tower24. Die Pilotanlage einer vollautomatischen Paketstation ist ein gemeinsames Projekt des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik sowie der SSI Schäfer Noell, einem Anbieter von Lagertechnik.

Die Erwartungen an den elf Meter hohen Lagerturm, von dem nur sieben Meter sichtbar sind und vier im Boden stecken, sind hoch: Die Bauherren glauben, dass bis zu 700 Pakettürme, in denen jeweils Platz für rund 300 Pakete ist, bundesweit in Betrieb gehen könnten. Allerdings gibt es noch keine Investoren, dafür aber jede Menge Interessenten: Künftig werden zum Beispiel der Dortmunder Lebensmittelhändler Konze und der Versandhändler Otto Pakete im Tower abliefern.

Die Logistik ist einfach: Registrierte Kunden werden per SMS, E-Mail oder Voicemail über den Eingang ihrer bestellten Ware informiert, seien es Lebensmittel, Kleidungsstücke oder Bücher. Mit Hilfe eines Pin-Codes können sie anschließend - ähnlich wie bei einem Geldautomaten - ihre in den Fächern des Towers deponierten Pakete abholen.

Die Kunden können somit unabhängig von den Öffnungszeiten der Postfilialen ihre Pakete entgegennehmen. Fraunhofer-Projektleiterin Anke Jaspers sieht auch noch weitere Vorteile: Für den Handel bedeuteten derartige Automaten ein Zusatzgeschäft, und für Paketdienstleister könnten sich enorme Einsparungen ergeben, sagt sie. Denn bei der Paketzustellung frei Haus entfällt mehr als die Hälfte der Kosten auf die "letzte Meile" zwischen Verteilzentrum und Empfänger. Auch vergebliche Zustellversuche gibt es bei einer solchen Paketstation nicht mehr.

Der Erfolg der Anlage stehe und falle jedoch mit ihrem Aufstellungsort, meint der Unternehmensberater und Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Paketanlagen müssten grundsätzlich gut erreichbar sein. Außerdem sollten die Anlagen von allen Paketdienstleistern beliefert werden. Ob es künftig jedoch Betreibermodelle geben wird, an denen sich alle Paketdienstleister beteiligen und dafür Gebühren zahlen, gilt in der Branche als eher unwahrscheinlich.

Denn während die Paket-Konkurrenz wie UPS, TNT, German Parcel, DPD oder Hermes noch am Aufbau eigener Filialstrukturen für das Geschäft mit Privatkunden und Gewerbetreibenden - etwa Pick-Points in Tankstellen - bastelt, geht Branchenprimus Deutsche Post bereits neue Wege und testet ein eigenes System: die Packstation.

Seit Anfang vergangenen Jahres testet der gelbe Riese die Abhol-Automaten, das die Postfilialen ergänzen soll. 90 Packstationen in fünf Städten sind bereits eingerichtet, 50.000 Kunden haben sich registrieren lassen. Allein in Dortmund gibt es 15 Packstationen - auch in unmittelbarer Nähe zum Tower24.

"Keine Konkurrenz", versichert Tower-Frau Jaspers. Die Packstation sei eine Komplementärlösung und grundsätzlich für weniger "hochfrequente Stellen" gedacht. Der Tower sei wegen seiner Größe und seiner aufwendigen Technik, die auch die Lagerung von Lebensmitteln ermöglicht, nur für Verkehrsknotenpunkte geeignet.

Für einen Investor rechnet sich der Tower24 erst ab einer hohen Auslastung. Die Pilotanlage inklusive Kühltechnik kostet 750.000 Euro. Außerdem müssen noch Kosten für ein Grundstück in "Filetlage" hinzugerechnet werden. Das Serienmodell des Tower24 soll allerdings für unter 300.000 Euro zu haben sein. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 55.000 Euro geschätzt. Auch abgespeckte Versionen, etwa ohne Kühltechnik, werden angeboten.

Packstationen der Deutschen Post seien dagegen viel günstiger, sagt Boris Mayer, Projektleiter der Deutschen Post - wollte aber keine Zahlen nennen. Der technische Aufwand der Anlagen ist geringer, zudem beschränkt sich das Angebot auf Pakete der Deutschen Post. Neben der Zustellung von Standardpaketen ist auch die bargeldlose Zahlung von Nachnahmesendungen möglich. Die komplett automatisierten Stationen sollen unabhängig von Postfilialen an zugänglichen öffentlichen Orten wie Tankstellen oder Lebensmittelmärkten eingerichtet werden. Vor allem für Berufstätige und Single-Haushalte sei die Lösung sinnvoll, meint die Post. Mit einer Kundennummer und einer persönlichen Geheimzahl können die Pakete vom Automaten abgeholt werden.

Bis Ende März will der Vorstand der Deutschen Post über die bundesweite Einführung der Packstation entscheiden. Erste Erfahrungen mit den Automaten haben Mut gemacht: Fast 90 % der befragten Packstation-Kunden hätten diesen Service mit "gut" oder "sehr gut" bewertet, berichtet Mayer. Noch schreckt die Post aber vor der großen Investition zurück. Möglicherweise wird das System schrittweise Stadt nach Stadt eingeführt.

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