Fred Maro ist Management- Coach und Autor – er beschäftigt fast nur weibliche Trainer
Frauen verschließen die Augen und klagen

Jahrtausende lang war der mögliche Karriereweg eines weiblichen Wesens weitgehend vorgezeichnet. Die wenigen Ausnahmen bestätigten eher die Regel, dass Frauen an „die Seite eines wichtigen Mannes“, an den Herd, zu den Kindern oder ins Bett gehörten. So heftig sich das anhören mag – diese Einstellung gibt es leider heute noch. Und beileibe nicht nur in den Gehirnen der Männer!

Warum werden die Sandburgen der Männer nicht erobert? "Weil Frauen nicht wirklich nach oben wollen", war die überraschende Antwort meines Gegenübers. Sie kam von einer der wenigen weiblichen Wesen in einer Spitzenposition eines deutschen Unternehmens. Ich hatte sie gefragt, was denn wohl die Ursache sein könnte, dass so wenig Frauen als Führungskräfte in strategisch entscheidenden Unternehmensebenen zu finden sind. Ich hatte eine ganze Reihe von Antworten erwartet, jedoch nicht eine, die meine eigenen Erkenntnisse als Coach und Kommunikationsberater in einem Satz zusammenfasste.

Jahrtausende lang war der mögliche Karriereweg eines weiblichen Wesens weitgehend vorgezeichnet. Die wenigen Ausnahmen bestätigten eher die Regel, dass Frauen an "die Seite eines wichtigen Mannes", an den Herd, zu den Kindern oder ins Bett gehörten. So heftig sich das anhören mag - diese Einstellung gibt es leider heute noch. Und beileibe nicht nur in den Gehirnen der Männer!

Ursachen für diese überkommenen Spielregeln sind wohl alte Rudelmechanismen, die uns seit hunderttausenden von Jahren das Überleben sichern. Seit jeher ist es Aufgabe männlicher Rudelführer zu leiten, zu schützen und Nachwuchs zu zeugen. Die weiblichen Mitglieder haben den Nachwuchs zu gebären, ihn zu erziehen und anzuleiten.

Die Erfordernisse modernen Zusammenlebens gestatten es aber schon lange nicht mehr, Frauen in ihrer ursprünglichen Rolle zu belassen. Wir müssen erkennen, dass uns weibliche Wesen unter anderem im innovativem und strategischen Denken und im engagierten Handeln nicht nur ebenbürtig, sondern oft überlegen sind.

Dies gefällt uns tollen Hechten natürlich ganz und gar nicht. Und so versuchen wir je nach verbalen, geistigen, finanziellen oder machtrelevanten Möglichkeiten, uns durch ziemlich ungelenke Schutzmechanismen unsere Sandburgen zu bewahren. Erstaunlicherweise gibt es jedoch nur sehr wenige Frauen, welche diese Blößen nutzen, um mit ihren eigenen Leistungen und Fähigkeiten zielgerichtet endlich einmal dorthin zu gelangen, wo sie auf Grund eben dieser Stärken hingehören.

Fast jede Woche höre ich aber Frauen klagen, dass sie von uns Männern auf ihrem Karriereweg gezielt behindert werden. Da werden von Möchtegern-Rudelhäuptlingen unglaubliche Behauptungen aufgestellt und Manöver inszeniert, damit männliche Sandburgen nicht gefährdet werden. Es sieht also oft ganz danach aus, als wären die Klagen dieser Frauen berechtigt.

Zeigt man ihnen jedoch, wo die Schwachstellen in den Sandburgen sind - wo sie also ansetzen können, um sich trotzdem effektiv und erfolgreich durchzusetzen, geschieht Erstaunliches: Anstatt die - von einem Mann, also einem Insider! - vorgeschlagenen Verhaltensweisen und Strategien zu nutzen, um nach oben vorzudringen, verharren die meisten in ihrer Klageposition und begehen weiter Fehler, die es den Rudelhäuptlingen leicht machen, ihr Territorium zu verteidigen. Ich frage mich, ob diesen Frauen der Mut fehlt, aufgezeigte Schwachstellen für sich zu nutzen aus Angst vor der eigenen Courage oder ob sie tatsächlich Sie nicht wirklich wollen, wie der zu Anfang zitierte weibliche Personalvorstand vermutete? Ausnahmen bestätigen meine Erfahrungen.

Ab und zu treffe ich auf Frauen, welche - jede für sich - ihren Weg klar definiert haben und ihn professionell und zielgerichtet gehen. Einerlei, ob in Richtung Familie, auf dem Karriereweg nach oben, oder - bei uns unsinnigerweise staatlich behindert - in einer Kombination von beidem. Aber solche Frauen erlebe ich wirklich nur sehr selten. Die Mehrheit der Frauen in den Unternehmen dieser Welt verharren weiter in den alten Rudelmechanismen, verschließen die Augen vor den Chancen und klagen. Warum eigentlich?

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