Fredi Bobic war bekennender Aktionär des Fußball-Unternehmens
Wenn sich Aktien in Luft auflösen

Fredi Bobic war mal Nationalspieler, ist inzwischen aber beim Tabellenletzten Hannover 96 gestrandet. Was nicht nur Gehaltseinbußen zur Folge hatte. Weil er ansonsten gegen DFL-Regeln verstoßen hätte, verkaufte der Profi angeblich die Aktien seines Ex-Klubs Borussia Dortmund.

HB DÜSSELDORF. Fredi Bobic ist ein heiterer Geselle, meistens jedenfalls. Als der Ex-Nationalspieler am Mittwochabend mit Hannover 96 die Heimpartie gegen Energie Cottbus verloren hatte und die Niedersachsen nach der vierten Schlappe im vierten Erstligaspiel schlimmste Ahnungen für den Rest der Saison plagten, blieb der 30-Jährige demonstrativ gelassen. Trotz schwacher Leistung - das Fachmagazin Kicker verpasste ihm die Note 5 - analysierte Bobic die Begegnung vor laufender Fernsehkamera mit einem Lächeln im Gesicht. Keine Sorge, wird schon irgendwie werden.

Begrenzter Frohsinn


Gelegentlich aber ist auch bei dem Stürmer der Frohsinn begrenzt. Zum Beispiel dann, wenn er an sein Investment in Aktien der Borussia Dortmund GmbH & KGaA denkt. Der BVB, bis Ende August noch Bobic? Arbeitgeber, ist der einzige börsennotierte Klub der Republik und vermeldet mittlerweile eher triste Kurse von unter vier Euro. Der Emissionspreis lag im Oktober 2000 bei elf Euro. Der damalige BVB-Angestellte Bobic bekannte seinerzeit voller Zuversicht im Handelsblatt, sich "mit einem guten Paket" eingedeckt zu haben, und erklärte zudem: "Ich sehe das als langfristige Anlage."

Inzwischen mag der Stürmer, der sonst so gern geradeheraus daherkommt ("Man weiß, dass ich vor nichts weglaufe"), über das Thema nicht mehr so offen sprechen. Im Gegenteil. Bobic ließ gestern über seinen "Pressesprecher", den er sich trotz deutlich sinkender Nachfrage der Öffentlichkeit leistet, mitteilen, dass er keine BVB-Aktien mehr besitzt. Tags zuvor hatte sich das noch ganz anders angehört. Zum wiederholten Male entwickelte das Duo einen beachtlichen Ehrgeiz, um Bobic als kleinen, aber unerschrockenen Revoluzzer aufzubieten.

"Unerlaubter" Aktienbesitz


Der frühere Schwabe hält es nämlich für Unfug, dass es im Lizenzspielerstatut der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen Passus gibt, wonach Profis keine Aktien von Klubs besitzen dürfen, für die sie nicht spielen. Als die DFL allerdings ankündigte, möglicherweise aktiv zu werden und Bobic gegebenenfalls mit Strafen zu belegen, löste sich der Aktienbesitz flugs in Luft auf - viel schneller als es an der Börse bisweilen geschieht.

Die Inhalte jenes Lizenzspielerstatuts erkennt jeder Bundesliga-Profi mit der Vertragsunterschrift bei einem Erstligisten an. Dass sich längst nicht alle an diese DFL-Aktienvorschrift halten, war für Bobic schon beim Dortmunder Börsengang klar: "Ich bin sicher, dass auch Spieler anderer Vereine BVB-Aktien gekauft haben."

Alles wieder gut


Er selbst wäre nun der erste Spieler gewesen, der durch einen Klubwechsel ins Visier der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geraten wäre. Deren Geschäftsführer Wilfried Straub meinte auf Anfrage: "Wenn Verdachtsmomente genährt werden, gehen wir der Sache nach." Hätte Fredi Bobic weiterhin behauptet, BVB-Aktionär zu sein, hätte er mit einem freundlichen DFL-Brief aus Frankfurt rechnen müssen. Inhalt: Lieber Herr Bobic, bitte verkaufen Sie unverzüglich ihre Anteile an Borussia Dortmund. Jetzt ist alles gut, weil er ja offiziell keine Aktien besitzt.

Der DFL und Straub dürfte dies letztlich ganz recht sein. Zwar hatte der Geschäftsführer davon gesprochen, dass es im Falle "einer sperrigen Haltung" eine Bestrafung des Spielers geben könnte. Doch ernsthaft glaubt er wohl selbst nicht daran, dass wegen "illegalen" Aktienbesitzes Geldstrafen oder Sperren juristisch tatsächlich durchsetzbar sind. Die Sehnsucht nach konfliktfreien Zeiten schwingt wohl mit, wenn Straub sagt: "Ich hoffe, dass es nicht zu Sanktionen kommt."

"Schutz des Berufsfußballs"


Der besagte Passus sei aber auf jeden Fall "ein Beitrag zur Hygiene" und eine Vorbeugemaßnahme "zum Schutze des Berufsfußballs". Schließlich dürfe erst gar nicht der Anschein von Interessenskonflikten entstehen. Dass ein Profi "wegen 100 Aktien" am Tor vorbeischießt, glaubt Straub ohnehin nicht. Ungeachtet dessen aber wird die DFL keinen Einblick in die Depots der Profis erhalten. Womit stichhaltige Beweise unmöglich zu erbringen sind.

So sieht es auch Michael Meier. Der Dortmunder Manager, zugleich Mitglied im Ligavorstand, fragt: "Was will die DFL denn machen?" Für ihn wird das Thema "zu puristisch" behandelt, überhaupt leide Deutschland unter einem "Regelungswahn". Hier zu Lande werde daher "jeder dynamische Unternehmer zum Bürohengst" und unterm Strich "profitierten nur Wirtschaftsanwälte" von diesem Ärgernis. Dies sei, na klar, keine Kritik an der DFL, sondern eine generelle Aussage zur - sagen wir mal - Lage der Nation.

Deutliche Gehaltseinbußen


Als Meiers Borussia für Bobic unlängst keine Verwendung mehr hatte und der Spieler nach Hannover abgeschoben wurde, waren die BVB-Aktien im Übrigen kein Thema. "Ich habe ihm nicht gesagt: Bevor du den Raum verlässt, musst du deine vier Aktien verkaufen und Verluste realisieren." Wäre auch zu hart gewesen, immerhin musste Bobic beim Transfer schon deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Auch Ruf und Marktwert haben gelitten. Denn schon vor dem Wechsel nach Hannover hatte er sich als Leihspieler beim englischen Klub Bolton Wanderers verdingt und Erfahrung im Abstiegskampf gesammelt.

Der wird auch am 5. Oktober präsent sein, wenn Hannover 96 mit dem bekennenden Nicht-BVB-Aktionär Fredi Bobic auf dessen Ex-Klub Borussia Dortmund trifft. Frei von jeglichen Gewissenskonflikten kann er dann aufspielen. Sollte er das entscheidende Tor erzielen und die Dortmunder Aktie weiter an Wert verlieren, könnte er sich sogar freuen, dass ihn die DFL-Regeln zum Verkauf gezwungen haben.

Allein, der Glaube fehlt an dieser Theorie. Auch Michael Meier: "Haben Sie schon mal erlebt, dass unsere Aktie auf sportliche Ergebnisse reagiert?"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%