"Free-Float"-Regelung erschwert die Aufnahme in den Euro-Stoxx
Deutsche Post gilt als sicherer Dax-Kandidat

Die Deutsche Post wird nach Einschätzung von Finanzmarktexperten schon bald nach ihrem Börsengang in Dax aufsteigen.

Reuters FRANKFURT. Das Emissionsvolumen ist offiziell zwar nach wie vor nicht bekannt. Analysten sehen den Wert des Bonner Konzers aber grob gerechnet zwischen 20 und 30 Mrd. Euro, womit die "Aktie Gelb" Leichtgewichte wie Degussa-Hüls oder Karstadt-Quelle aus dem die 30 Top-Werte umfassenden Index verdrängen könnte. "Es bildet sich klar heraus, dass die Deutsche Post wahrscheinlich in den Dax aufgenommen wird", sagt der Analyst einer am Börsengang beteiligten Bank. Für den Euro-Stoxx 50 bringt die Post wegen des hohen Besitzanteils des Bundes aber wohl zu wenig Gewicht auf die Waage.



Marktkapitalisierung ist entscheidend

Eines der entscheidenden Kriterien für eine Aufnahme in den Dax ist die Marktkapitalisierung des Unternehmens - also der Kurs multipliziert mit der Anzahl der Aktien. Die emissionsbegleitenden Geldinstitute ermittelten nach Informationen des "Handelsblatts" einen Wert von durchschnittlich 23 Mrd. Euro. Am Post-Börsengang sind alle großen deutschen Banken beteiligt.

Selbst wenn die Post nur mit etwa 20 Mrd. Euro bewertet würde, dürfte sie in den Dax aufsteigen. Außerplanmäßig - etwa bei großen Emissionen oder Fusionen - können gemäß Börsen-Richtlinien Firmen in den Index aufgenommen werden, wenn sie nach Marktwert und Börsenumsatz zu den 25 Größten im Lande zählen. Auf der Basis der von der Deutschen Börse jüngst veröffentlichten Indexdaten gehört die Post zu den 15 Größten.

Verdrängt werden könnten demnach Degussa-Hüls oder Karstadt-Quelle, die neben einer vergleichbar geringen Marktkapitalisierung von je weniger als fünf Mrd. Euro auch beim Börsenumsatz zu den Schwächsten im Dax zählen. Für eine Dax-Aufnahme der Deutschen Post spricht auch, dass in dem Index noch kein Logistik-Konzern gewichtet ist.



Entscheidung wahrscheinlich schon am 14. November

Am 14. November - also sechs Tage vor Handelsaufnahme der "Aktie Gelb" - tagt der für Index-Änderungen zuständige Arbeitskreis der Deutschen Börse. Wohl bei diesem Treffen wird die neue Volksaktie nach Einschätzung von Marktteilnehmern zum Dax-Aufsteiger erkoren. Wirksam wird die Ernennung wahrscheinlich erst im März 2001 - in diesen Monat fällt ein großer Verfallstag an der Terminbörse (Verkettungstermin), an dem Umstrukturierungen des Dax in Kraft treten. Der Verkettungstermin am dritten Freitag im Dezember kommt voraussichtlich nicht in Frage, weil eine Aktie vor ihrer Aufnahme in den Dax mindestens 30 Tage gehandelt worden sein muss.

Carsten Hilck, Indexexperte bei der Fondsgesellschaft Union Investment, weist darauf hin, dass die Deutsche Börse ab 2002 die Methode zur Berechnung des Börsenwerts ändern will. Ab dann sollen nicht mehr alle Aktien, sondern nur noch die frei handelbaren ("Free-Float") herangezogen werden. Da der Bund zunächst etwa nur ein Viertel des Post-Kapitals an der Börse verkaufen und die große Mehrheit an dem Konzern auf ungewisse Zeit behalten wird, könnte die Marktkapitalisierung der Post im Dax dann auf einen Schlag deutlich sinken.

Der Indexanbieter Stoxx Ltd. berechnet seine Indizes wie den Euro-Stoxx-50 bereits auf Basis der "Free-Float"-Regel. Aus diesem Grund dürfte es der "Aktie Gelb" schwer fallen, in den Euro-Stoxx aufgenommen zu werden. Denn nach Abzug des 75-Prozent-Anteils des Bundes bliebe selbst bei einem hoch gerechneten Börsenwert von 30 Mrd. Euro nur ein frei gehandeltes Volumen von 7,5 Mrd. Euro. Nötig für eine Aufnahme in den Euro-Stoxx wären zurzeit mindestens rund 20 Mrd. Euro.

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