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Freie Bahn für RettungswagenDPA-Datum: 2004-07-20 09:50:15

Hamburg (dpa/gms) - Wie aus dem Nichts taucht der Rettungswagen im Sichtfeld des Autofahrers auf. Gehört hat er das Fahrzeug trotz des tönenden Martinshorns nicht - das Radio war zu laut aufgedreht. Das so etwas passiert, ist kein Einzelfall.

Hamburg (dpa/gms) - Wie aus dem Nichts taucht der Rettungswagen im Sichtfeld des Autofahrers auf. Gehört hat er das Fahrzeug trotz des tönenden Martinshorns nicht - das Radio war zu laut aufgedreht. Das so etwas passiert, ist kein Einzelfall.

Immer öfter haben Einsatzfahrzeuge Mühe, sich ihren Weg durch den Verkehr zu bahnen - mit möglicherweise fataler Folge, schließlich müssen sie bei Unglücken oder Bränden so schnell wie möglich am Ort sein. Stattdessen werden die Retter häufig selbst in Unfälle verwickelt. Dabei ist es gar nicht schwer, ihnen ihre Arbeit zu erleichtern.

«Wir haben festgestellt, dass die Behinderung der Einsatzfahrzeuge zugenommen hat», sagt Arno Reglitzky vom Adac Hansa in Hamburg. Es habe den Anschein, als nähmen vor allem jüngere Autofahrer solche Situationen nicht ernst genug. Allein bei Einsatzfahrten der Feuerwehr kommt es in Deutschland pro Jahr zu rund 3500 Unfällen - oft als Folge rücksichtslosen Verhaltens anderer Verkehrsteilnehmer.

Korrektes Verhalten sollte für Autofahrer nicht erst beginnen, wenn ihnen das Einsatzfahrzeug schon entgegen kommt: «Die Lärmkulisse im Auto muss so niedrig gehalten werden, dass man ein Martinshorn hören kann», betont Rainer Hessel von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Meckenheim bei Bonn. Manche Verkehrsteilnehmer übersehen Rettungswagen auch, weil sie nicht umsichtig fahren. «Man sollte generell hin und wieder in den Rückspiegel schauen.»

Doch selbst die verantwortungsvollsten Fahrer sind im Ernstfall mitunter verunsichert und reagieren falsch. «Den Autofahrern ist oft nicht klar, was sie machen sollen. Dadurch bringen sie sich und die Einsatzfahrzeuge in kritische Situationen», sagt Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Besonders gefährlich ist dies im Bereich von Kreuzungen.

Wer ein Martinshorn hört oder ein Blaulicht sieht, sollte vor allem ruhig bleiben. So lässt sich am besten feststellen, aus welcher Richtung das Einsatzfahrzeug kommt und ob es möglicherweise mehrere sind. Erst dann wird ausgewichen. Wichtig ist es dabei nach Bernd Kulows Worten, den Blinker zu setzen, damit alle Verkehrsteilnehmer sehen, in welche Richtung Platz geschaffen wird. Der Blinker sollte eingeschaltet bleiben, um Missverständnisse zu vermeiden.

«Viele Verkehrsteilnehmer denken, sie müssten grundsätzlich rechts ranfahren», sagt Rainer Hessel von der DVW. Doch dies ist ein Irrtum: Diese Regel gilt zwar bei Straßen mit nur einer Spur in beide Richtungen. Bei zwei oder mehr Fahrstreifen - zum Beispiel auf den Autobahnen - weichen dagegen die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links und alle anderen nach rechts aus und bilden so eine Gasse.

Im Stadtverkehr wie auch auf Landstraßen und Autobahnen heißt es generell, das Tempo zu verringern, wenn sich ein Rettungsfahrzeug nähert. Das bedeutet aber nicht, dass die Autofahrer Vollbremsungen hinlegen sollen, sobald sie ein Blaulicht sehen. «Mit Verstand, Gefühl und Rücksichtnahme verlangsamen und notfalls anhalten», rät Hessel. Dass Verkehrsteilnehmer die Situation nicht ausnutzen und dem Rettungswagen hinterher fahren sollten, müsste eigentlich klar sein. Dennoch kommt dies laut Adac Hansa immer wieder vor.

Viele Auto- und Motorradfahrer wissen nicht, dass ihnen eine Strafe droht, wenn sie Einsatzfahrzeuge behindern. Wer gegen das so genannte Wegerecht von Feuerwehr-, Rettungs- oder Polizeiwagen verstößt und dabei erwischt wird, muss 20 Euro zahlen. Entsteht durch einen auf diese Weise verspäteten Einsatz nachweislich ein höherer Schaden, kann der Autofahrer sogar strafrechtlich verfolgt werden.

Kommt es zu Kollisionen mit Einsatzwagen, sind deren Fahrer daran jedoch nicht immer ganz unschuldig, wie Bernd Kulow vom DVR betont: «Die Fahrer stehen unter dem Stress, möglichst schnell zum Unglücksort zu kommen.» Während der Fahrt stellen sie sich darauf ein, dort unter Umständen Schwerverletzte oder sogar Tote vorzufinden. «Teilweise werden sie nachts aus dem Schlaf gerissen.» Dass unter diesen Bedingungen die Konzentration auf den Straßenverkehr leiden kann, sollte Verkehrsteilnehmern klar sein.

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