Freier Zugang zum Pay-TV ist Ziel
Unternehmen klagen gegen Dominanz der D-Box

Die in der Free Universe Network (FUN) zusammen geschlossenen rund 50 Unternehmen - vom Decoderhersteller bis zum TV-Anbieter - berufen sich auf Auflagen der EU-Kommission und Empfehlungen der Landesmedienanstalten, der Zugang zum Pay-TV sei diskriminierungsfrei zu gestalten. Nach Angaben der Allianz hat die Kirchgruppe signalisiert, sich für eine gemeinsame Schnittstelle (Common Interface) einzusetzen.

DÜSSELDORF. Tatsächlich aber habe das Unternehmen bislang noch nicht gehandelt. Nach wie vor seien Programm und Zugangstechnik verknüpft, und aus diesem Grund solle nun ein Schiedsgericht die Kirchgruppe dazu zwingen, ihr Programm auch über andere Digitalplattformen als die D-Box zugänglich zu machen. Die Kirchgruppe hat sich nach Auffassung der Allianz beim Genehmigungsverfahren über einen Zusammenschluss mit dem britischen Pay-TV-Marktführers BskyB dazu verpflichtet, einen diskrimierungsfreien Zugang zu gewähren.

Prinzipiell halte die Kirchgruppe auch an der Absicht fest, ein Simulcrypt-Verfahren einzusetzen, mit der auch andere Anbieter unterstützt würden, sagt Dorothee Belz, Leiterin des Geschäftsbereichs Regulierung und Strategische Personalplanung der Kirch-Holding. Ihrer Auffassung nach kann eine Vereinbarung aber nur mit einem Plattformbetreiber und nicht mit einem Interessenverband abgeschlossen werden. Fun will nun vor einem Schiedsgericht erreichen, dass "die Programme von Premiere World auch über die FUN-Universaldecoder empfangen werden können." Dem Schiedsgericht gehören Vertreter beider Seiten und ein neutraler Oberschiedsrichter an; das Votum ist bindend.

Herbert Tillmann, Technischer Direktor des Bayerischen Rundfunks, gibt dem Vorhaben durchaus Chancen. Seiner Auffassung nach spielt außerdem die Zeit gegen das Medienunternehmen. "Kirch hat ein massives Problem: Die D-Box und Verschlüsselungssoftware sind außerhalb Deutschlands nicht gefragt; von den Lizenzkosten kann Beta Research nicht leben; das Produkt ist schlicht nicht vermarktbar."

Bislang ist aber auch der Absatz der übrigen Decoder für das Digital-TV weit hinter den Erwartungen zurück geblieben. Die meisten Zuschauer setzen Pay-TV derzeit noch mit Digital-TV gleich, und da in Deutschland ein üppiges frei empfangbares Programmangebot mit Werbefinanzierung angeboten wird, liegen die Decoder wie Blei in den Regalen. Eine wichtige Rolle spielen werden die Decoder allerdings beim Ausbau der Kabelnetze in Deutschland. Denn die Zuschauer, die digitale Programmsignale auf dem Bildschirm betrachten wollen, benötigen einen Decoder zur Entschlüsselung.

Vor allem die Veräußerung der Kabelnetze durch die Telekom setzt die Kirch-Gruppe unter Druck. Bislang hatten das Telekommunikationsunternehmen und der Medienkonzern eng zusammen gearbeitet. Der Rückzug der Telekom auf eine Minderheitsposition und das Vordringen neuer Anbieter haben die Karten neu gemischt. Der als veraltet und anfällig geltenden D-Box werden von Marktbeobachtern nur geringe Chancen eingeräumt. Außerhalb Deutschlands ist die Kirchgruppe die D-Box bislang nur in Österreich los geworden, und die ersten Entscheidungen der Netzbetreiber fielen in Deutschland zu Ungunsten der D-Box und der Verschlüsselungssoftware aus. So kommt im hessischen Kabelnetz bei Ekabel die Technik von Liberate zum Einsatz, und in Leipzig arbeitet der Netzbetreiber Primacom, der zum niederländisch-amerikanischen UPC-Konzern gehört, mit Software von Open TV.

"Durch die neuen Investoren ist viel in Bewegung geraten", sagt Jobst Mühlbach vom Softwarehersteller Open TV. Und Tillmann sagt: "Kirch und Telekom haben die Entwicklung des digitalen Fernsehens in Deutschland verschleppt. Jetzt könnte es bald aufwärts gehen."

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