"Freiheit des Marktes"
Argentinien will keine Dollarbindung

Argentiniens neuer Wirtschaftsminister Roberto Lavagna hat einer Bindung des Pesokurses an den Dollar eine Absage erteilt.

dpa BUENOS AIRES. Nach der Banken- und Wechselstubenschließung der vergangenen Woche werde der Dollar ab diesem Montag wieder frei gehandelt, sagte der bisherige Botschafter Argentiniens bei der Europäischen Union der Zeitung "Clarín". Präsident Eduardo Duhalde hatte den 60-Jährigen am Vortag als sechsten Wirtschaftsminister des Landes binnen 13 Monaten vereidigt.

"Es wird keinen festen Wechselkurs geben, sondern die Freiheit des Marktes", betonte der Minister, der das Land als Nachfolger des gescheiterten Jorge Remes Lenicov aus der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte führen soll. Ein freier Wechselkurs war eine der Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für neue Kredite. Der politisch geschwächte Duhalde drängte den IWF zu schneller Hilfe. Spätestens im Mai müsse die Wiederaufnahme der Kredite vereinbart werden, sagte der Staatschef im Rundfunk.

Zuvor hatte sich der Präsident wiederholt für eine "Verankerung" des Peso am Dollar ausgesprochen, nachdem die Landeswährung seit dem Ende der Dollarbindung mehr als 70 Prozent ihres Wertes verloren und dem Land trotz einer tiefen Rezession einen Inflationsschub beschert hatte. Nach bald vier Jahren Wirtschaftskrise sind mittlerweile mehr als 40 Prozent der Argentinier unter die Armutsgrenze abgerutscht. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Protesten von Arbeitslosen und sich betrogen fühlenden Sparern.

Lavagna betonte, von diesem Montag an würden die Märkte wieder ohne Einschränkungen arbeiten können. Die Wirtschaft sei durch mehrere Bankenschließungen seit Januar stark behindert worden und benötige dringend "Sauerstoff". Der Dollar, der zuletzt 3,30 Pesos kostete, sei bereit sehr hoch bewertet und es gebe keine Gründe, dass er noch weiter steigen werde.

Zugleich bestätigte der Minister, dass weiterhin an einen Umtausch von Sparguthaben in staatliche Wertpapiere gedacht werde. Allerdings sollten auch die vom Zusammenbruch bedrohten Banken ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen. Das vom IWF kritisierte neue Konkursrecht solle den internationalen Standards angepasst werden. Argentinien ist durch extrem hohe Zinsen bereits seit dem vergangenem Jahr faktisch vom internationalen Kreditmarkt abgeschnitten.

Im Dezember stellte auch der IWF die Hilfen für das überschuldete Land ein, weil Vereinbarungen über Kürzungen der Staatsausgaben und politische Reformen nicht eingehalten worden waren. Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit argentinischer Unternehmen durch die Abwertung löste deshalb bisher kaum Wirtschaftswachstum aus. Duhalde warnte, es fehle inzwischen sogar an Kapital zur Vorfinanzierung von Exporten.

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