Freikarten für Randalierer
Ausschreitungen erschüttern Spaniens Fußball

Eine Welle der Gewalt hat den spanischen Fußball zum Ende der Saison erschüttert. In Villarreal prügelten nach einem Erstliga-Spiel Fußballer und Fans aufeinander ein. In Madrid griffen rechtsradikale Real-Hooligans vor dem Bernabeu-Stadion Polizisten und Fotografen an.

dpa MADRID. In den Arenen von Jerez und Tarragona mussten Zweitliga-Spiele wegen schwerer Fan-Ausschreitungen vor dem Abpfiff für beendet erklärt werden. "Dies ist das reine Chaos! Der Fußball ist in Gefahr", empörte sich das Sportblatt "Marca". Die Gewalt entlädt sich nicht allein bei den spannungsgeladenen Schlagerspielen zwischen den Erzrivalen Real Madrid und FC Barcelona, sondern auch in den Provinz-Arenen im ganzen Land. Die Täter sind sowohl durchgedrehte Zuschauer aus den Fanblocks als auch Fußball- Profis, die im Kampf gegen den Abstieg die Nerven verloren haben. Auf Teneriffa wollte Federico Lussenhoff nach Presseberichten vor dem Stadion mit seinem Auto einen protestierenden Schlachtenbummler anfahren. Dieser rettete sich mit einem Sprung zur Seite und revanchierte sich damit, dass er dem Argentinier mit einem dicken Felsbrocken die Autotür zerschmetterte.

Der Paraguayer Roberto Acuña ließ die Wut über den Abstieg seines Clubs Real Saragossa an des Gegners Fans aus. Nach Abpfiff der Partie bei CF Villarreal sprintete der Nationalspieler, genannt "el toro" (der Kampfstier), hinter einem Anhänger her und trat ihn nieder. Auch andere Saragossa-Kicker prügelten auf Besucher ein. Die Fußballer des Absteigers waren in der Vorwoche von ihren eigenen Fans aus der Stadt gejagt worden und mussten im 250 km entfernten Valencia trainieren. Dabei hat man in Spanien - verglichen mit anderen Ländern - mit der Gewalt bisher relativ wenig Probleme gehabt. Die Primera División rühmt sich, dass auch Familien mit Kindern gefahrlos Spiele besuchen können. Allerdings ist auch in Spanien ein gewisses Gewaltpotenzial seit längerem latent vorhanden.

In vielen Stadien ist es üblich, dass Gegenstände auf das Spielfeld geworfen werden, ohne dass jemand einschreitet. Bayern Münchens Kapitän Stefan Effenberg bekam dies im Champions-League-Spiel bei Real Madrid am eigenen Leib zu spüren. Im Stadion von Rayo Vallecano flog kürzlich ein Wasserhahn aus dem Publikum auf das Spielfeld. Da kein Fußballer von dem Metallstück getroffen wurde, tat man den Zwischenfall ab mit Sprüchen wie: "Da hat wohl ein Klempner den Hahn nicht mehr gebraucht." Die großen Clubs Real und "BarÇa" mussten sich vorwerfen lassen, radikale Fan- Clubs zu hofieren. Barcelona räumte ein, bekannten Randalierern Freikarten für das Camp-Nou-Stadion verschafft zu haben. Als Grund gab der Club an: "So haben wir diese Leute besser unter Kontrolle."

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