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Freitag ist Stichtag für Frühzeichner

Die Post-Aktie, die mancher Analyst schon als soliden Langweiler abgetan hatte, scheint sich ungeachtet des schwierigen Börsenumfelds recht gut zu verkaufen. Von einer Überzeichung des Aktienangebots ist in Finanzkreisen die Rede; die Deutschen griffen demnach bei der "Aktie Gelb" bereits eifrig zu. Die Konsortialbanken der Deutschen Post, die wie bei Börsengängen üblich zu vornehmer Zurückhaltung verpflichtet sind, sprechen nur von "reger Nachfrage", aber zufrieden wirken sie allemal.

afp BONN. Für Privatanleger, die das Post-Papier im Depot haben wollen, wird die Zeit jetzt eng: Bis Freitag einschließlich müssen die Aktienorders bei der Bank eingegangen sein, um noch in den Genuss eines Frühzeichnerrabatts und später gegebenenfalls von Treueaktien zu kommen. In Bankenkreisen wird laut "Handelsblatt" eine drei- bis vierfache Überzeichnung der Post-Aktie für möglich gehalten. Dann müssten Kleinanleger und institutionelle Investoren wie Logistikfonds von einer eingeschränkten Zuteilung ausgehen: Die Orders würden vermutlich nach einer bestimmten Quote zurückgestutzt. Auf eine bevorzugte Zuteilung können nur Altkunden der Postbank hoffen.

Wer bis zum 10. November einschließlich Aktien gezeichnet hat, hat Anspruch auf einen Rabatt von 0,50 Euro je Aktie auf den Ausgabepreis. Werden die Anteile mindestens zwei Jahre lang gehalten, erhalten die Erstbesitzer zudem eine Gratisaktie je 15 Aktien. Die Früh-Order werden in Filialbanken noch bis Geschäftsschluss am Freitag und bei Online-Banken bis 24.00 Uhr angenommen. Kunden, die danach noch etwas an dem Auftrag ändern - beispielsweise ein Preislimit einfügen - verlieren ihren Bonusanspruch.

Analysten gehen mehrheitlich von einem Emissionspreis um die 20 Euro (39,12 Mark) für die "Aktie Gelb" aus. Der Anteilsschein läge damit knapp im Mittelfeld der vorgegebenen Preisspanne von 18 bis 23 Euro. "20 Euro wären für uns ein Preis, bei dem man die Post-Aktie haben muss", sagt Hartmut Moers, Logistik-Analyst beim Frankfurter Bankhaus Julius Bär. "Da wäre noch genug Potenzial für Kurssteigerungen drin."

Auch Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hielte 20 Euro für fair und rät Kleinanlegern zum Zugreifen. "Damit könnte man zu einem günstigen Preis in den Logistikmarkt einsteigen." Den Zulauf zur Post-Aktie hält sie für bisher ganz ordentlich. Die "Aktie Gelb" sei auf bestem Wege, zu einer "neuen Volksaktie" zu werden. Die Post profitierte dabei vor allem davon, "dass wirklich jeder Mensch etwas mit diesem Unternehmen anfangen kann und die Produkte kennt". Viele Anleger hätten sich in den vergangenen Monaten am Neuen Markt die Finger an Unternehmen verbrannt, "von denen sie keineswegs genau wussten, was die eigentlich tun", glaubt Krüll. Da komme die Post-Aktie mit ihrem soliden Image gerade recht.

Insgesamt läuft die Zeichungsfrist für die "Aktie Gelb" für Privatanleger in sieben europäischen Ländern noch bis zum 16. November und für institutionelle Investoren einen Tag länger. Am Samstag, den 18. November, wird das Geheimnis um den Ausgabepreis und den Zuteilungsschlüssel gelüftet, am Montag dann startet die eigentliche Börsenkarriere des früheren Monopolisten. Dann wird sich erweisen, ob die Post-Aktie nicht vielleicht doch für einen raschen Spekulationsgewinn taugt.

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