Freitagsgebet ohne große Zwischenfälle
Ernste Bemühungen um Durchsetzung der Waffenruhe in Nahost

Nach der vereinbarten Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern unternehmen beide Seiten offenbar ernsthafte Anstrengungen, die Gewalt auch tatsächlich zu verringern.

dpa JERUSALEM/RAMALLAH. Nach der zwischen Israel und den Palästinensern vereinbarten Waffenruhe unternehmen beide Seiten offenbar ernsthafte Anstrengungen, die Gewalt auch tatsächlich zu verringern. Zwar kam es am Freitag nach dem traditionellen Mittagsgebet in mehreren Städten im Westjordanland und im Gazastreifen abermals zu Demonstrationen Hunderter Palästinenser. Anders als bei den Ausschreitungen der vergangenen Wochen waren die Teilnehmer jedoch meist unbewaffnet.

Auch das Freitagsgebet auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem ging ohne größere Zwischenfälle vorüber. Die Polizei hatte nur Männer über 45 Jahre zum Gebet in den beiden großen Moscheen gelassen.

Palästinenser erschossen

In Dschenin kam es zu einem tödlichen Zwischenfall. Israelische Soldaten erschossen einen bewaffneten Palästinenser. Bei den übrigen Zusammenstößen setzten die Soldaten dagegen meist Tränengas gegen jugendliche Steinewerfer ein oder feuerten gezielt Stahlgeschosse mit Gummimantel auf die Beine der Angreifer. Bis zum Nachmittag wurden deshalb bei den meisten Demonstrationen lediglich wenige, leichtere Verletzungen gemeldet. "Nach der Entscheidung von (Palästinenser- Präsident) Arafat für eine Waffenruhe haben wir unsere Leute angewiesen, keine Schusswaffen mehr zu benutzen", sagte ein örtlicher Anführer der Fatah-Organisation.

Noch am Donnerstag hatte der Führer der Fatah im Westjordanland, Marwan Barguti, die Fortsetzung der "Intifada 2000" (Aufstand) angekündigt, aber eingeschränkt, dass man sich jetzt aufs Steinewerfen beschränken wolle. Insgesamt sind bei den Unruhen seit dem 28. September mehr als 175 Menschen ums Leben gekommen, überwiegend Palästinenser. Noch am Donnerstag starben drei Palästinenser.

Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem verstärkt

Nach dem Bombenanschlag in West-Jerusalem am Donnerstag, bei dem zwei Israelis starben, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt massiv verstärkt. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Palästinensergruppe "Islamischer Dschihad" (Heiliger Krieg), die zugleich weitere Attentate in Israel ankündigte. Palästinenser- Präsident Arafat und führende Politiker seines Kabinetts verurteilten den Anschlag. Arafat bekräftigte, dass er die zwischen ihm und dem israelischen Regionalminister Schimon Peres ausgehandelte Waffenruhe verwirklichen wolle.

Die israelische Regierung entschied in der Nacht, Arafat kein festes Ultimatum für die Umsetzung der Waffenruhe zu setzen. Der Sicherheitsberater von Ministerpräsident Ehud Barak, Dani Jatom, meinte, man gehe davon aus, dass die Palästinensische Autonomie- Behörde bemüht sei, die Vereinbarungen zu erfüllen. Er glaube, dass sich die Lage in den kommenden Tagen verbessern werde. Barak selbst warnte die eigene Bevölkerung am Freitag vor einer Überreaktion auf die jüngste Gewalttat.

Bundeswehr fliegt Verletzte aus

Inzwischen mehren sich auch die Anzeichen für eine Wiederaufnahme der Friedensbemühungen zwischen beiden Seiten. Der israelische Außenminister Schlomo Ben-Ami sagte in New York, er erwarte, dass sowohl Barak als auch Arafat demnächst nach Washington zu Gesprächen reisen würden. Russlands Außenminister Igor Iwanow kündigte am Freitag eine neue Vermittlungsreise in den Nahen Osten sowie in die Anliegerstaaten des Persischen Golfs an.

Sechs Ärzte der Bundeswehr flogen am Freitag von Köln aus in die Krisenregion. Sie sollen den Transport von rund 50 im Gazastreifen verletzten palästinensischen Kindern und Jugendlichen nach Deutschland vorbereiten. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte diese Hilfe bei seinem Besuch am Mittwoch in Gaza zugesagt.

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