Freiwerdendes Kapital soll für Aktienrückkäufe genutzt werden
Deutsche Bank forciert Abbau ihres Beteiligungsbesitzes

Das größte deutsche Geldinstitut setzt die vom neuen Konzernchef Josef Ackermann vorgegebene Strategie der Kurswertsteigerung konsequent um. Erneut trennt sich die Deutsche Bank von einem großen Beteiligungspaket. Der Aktienkurs soll durch Aktienrückkäufe gesteigert werden.

hof/po FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank wird sich aus dem Aktionärskreis der Münchener Rück verabschieden. Das gesamte Paket von 7,6 Mill. Aktien, entsprechend 4,3 %, wird in einem Versteigerungsverfahren angeboten, betätigte das führende deutsche Geldhaus. Die Preisspanne liege zwischen 205 und 215 Euro, hieß es. Der Erlös beläuft sich auf rund 1,6 Mrd. Euro. Da die Münchener Rück-Aktien nach Angaben aus Bankkreisen relativ niedrig bewertet in den Büchern stehen, dürfte sich aus dieser Transaktion ein hoher Sonderertrag für die Deutsche Bank ergeben.

Das Angebot wurde nach Angaben aus Finanzkreisen gut aufgenommen. Es sei mit einer mehrfachen Überzeichnung zu rechnen, hieß es. Bereits nach einer Stunde, noch bevor die Amerikaner in die Auktion einstiegen, sei die Transaktion "einfach gezeichnet" gewesen. "Ein großer Teil der Nachfrage kommt aus Großbritannien, es liegen aber auch Gebote aus Deutschland und den USA vor", so ein Deutsch-Banker. Bei den meisten Bietern handele es sich um große Fonds.

Mit dem Abstoßen der Beteiligung am weltgrößten Rückversicherer setzt die Deutsche Bank die vom neuen Vorstandschef Josef Ackermann federführend initierte Strategie des Beteiligungsabbaus konsequent um. Ackermann will mit einem 4-Punkte-Programm die Kosten der Deutschen Bank um 2 Mrd. Euro bis Ende kommenden Jahres senken und die Profitabilität kräftig erhöhen. Die Kapital- und Bilanzstruktur soll durch den Abbau der Beteiligungen weiter verbessert werden, darüber hinaus will sich der Schweizer von Randbereichen trennen. Aus dem Leasing und dem Versicherungsgeschäft hat sich die Deutsche Bank bereits verabschiedet. Im Gegenzug sollen Kerngeschäftsfelder wie das Privatkundengeschäft auf Vordermann gebracht werden. Während sich die Deutsche Bank im Massenkundengeschäft auf ausgewählte Länder in Europa konzentrieren will, soll das Private Wealth Management, also das Geschäft mit sehr vermögenden Privatkunden, zur dritten globalen Einheit neben der Vermögensverwaltung und dem Investmentbanking ausgebaut werden.

Um den Aktienkurs zu pushen, kündigte das Institut die "beschleunigte Abgabe seiner restlichen Industriebeteiligungen" und die Verwendung der freiwerdenden Gelder für Aktienrückkäufe an. "Gemäß unserer Strategie, Beteiligungen zu veräußern, wird das nicht die letzte Aktion dieser Art gewesen sein. Wenn es der Markt hergibt, werden wir weitere Pakete aus dem Bestand verkaufen. Dafür gibt es aber keinen Zeitplan", so ein Deutsch-Banker. Erst auf der jüngsten Hauptversammlung hat sich die Deutsche Bank das Aktienrückkauf-Programm in Höhe von bis zu 10 % des Grundkapitals um ein weiteres Jahr verlängern lassen. Der Ex-Deutsche-Bank-Chef und jetzige Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer hatte kürzlich nicht ausgeschlossen, das Rückkaufprogramm zur Herabsetzung des Aktienkapitals zu nutzen. Aktien würden damit vom Markt genommen.

Größere Akquisitionen stehen dagegen im Moment nicht zur Debatte. Ackermann wolle konsolidieren statt expandieren, heißt es. Ziel des Schweizers ist es, den Aktienkurs mittels des 4-Punkte-Programms der Deutschen Bank auf über 100 Euro kräftig zu erhöhen. Das geschieht aber weniger aus Angst vor einer feindlichen Übernahme als vielmehr, um die strategischen Spielräume zu erweitern. "Wir wären selbst bei Fusionen mit spanischen Banken nur der Juniorpartner", so Breuer.

Das größte deutsche Kreditinstitut verfügt noch über Beteiligungen im Volumen von rund 15 Mrd. Euro. Die größten sind Allianz, Ameritrade, Linde, mg Technologies, Heidelberger Zement, Deutsche Börse oder Continental. Der Anteil am größten deutschen Autobauer Daimler Chrysler von knapp 13 % steht derzeit noch nicht zur Disposition. Bereits in den vergangenen Monaten hat sich die Deutsche Bank von Beteiligungsbesitz getrennt. Vor allem der Anteil an den beiden großen Versicherungskonzernen Allianz und Münchener Rück wurde kräftig zurückgefahren.

Den forcierten Abbau, ursprünglich war von sieben Jahren, nun ist von zwei bis drei Jahren die Rede, begründet Ackermann mit politischer Unsicherheit. Es sei zu befürchten, dass das Fenster für den steuerfreien Verkauf von Beteiligungen für Aktiengesellschaften nur noch zwei bis drei Jahre offen sei, heißt es.

Quelle: Handelsblatt

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