Freiwilligen Selbstkontrolle
Napster: Online-Musik-Fans rufen zum Boykott

Napster will künftig mindestens eine Million Dateien mit urheberrechtlich geschützter Musik blockieren. Damit will die Online-Börse verhindern, per Gerichtsurteil geschlossen zu werden.

Reuters SAN FRANCISCO/HAMBURG. Fans von kostenloser Online-Musik haben zum Boykott der Musiktauschbörse Napster aufgerufen, die mit einer freiwilligen Selbstkontrolle einer Schließung entgehen will. Im Forum auf der Website www.napster.com waren am Montag mehrere Aufrufe zu lesen, andere Tauschbörsen als Napster zu besuchen. "Besucht die Site aimster.com und ladet dort das Napster-ähnliche Programm herunter", schrieb ein Nutzer unter dem Namen "smspiffnhobes".

Unterdessen funktionierte das Napster-Angebot auch am Wochenende wie bisher, obwohl die Firma angekündigt hatte, ab Samstag urheberrechtlich geschützte Lieder herauszufiltern. Napster will künftig mindestens eine Million Dateien mit urheberrechtlich geschützter Musik blockieren. Damit will die Online-Börse verhindern, per Gerichtsurteil geschlossen zu werden. Geklagt hatte die Musikindustrie, weil auf Napster Millionen Internet-Nutzer kostenlos Musikdateien tauschen. Nach einer Anhörung beider Seiten am Freitag arbeitet die zuständige Bezirksrichterin jetzt an einer einstweiligen Verfügung, die jederzeit die sofortige Schließung von Napster zur Folge haben könnte. Davon wäre einer Studie zufolge in Deutschland jeder zehnte Internet-Nutzer betroffen.

Napster war vor knapp zwei Jahren von einem US-Teenager entwickelt worden. Inzwischen sind bei der Tauschbörse mehr als 60 Millionen Nutzer registriert. Neben Napster haben sich zahlreiche andere Tauschbörsen im Internet etabliert, darunter auch die inzwischen nicht nur bei erfahrenen Internet-Nutzern bekannte Börse Gnutella. In den Internet-Foren wurden am Montag zahlreiche weitere Alternativen zu Napster genannt. "Geht jetzt alle zu MusicCity.com", schrieb ein Nutzer, der sich im Internet "nevets14" nennt. "Versucht es mal mit zeropaid.com" und "Audiogalaxy.com ist auch gut", rieten anonyme Online-Musikfans. Andere Napster-Fans schlugen vor, die Tauschbörse in einem anderen Land anzusiedeln, um so dem US-Gericht zu entkommen. "Wie wäre es mit einem reichen Fürstentum in Europa, zum Beispiel Li(e)chtenstein?", schrieb ein Internet-Nutzer.

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann sieht im Online-Dateientausch eine Zukunftstechnologie für den Vertrieb seiner Produkte. Deshalb war Bertelsmann im Herbst aus der Reihe der klagenden Medienunternehmen ausgeschert und will Napster nun in einen auf Mitgliedschaft basierenden Service umwandeln. Auch Nutzer, die ein solches kostenpflichtiges Angebot akzeptieren würden, verwiesen auf Alternativen. "Ich habe nichts gegen Napster als ein kostenpflichtiges Angebot", schrieb "wvben2000". "Aber wir müssen vorbereitet sein, sollte Napster jemals offline gehen: Versucht es mal mit www.swaptor.com, www.winmx.com und www.audiognome.com".

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