Freiwilliger Standard zur Transparenz
Nemax-Firmen wollen Anlegervertrauen stärken

Das Vertrauen der Anleger in die Vorstände von Aktiengesellschaften hat vor allem in den letzten Monaten sehr gelitten. Dies wollen zehn Unternehmen des Neuen Marktes ändern: Sie einigten sich auf neue Standards für eine transparente Unternehmensführung.

mv FRANKFURT. Zehn börsennotierte Unternehmen haben sich verpflichtet, einen gemeinsamen Standard für eine "faire und verantwortungsvolle" Unternehmensführung einzuhalten. Mit ihrer Erklärung, die gestern beim Eigenkapitalforum der Deutschen Börse und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt veröffentlicht wurde, gehen die Unternehmen deutlich über den Deutschen Corporate Governance Kodex der Cromme-Kommission (DCGK) hinaus: Sie beziehen nicht nur dessen Empfehlungen, sondern auch einige der unverbindlicheren Anregungen ein.

Mit ihrer Erklärung wollen die zehn Unternehmen Transparenz schaffen und so das Vertrauen der Anleger stärken. Beteiligt sind die im Nemax 50 gelisteten Unternehmen ACG Advanced Component Group, AT&S Austria Technologie & Systemtechnik, Balda, Dialog Semiconductor, Evotec OAI, Funkwerk, Gericom, GPC Biotech, Ixos Software und Qiagen. Weitere Unternehmen hätten bereits ihre Bereitschaft signalisiert, den Kodex der zehn Vorreiter zu akzeptieren, sagte gestern Volker Potthoff, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, der auch der Regierungskommission unter Leitung von Gerhard Cromme angehört. Die Deutsche Börse AG selbst sei ebenfalls "in der Pipeline", so Potthoff. Es sei aber zurzeit nicht beabsichtigt, den freiwilligen Standard der zehn Nemax-Unternehmen im Regelwerk für die geplanten neuen Segmente als Aufnahmebedingung zu implementieren.

Die Unternehmen verpflichten sich in ihrer Corporate- Governance-Erklärung, die Fristen für die Berichtspflicht für Quartalsberichte auf 45 Tage zu verkürzen. Darüber soll die Vergütung für Vorstände und Aufsichtsräte individualisiert nach fixen und variablen Bestandteilen offen gelegt werden. Außerdem wollen sie über Beratungs- und Vermittlungsmandate von Aufsichtsratsmitgliedern informieren und ein so genanntes Audit Committee - einen Bilanz- und Prüfungsausschuss - im Aufsichtsrat einrichten. Unternehmensinterne Insider-Regeln und so genannte Trading Windows, die den Handel der Mitarbeiter und Vorstände mit eigenen Aktien des Unternehmens regulieren, sollen im Internet bekannt gegeben werden. Zudem sind die Gesellschaften verpflichtet, eine Hauptversammlung einzuberufen, wenn ein Übernahmeangebot abgegeben wurde - auch dies ist im Cromme-Kodex bislang nur eine Anregung.

Für Gerhard Holdijk, Vorstandsvorsitzender der Balda AG, gehört vor allem die Transparenz bei der Vergütung der Leitungsorgane zu den vertrauensbildenden Maßnahmen für Anleger und Investoren. Ixos-Finanzchef Peter Rau meint, dass der neue Standard die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat verbessern und Interessenkonflikte im Aufsichtsrat reduzieren werde. Christian Strenger, Aufsichtsrat der DWS, wies darauf hin, dass die Unternehmen, die die Standards einhalten, nach der von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) entwickelten Score-Card zur Beurteilung der Corporate Governance in Unternehmen wesentlich besser abschneiden als jene, die nur die Empfehlungen des Cromme-Kodex anerkennen. Und das, so Strenger, könnten sie für ihre Performance gegenüber Investoren nutzen.

Dies bestätigt die aktuelle Strategiestudie "Toppix" der Deutschen Bank zum Deutschen Aktienmarkt. Sie bezeichnet die jüngsten Maßnahmen zur Verbesserung der Corporate Governance in Deutschland als "ersten Schritt mit Verbesserungspotenzial". Wer lediglich die Empfehlungen des DCGK einhalte, erreiche nach der DVFA-Score-Card nur den absoluten Mindeststandard. Da der Kodex der zehn Nemax-Unternehmen jedoch auch Anregungen der Cromme-Kommission verbindlich festschreibe, könnten die Gesellschaften auch im internationalen Transparenz-Vergleich positiver beurteilt werden.

Quelle. Handelsblatt

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