Fremde Investoren springen angeschlagenem Versorger bei
Vivendi-Sparte kauft britischen Wasserversorger First Aqua

Der französische Versorger Vivendi Environnement S.A. wird die britische Holding First Aqua Ltd. übernehmen.

PARIS. Mit einer schwierigen Finanztransaktion, bei der fremde Investoren eine Hauptlast tragen, sichert sich das Unternehmen einen Anteil von rund einem Zehntel am britischen Wassermarkt. Die Franzosen selbst bezahlen 600 Mill. Euro und kontrollieren damit künftig den Spezialisten für Wasserentsorgung. Jüngst war Vivendi bei größeren Deals mehrfach vom Konkurrenten Suez S.A. abgehängt worden.

Denn Vivendi Environnement ist chronisch klamm, obwohl die Sparte im letzten Jahr mit 29,1 Mrd. Euro mehr als die Hälfte zum Umsatz der Mutter Vivendi Universal S.A. beigetragen hat. Zudem steuerte sie mit knapp 2 Mrd. Euro auch den größeren Teil zum operativen Ertrag des Konzerns bei. Doch die Kassen sind leer, weil der Versorger unter der Last von 15 Mrd. Euro Schulden stöhnt, die ihm von Konzernchef Jean-Marie Messier aufgebürdet wurden, um damit den aggressiven Ausbau des Vivendi-Mediengeschäft zu finanzieren. Außerdem steht Vivendi Environnement in den USA, wo die Franzosen über ihre Akquisition US Filter Co. seit drei Jahren engagiert sind, wegen der schwierigen Marktlage schwer unter Druck, so Analysten von JP Morgan und Dexia Securities.

Spartenchef Henri Proglio musste für die Eroberung in Großbritannien daher zu einer sehr komplexen Finanzierung greifen. Zur Schonung der finanziellen Ressourcen schultern nun externe Kapitalgeber einen Großteil der Kaufsumme der mit gut 3 Mrd. Euro bewerteten First Aqua. Vivendi erhält damit die Kontrolle über die First-Aqua-Tochter Southern Water Ltd., die rund 2 Mill. Kunden hat und 2001 knapp 700 Mill. Euro umsetzte. Wer die Investoren sind, wurde nicht bekannt gegeben. Doch stehen sie laut Unternehmen in keinerlei Verbindung zu Vivendi Environnement.

Angesichts der Überschuldung von Vivendi Environnement hätte sich für die Übernahme eigentlich ein Aktiendeal angeboten. Bei diesem hätte Vivendi Universal seinen derzeit 63 % betragenden Anteil an der Versorgersparte elegant auf weniger als 50 % reduzieren. Doch erstens ist der Kurs des Versorgers mit aktuell 36,70 Euro nicht sonderlich attraktiv. Und zweitens hat der Aufsichtsrat Messier untersagt, den Anteil der Mutter an Vivendi Environnement weiter zu verringern. Damit hatten die Aufsichtsräte Präsident Jacques Chirac beruhigt, der ausländischen Einfluss auf die französischen Wasserversorger ablehnt.

Quelle: Handelsblatt

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