Fremdenverkehrsbranche profitiert von der Angst vor dem Terror
Immer mehr Touristen entdecken Südafrika

Die Angst vor dem Terror und der günstige Wechselkurs verhelfen der Republik am Kap zu einem Touristenboom. Für das Land ist der Urlauberstrom auch eine Chance, sich künftig international zu vermarkten.

KAPSTADT. Südafrika ist so beliebt wie noch nie: Allein während der vergangenen Weihnachtszeit strömten mehr als 100 000 ausländische Besucher nach Kapstadt - mehr als jemals zuvor. Auch für Ostern erwartet die Branche einen Besucheransturm. Moeketsi Mosola, Manager des staatlichen Tourismusbüros, erklärt warum: "Unsere Lage am äußersten Ende Afrikas ist attraktiv, weil wir von den Zentren der Gewalt weit entfernt sind." Südafrika habe deshalb auch seine Marktstrategie verändert und betone den Sicherheitsaspekt stärker. Der Tourismusboom am Kap kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Fremdenverkehrsbranche sich weltweit in einem Tief befindet. Auch die jüngsten Prognosen machen den Reiseveranstaltern wenig Hoffnung auf eine rasche Besserung.

Argumente für Südafrika sind die unberührte Natur, die für Europäer minimale Zeitverschiebung von nur einer Stunde und der niedrige Wechselkurs der Landeswährung Rand, der für ein günstiges Preis- Leistungsverhältnis sorgt. In kaum einem anderen Land bekommt der Urlauber so viel für einen Euro geboten wie in Südafrika. Das besagt zumindest eine Analyse der Landeszentralbank Bayern und des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.

Kein Wunder, dass sich viele Deutsche nicht nur zu einem Trip ans Kap entschließen, sondern dort gleich eine Ferienimmobilie kaufen. Der Markt boomt nach Angaben der führenden Kapstädter Makler wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Besonders beliebt ist das afrikanische Land bei Europäern. Bereits 2000 kamen nach Zahlen des staatlichen Tourismusbüros 350 000 Besucher aus Großbritannien und 220 000 aus Deutschland. Aus den USA reisten hingegen nur 175 000 Touristen ans Kap.

Fluggesellschaften leiten Transatlantikflüge um

Die Fluggesellschaften in Europa haben das Interesse der Kunden erkannt und einige der in der Flaute gestrichenen Transatlantikflüge nach Südafrika umgeleitet. Viele Gesellschaften, die ihre Flüge zuletzt eingestellt hatten, erwägen jetzt eine Rückkehr. Andere setzen größere Maschinen ein oder erhöhen die Zahl der Flüge. Die Deutsche Lufthansa hat zum Beispiel ihre Flüge nach Südafrika seit Anfang Dezember von sieben auf 13 fast verdoppelt. Trotz der hohen Nachfrage will die Fluggesellschaft aber die neuen Flüge von München nach Johannesburg kurz nach Ostern wieder einstellen. Denn Südafrika lockt die Deutschen noch immer vor allem in der kalten Jahreszeit.

Auch die Kreuzschifffahrt erlebt am Kap derzeit einen Aufschwung. Der Afghanistan-Krieg hat die Versicherungsgebühren für Kreuzfahrtschiffe, die durch den Suezkanal fahren, in die Höhe getrieben. Mehrere große Linien haben deshalb ihre Routen geändert und die Ozeanriesen vom Golf ans Kap der Guten Hoffnung umgeleitet. Für den Zeitraum zwischen Mitte November und Mitte April haben sich mehr als 30 Kreuzfahrtschiffe im Kapstädter Hafen angemeldet. Im Vorjahr waren es nur 14. Die Kreuzfahrt-Passagiere sind für Seestädte besonders lukrativ. Sie geben sechsmal so viel Geld aus wie der Durchschnittstourist, sagt die Kapstädter Tourismusmanagerin Sheryl Ozinsky.

Der Touristenboom kommt für Südafrika gerade rechtzeitig. Im Jahr 2001 war der Anteil der internationalen Touristen erstmals seit zehn Jahren geringfügig gefallen. Das lag auch daran, dass das Land nicht genug getan hatte, um sich international als Reiseziel zu vermarkten. Südafrika hatte nach den ersten freien Wahlen im April 1994 eine Welle der Sympathie erlebt. Doch die positive Stimmung hielt nur zwei Jahre lang an.

"Wir waren kurzzeitig der Liebling der Welt, aber haben daraus nur wenig Kapital geschlagen", kritisiert Gillian Saunders von der Beratungsfirma Thornton Kessel Feinstein. "Es wurde damals weder eine langfristige Strategie entworfen noch genug für das Land geworben." Der vom 11. September ausgelöste Touristen-Boom, gekoppelt mit der Währungsschwäche, gibt dem Land nun eine neue Chance, für sich zu werben.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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