Frentzen Kurzarbeiter
Schumacher Trainingsdritter hinter Silberpfeilen

Michael Schumacher hat das "historische Wochenende" in Magny-Cours mit einer bedeutungslosen Niederlage begonnen.

HB MAGNY-COURS. Der viermalige Formel-1-Weltmeister musste im freien Training zum Großen Preis von Frankreich den beiden Silberpfeilen den Vortritt lassen. "Wahrscheinlich lag es an der Benzinmenge", sagte Schumacher gelassen. Ein letzter Versuch, sich am Freitag an die Spitze zu katapultieren, endete 100 Sekunden vor Schluss wegen überhöhter Geschwindigkeit in einem kapitalen Kreisel. "Das war ein normaler Dreher", hakte der Rheinländer den Lapsus gelassen ab. Für Heinz-Harald Frentzen begann Frankreich dagegen frustrierend. Der Mönchengladbacher musste wie sein Teamkollege Enrique Bernoldi (Brasilien) tatenlos zuschauen.

Angesichts der finanziellen Probleme des hoch verschuldeten Arrows-Team ist derzeit sogar fraglich, ob Frentzen beim 11. Saisonlauf überhaupt starten kann. "Alles ist offen", sagte er der dpa. Obwohl Schumacher am Sonntag so schnell wie kein anderer den Titel holen und mit dem fünfmaligen Champion Juan Manuel Fangio gleichziehen kann, war keine Spur von Nervosität oder Druck zu spüren. Der Hobby-Kicker ging so gelassen an die Sache heran, dass er sich am Donnerstagabend sogar spontan zum Mitspielen bei der "Fußball-Europameisterschaft" der Journalisten entschied. Mit dem gegen Frankreich, Italien, England und Österreich jeweils souverän siegenden deutschen Team holte er klar den Titel. Gewinnt der "König von Frankreich" auch zum sechsten Mal das Rennen und weder sein Teamkollege Rubens Barrichello noch Williams-BMW-Widersacher Juan Pablo Montoya wird zweiter, hat er am Sonntag auch die WM-Krone sicher.

Schumacher war auf dem 4,251 km langen Kurs in 1:14,240 Minuten um 0,215 Sekunden langsamer als David Coulthard. Der Schotte (1:14,025) drehte die schnellste Runde vor Kimi Räikkönen im zweiten Silberpfeil. "Ein produktiver erster Trainingstag mit konstant guten Zeiten unter Rennbedingungen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zufrieden. "Schumi" reagierte gelassen auf die Niederlage. Neben dem Benzin führte er die Reifen als einen Grund dafür an. "Die Michelin scheinen hier gut zu sein", sagte er zur erfolgreichen Aufholjagd des französischen Reifen-Konkurrenten auf heißem Asphalt. Ralf Schumacher (Kerpen) belegte mit 0,945 Sekunden Rückstand Rang 5 hinter Barrichello.

"Es lief alles okay. Wir haben einiges austesten können, sind uns in der Reifenwahl aber noch nicht sicher", sagte der Williams-BMW-Pilot. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) wurde im Sauber-Petronas 16. Bei einer dpa-Umfrage tippte eine Mehrheit der Piloten und Teamverantwortlichen, dass Michael Schumacher "erst" in einer Woche in Hockenheim Weltmeister wird. Dem 60-maligen Grand-Prix-Sieger ist es aber gleichgültig, ob er schon in Magny-Cours den Titel holt. "Ob hier oder woanders, ist egal. Hauptsache es passiert", sagte er. Auch Barrichello und Montoya lassen die Rechenspiele kalt. "Es ist mir egal, ob Michael schon in Magny-Cours Weltmeister wird", sagte der Kolumbianer. Ralf Schumacher erklärte flapsig, es sei "eh wurst", ob sein Bruder den Titel ein Rennen früher oder später gewinne.

"Es ist mir egal, ob Michael schon in Magny-Cours Weltmeister wird." "Kurzarbeiter" Frentzen will trotz der Misere noch "mindestens zwei Jahre" Formel 1 fahren. Die Freitagsschicht vor dem Frankreich- Grand-Prix fiel für ihn aus. "Das Team wartet auf eine Entscheidung", sagte Frentzen zur unsicheren Lage. "Wenn wir nicht fahren, fahren wir halt nicht. Und dann sehe ich zu, dass ich den ersten Zug nach Hause nach Monaco erwische." Außer um Geld für die pro Grand Prix fälligen Motoren-Raten kämpft Teamchef Tom Walkinshaw gegen eine Einstweilige Verfügung, die die Deutsche Bank-Tochter Bank Morgan Grenfell als Anteilseigner gegen den Verkauf des mit angeblich 100 Millionen Euro verschuldeten Rennstalls erwirkt hatte.

Indes hat Schumacher-Manager Willi Weber erklärt, sein Schützling setze nach seinem Vertragsende die Karriere fort. "Er wird der Formel 1 auch über 2004 noch lange erhalten bleiben", sagte er in einem Interview mit der Münchner "Abendzeitung". Wenn Schumacher schon in Magny-Cours Weltmeister werde, "dann wird Michael nach dem Rennen ein ganz besonderes Outfit tragen". Gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Weber, es sei ihm lieber wenn Schumacher erst in Hockenheim die WM hole. "Es wäre doch wirklich toll, wenn ein deutscher Pilot in Deutschland vor seinen Fans den Titel feiern könnte."

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