Frenzel: Touristik bleibt Wachstumsbranche
Preussag trotz Einbußen im Winter optimistisch

Der weltgrößte Touristikkonzern wird das Wintergeschäft nach Worten von Unternehmenschef Michael Frenzel voraussichtlich mit einem Umsatzminus abschließen.

Reuters BERLIN. Zugleich zeigte sich Frenzel in einem Interview auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) am Sonntag zuversichtlich, dass die Touristik eine Wachstumsbranche bleibe. Für das laufende Jahr und besonders die wichtige Sommersaison wagte er aber noch keine Prognose.

"Reisen steht bei den Verbrauchern weiterhin ganz vorn und hat bei den Konsumprioritäten nichts eingebüßt", sagte Frenzel. Wenn sich bei den Menschen die Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung und ihre persönliche Zukunft wieder aufhelle, werde auch wieder mehr konsumiert. Wegen des starken Trends zum späten Buchen sei aber eine Prognose erst Mitte bis Ende April möglich. Anders als in Großbritannien und in Skandinavien habe Preussag für Deutschland bislang keine Flug- und Hotelkapazitäten gekürzt.

Preussag erwartet nach den Worten Frenzels für die in wenigen Wochen zu Ende gehende Wintersaison 2001/2002, die rund ein Drittel des Jahresgeschäfts ausmacht, weiterhin einen Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich. "Für den Sommer holen wir insgesamt auf", sagte Frenzel. "Dabei wachsen die Märkte in Großbritannien, Holland und Belgien stärker als Deutschland."

Britische Tochter Thomson gewinnt Marktanteile

In Großbritannien hat sich die Preussag-Tochter Thomson offenbar gut entwickelt. "Thomson ist derzeit in Großbritannien der Outperformer und läuft seit Januar besser als der Markt. Wir stellen fest, dass die Briten längerfristiger als die Deutschen buchen", sagte Frenzel. Thomson werde Einbußen in Skandinavien durch Zuwächse in Großbritannien überkompensieren. In Skandinavien hatte Preussag 20 Prozent der Kapazitäten stillgelegt. "Ganz Skandinavien leidet unter einer rezessiven Situation", sagte Frenzel. "Das hat nichts mit dem 11. September zu tun."

In Deutschland mache sich der Preisnachlass für Familien mit einem Kinderfestpreis beim wichtigsten Preussag-Veranstalter TUI bemerkbar. "Die Aktion zieht, und sie ist ertragsneutral", sagte Frenzel. Die Kosteneinsparungen seien durch Nachverhandlungen mit den Hoteliers erreicht wurden, wobei Preussag nur jedes achte Hotel selbst betreibe. Weitere Preisnachlässe bei TUI schloss Frenzel aus. "Unsere Strategie ist nicht, über Rabatte Volumen zu holen. Unser Ziel ist Rendite." Doch nähere Aussagen zur Ertragsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr lehnte er ab.

Frenzel bestätigte, dass die Buchungssituation für das Lieblingsferienziel der Deutschen, die Baleareninsel Mallorca, auch bei Preussag noch deutlich hinter dem Vorjahresniveau hinterherhinke. "Aber Spanien insgesamt ist als Urlaubsziel mit Abstand weiter die Nummer eins." Doch auch die Zahl der Mallorca-Buchungen werde wie im vorigen Jahr wohl kurzfristig noch zunehmen. Es gebe inzwischen eine deutsche Tendenz, Mallorca als Inland anzusehen und erst eine Woche vorher zu entscheiden, ähnlich wie bei einem Kurzurlaub auf Sylt.

Ausbau der Aktivitäten in Italien

Mit dem Erwerb von 50 Prozent an der Fluggesellschaft Neos hat Preussag seine Aktivitäten in Italien ausgebaut. "Dies ist nach der zehnprozentigen Beteiligung an dem Reiseveranstalter Alpitour ein weiterer wesentlicher Schritt in den italienischen Markt", sagte Frenzel. Neos wurde im vorigen Juni von der zur Agnelli-Gruppe gehörenden Gesellschaft IFIL gegründet, mit der Preussag bereits bei Alpitour kooperiert. Bislang verfügt Neos über ein Flugzeug, eine zweite Maschine soll nach den Worten Frenzels im Mai folgen. "Es muss nicht bei zwei Maschinen bleiben. Neos kann weiter wachsen, das hängt von der Auslastung ab", sagte Frenzel.

Der 1997 eingeläutete Umbau des einstigen Stahl- und Kohlekonzerns mit zahlreichen anderen Industriebeteiligungen hat in Kürze auch Konsequenzen für den Unternehmensnamen. Wie geplant wird die vor mehr als 60 Jahren gegründet Preussag zur nächsten Hauptversammlung im Juni auf den europaweit bekannten Namen seines größten Veranstalters umbenannt und dann als "TUI AG" auf dem Börsenzettel firmieren.

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