Fresenius Medical Care und Gambro gelten als vergleichsweise stabile Titel
Analysten loben Dialyse-Aktien

Unternehmen, die sich der Behandlung Nierenkranker verschrieben haben, leiden weniger als andere Branchen unter der anhaltenden Konjunkturschwäche. Ihre Aktien gelten deshalb angesichts der Angst vor einem Golfkrieg mit seinen Gefahren für die Weltwirtschaft als relativ sicherer Hafen.

ant DÜSSELDORF. Wer in diesen Tagen Anlagetipps für den Aktienmarkt geben möchte, hat es nicht leicht. Zu schmerzlich sind die Erfahrung des monatelangen Dauercrashs und zu unsicher die Aussichten der Weltkonjunktur angesichts eines drohenden Kriegs am Golf. Zu den wenigen Titeln, die sich in den vergangenen Monaten ein bisschen vom Negativtrend abkoppelten, gehört Fresenius Medical Care (FMC), die Dialyse-Tochter des Bad Homburger Fresenius Konzern. Das hauptsächlich in den USA tätige Unternehmen hat sich wie sein Konkurrent Gambro der Behandlung von Patienten mit chronischem Nierenversagen verschrieben.

Der Sektor hat dank der US-Gesundheitspolitik ein paar fette Jahre hinter sich. Wer in den USA an chronischem Nierenversagen erkrankt, erhält automatisch Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem Medicare, dass die Kosten für die zwei bis drei Mal wöchentlich notwendige Blutwäsche übernimmt. In den vergangenen Jahren waren die Erstattungsraten mehrere Male hintereinander angehoben worden. Für die nächsten Jahre stehe deshalb kein weiterer Anstieg in Aussicht, sagen Anbieter und Branchenbeobachter übereinstimmend.

Auch wenn das unter Kostendruck stehende Medicare-System in den kommenden Jahren kein rasantes Wachstum durch steigende Erstattungsraten verspricht, sehen die meisten Analysten die Zukunft des Sektors positiv. Ihr Kalkül: Auch wenn sich das Konsumklima noch weiter abkühlt, können die Patienten auf das Angebot der Dialyse-Anbieter keineswegs verzichten. Deshalb biete der Sektor bessere Chancen für die Aktienanlage als Branchen, die etwa vom Ölpreis oder vom privaten Konsum abhängen.

Analyst Ludger Mues von Sal. Oppenheim etwa empfiehlt die Aktien des Branchenprimus FMC deshalb mit Nachdruck zum Kauf. Nach Angaben des Informationsdienstleisters Reuters stehen 16 Kaufempfehlungen für den Titel nur 7 neutrale Bewertungen und 3 Verkaufsempfehlungen entgegen. Nachdem der Titel durch einen inzwischen beigelegten US-Rechtsstreit und einigen enttäuschenden Quartalen weit herunter geprügelt worden war, erscheint vielen Analysten der Einstiegskurs von derzeit rund 40 Euro günstig.

Auch die Analysten des Bankhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt bezeichnen die derzeitige FMC-Bewertung als attraktiv. Auch die Geschäftsentwicklung im vierten Quartal 2002 sei nach ihren Erwartungen verlaufen. Dennoch raten sie, den Titel zu reduzieren. Der Grund: Der Titel werde sich voraussichtlich noch in den kommenden sechs Monaten schlechter entwickeln als der sonstige Gesundheitsbereich, dem sie eine deutlich positive Entwicklung voraussagen. Ihr Favorit auf dem Dialyse-Markt ist Gambro. "Dort gibt es im Gegensatz zu FMC noch Restrukturierungspotenziale", begründet HSBC-Analystin Marietta Miemitz, warum sie eher bei der Gambro-Aktie mit steigenden Kursen rechnet.

FMC verbuchte nach Unternehmensangaben im vierten Quartal 2002 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Ergebnismarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 17,3 % auf 18,3 %. Der als Restrukturierungskandidat gesehene schwedische Konkurrent geriet dagegen unter Margendruck: Die Ebitda-Rendite verringerte sich von 16,4 % im Vergleichszeitraum auf 15 % .

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