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Freude und Ungewissheit vor Abenteuer Iran

Jürgen Klinsmann freut sich auf die Abenteuerreise in den Iran, aber der sportliche Erfolg hat für den Bundestrainer auch beim Freundschafts-Dienst für die Erdbeben-Opfer von Bam Priorität.

dpa MÜNCHEN. Jürgen Klinsmann freut sich auf die Abenteuerreise in den Iran, aber der sportliche Erfolg hat für den Bundestrainer auch beim Freundschafts-Dienst für die Erdbeben-Opfer von Bam Priorität.

Der Bundestrainer will trotz des Ausfalls von Torsten Frings, der wegen einer Kapsel- und Bandverletzung im Knie seine Teilnahme am Länderspiel in Teheran absagen musste, die Fortschritte aus den ersten beiden Partien unter seiner Regie ausbauen. "Das ist die allererste Aufgabe, uns sportlich zu beweisen. Wie versuchen, unser Spiel weiter zu entwickeln und zu gewinnen."

Allerdings verwies der in den USA lebende Trainer schon auf den außergewöhnlichen Rahmen: "Es ist eine Lebenserfahrung für sich, wenn man sich dort zwei, drei Tage bewegen kann." Der 108-malige Nationalspieler erwartet am 9. Oktober im Asadi-Stadion 120 000 heißblütige Fans, obwohl der iranische Verband offiziell nur 90 000 Tickets verkauft hat. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wird in der Halbzeitpause einen Scheck über eine Million Euro überreichen, die als Aufbauhilfe nach dem fürchterlichen Erdbeben mit mehr als 25 000 Toten vor zehn Monaten in der südostiranischen Stadt Bam gedacht sind. "Man muss versuchen, ein Gefühl für dieses Land zu entwickeln", sagte Klinsmann.

Der einstige Top-Stürmer räumte vor dem Abflug in das Nachbarland des Irak aber auch ein: "Es gibt ein bisschen etwas Ungewisses." Nach den Ausfällen von Frings, Frank Fahrenhorst, Kevin Kuranyi und Frank Baumann muss er sein zuletzt überzeugendes Team aus dem Brasilien-Spiel umstellen - der Gegner ist zudem schwer einzuschätzen. Der Bundestrainer hat sich bereits durch Videostudium vom Asiencup ein Bild von den Iranern gemacht: "Sie haben ein gutes Turnier gespielt und hätten auch das Halbfinale gegen China gewinnen können." In erster Linie aber wolle er wie schon bei den Spielen in Österreich (3:1) und gegen Brasilien (1:1) an das eigene Team denken.

Dazu gehört, dass er seine Neulinge Nummer vier und fünf, Per Mertesacker und Thomas Hitzlsperger, womöglich gleich ins Feuer schickt. "Das ist eine sehr, sehr gute Erfahrung, die man gerade als junger Spieler machen kann", meinte Klinsmann. "Das ist ein Riesensprung", freute sich der 20-jährige Hannoveraner Mertesacker nach seiner Ankunft in München. Klinsmann will die kurze Vorbereitung intensiv nutzen: "Wir sehen uns nur einmal im Monat, deshalb haben wir keine Zeit zu vergeuden."

Nach der Verletzung von Frings, der mit der Knieblessur mindestens eine Woche pausieren muss, bleiben Klinsmann 19 Spieler. Auf eine Nachnominierung verzichtete der Coach. Auch die Routiniers Oliver Neuville und Dietmar Hamann, mit dem er am Wochenende in London persönlich sprach, bleiben im Wartestand. "Sie sind weiter auf der Liste. Aber wir sind in einer Phase, in der wir viele junge Spieler ausprobieren, da muss der eine oder andere Etablierte zurück stecken", erläuterte Klinsmann.

Dass Jens Lehmann die Pause seines Kontrahenten Oliver Kahn zur Eigenwerbung nutzen will, stört Klinsmann nicht. Im Gegenteil: Der Kampf um den Platz im WM-Tor 2006 wird von dem 40-Jährigen weiter bewusst angeheizt: "Jens weiß die Situation zu schätzen, dass es zu einem offenen Duell kommen wird in den nächsten 20 Monaten", sagte Klinsmann. Kahn wiederum erhielt Nachsicht für seine "Finger-Attacke" gegen den Auswahl-Kollegen Miroslav Klose. "Oliver Kahn ist auf Grund seiner eigenen Art ein einzigartiger Athlet", sagte der Bundestrainer und verwies auf eigene emotionale Ausbrüche. Etwa, als er beim FC Bayern einmal vorzeitig vom Platz musste: "Ich habe auch 'mal gegen eine Tonne getreten."

Auch auf anderen heiß diskutierten Schauplätzen bleibt die neue sportliche Führung der Nationalelf bei ihrer klaren Linie. Klinsmann und Team-Manager Oliver Bierhoff trafen in München den designierten DFB-Präsidenten Theo Zwanziger zu einem kurzen Gipfelgespräch im Streit um das WM-Quartier 2006. Erst nach dem DFB - Bundestag am 23. Oktober in Osnabrück sollen die Verhandlungen jedoch konkret fortgesetzt werden. "Wir haben da gar keinen Stress", kommentierte Klinsmann. Allerdings wiederholte er seinen Standpunkt, dass die sportliche Führung letztendlich entscheiden müsse.

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