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Freudiger Wochenausklang

Die Wall Street zeigte sich zum Wochenende noch einmal von ihrer besten Seite. Die Hoffnung negative Meldungen und mögliche Gewinnwarnungen seien bereits in den Kursen enthalten, beflügelten die Märkte. Stimmen, dass der Markt seinen Boden nun endlich gefunden habe wurden lauter. Der erneute Anstieg der US-Arbeitslosenzahel im November unterstütze die Segmente und die Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung.



Für einen weiteren positiven Impuls dürfte am Freitag die nahende Entscheidung von US-Präsidentschaftswahlkampf gesorgt haben. Mit der Ernennung des 43. Präsidenten der USA wäre dem Aktienmarkt zumindest einer der belastenden Unsicherheitsfaktoren genommen. Doch weit gefehlt. Die ersehnte Entscheidung des obersten Gerichtshofs in Florida brachte nicht das erlösende Urteil. Die Richter entschieden, dass die umstrittenen Stimmzettel in den betreffenden Bezirken in Florida ausgezählt werden. Das Urteil fiel damit zu Gunsten von Al Gore aus, der auf weitere Stimmen aus dem Pool bisher ungezählter Wahlzettel hofft. Das Urteil wurde erst nach Börsenschluss veröffentlicht.



Den besten Beweis, dass der Markt sich bereits auf die Veröffentlichung weiterer Gewinnwarnungen eingestellt hat, war am Freitag Intel. Der Wert führte trotz der Warnung eines voraussichtlich enttäuschenden Quartalsergebnisses die Liste der Nasdaq Gewinner an. Anleger ließen durch die erneut schlechte Nachricht von PC- und Chipsektor nicht aus der Ruhe bringen. Mit Intel stiegen auch die Kurse der anderen Börsenschwergewichte. Cisco Systems, und Microsoft und Oracle sowie der Konkurrenz Advanced Micro Devices und Micron Technology legten an Wert zu. Nur Sun Microsystems tendiert gegen den Trend schwach. Computeraktien wie IBM und Hewlett-Packard führten die Gewinne des Dow Jones an.



Die schleppenden Verkaufszahlen der zweiten Vorweihnachtswoche belasteten den Einzelhandelssektor. Laut einer Umfrage werden rund 75 Prozent der Amerikaner ihre Weihnachtseinkäufe erst in den letzten beiden Wochen vor dem Fest tätigen. Die hohen Heizölkosten und die steigenden Zinsen belasten das Festtagsbudget der Konsumenten. In der ersten Dezemberwoche gingen die Einzelhandelumsätze der Geschäfte, die bereits seit einem Jahr existieren im Vergleich zur Vorwoche um 2,6 Prozent zurück. Damit handelt es sich um den größten Einnahmenrückgang im Wochenvergleich seit Mai 1996. Wal Mart und Best Buy verloren an Wert.



Die Online-Einzelhändler sehen dagegen einer spannenden Woche entgegen. Da die Bestellfrist für Waren, die bis zum Heiligabend zugestellt werden sollen, um den 12. Dezember zuende geht, sollten kommende Woche die Netze heiß laufen. Bereits vergangenen Woche stiegen die Besucherzahlen auf den Seiten der Online-Einzelhändler um 16 Prozent zur Vorwoche. Internetaktien erleben einen kleinen Aufschwung, nachdem Investmenthäuser den Werten unter die Arme greifen. Yahoo, Priceline, ebay und Amazon können vor dem zweiten Adventswochenende - auch wenn den Amerikanern die Tradition der Adventswochenenden fremd ist - an Wert zulegen. Priceline legt am Morgen einen Kursgewinn von elf Prozent aufs Parkett.



Die vorbörslich veröffentlichten Arbeitsmarktdaten deuteten mit einer Arbeitslosenquote von vier Prozent erneut auf die abkühlende US-Konjunktur. Es lässt sich keine wirkliche Entspannung aus den Daten ablesen, doch der Lohndruck ist mit einem leichten Anstieg auch nicht deutlich gestiegen. Auf eine höhere Arbeitslosenquote hat die Wall Street schon seit längerem gewartet. Investoren hoffen, dass die US-Notenbank nun in naher Zukunft die Zinsen senken wird.

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