Freund, Bruder, Übervater
Der Glücksfall Bruno Metsu

Seit 20 Monaten trainiert der Franzose Bruno Metsu die senegalesische Nationalelf. Durch den Sensationserfolg bei der WM hat er sich schon jetzt unsterblich gemacht. Aber, so Metsu: >"Wir können noch besser spielen. Unser höchstes Niveau haben wir noch nicht erreicht."

dpa OSAKA. Der Ehefrau des senegalesischen Staatschefs müsste nicht nur Bruno Metsu zeitlebens dankbar sein. Auf ihr Anraten hin hat sich Abdoulaye Wade im Herbst 2000 für den heute 48-Jährigen als Fußball-Nationaltrainer entschieden. Die Gattin des Präsidentin konnte sich kaum irren, denn wie Metsu stammt sie aus Frankreich. Da der Fußball-Lehrer mit dem Konterfei eines Rockstars zudem ein Afrika-Liebhaber ist und billig zu haben war, zerbrach sich der oberste Politchef über dessen Verpflichtung nicht lange den Kopf. Dass sich die damals unspektakuläre Inthronisierung 20 Monate später als Glücksfall nicht nur für sein Land, sondern für den ganzen Kontinent erwies, ahnte freilich auch Frau Wade nicht.

Erst der Durchmarsch zu Jahresbeginn beim Afrika-Cup bis ins Finale, wo Metsus Team von Kamerun nur im Elfmeterschießen zu stoppen war. Und nun der sensationelle Lauf bei der 17. Weltmeisterschaft, der Senegal am Samstag in Osaka (13.30 Uhr MESZ) mit einem Sieg gegen die Türkei als erste afrikanische Equipe in ein WM-Halbfinale führen soll. Metsu wird auch dieses Wunder vollbringen, sind sich die Fans auf dem Schwarzen Kontinent sicher. Sollte das Vorhaben misslingen, wäre das auch nicht tragisch. Am Kultstatus und der Unsterblichkeit des als "weißen Marabu" gehuldigten Coaches mit der schulterlangen, dunkelblonden Lockenmähne würde das nichts mehr ändern.

"Wir können noch besser spielen. Unser höchstes Niveau haben wir noch nicht erreicht", behauptet Metsu, der im Trainergeschäft bislang keinen großen Namen besaß. Aufmerksam machte der einstige Spieler vom RSC Anderlecht auf sich, als er Mitte der 90er Jahre den FC Sedan in der Krise übernahm und das Team mit Talenten und ausrangierten Profis in die erste französische Liga führte.

Eines vor allem versteht Metsu, dessen monatliches Salär bei nur 10 000 Dollar liegen soll, ganz hervorragend: Er spricht die Sprache seiner Spieler. Der "weiße Mann mit dem Herz eines Negers", wie er sich selbst beschreibt, weiß genau, wie er die in seiner alten Heimat ihr Geld verdienenden Profis anzupacken hat. "Ich bin kein Polizist, sondern der Trainer", verdeutlicht Metsu, warum er den umworbenen Kickern alle Freiheiten einräumt. "Das brauchen sie, sie sind schließlich Menschen, und wollen als solche auch behandelt werden".

"Er ist jovial und versteht es erstklassig, die Spieler an der langen Leinen zu führen", sagt Peter Schnittger. Seinen deutschen Vorgänger hatte Metsu vor Job-Antritt mehrere Tage konsultiert. "Zu Bruno kannst du mit allen Problemen kommen. Er ist unser Freund, unser Bruder, er ist unser Übervater", schwärmt Torjäger Henri Camara. Dribbelkünstler El Hadji Diouf ergänzt: "Du kannst mit ihm über alles reden, Fußball, Leben und Frauen. Er ist alles für uns".

Ohne zuvor in Westafrika gewesen zu sein, begann Metsu sein dreijähriges Engagement. Inzwischen ist er mit dem einstigen senegalesischen Top-Model Daba verheiratet und zum Islam konvertiert. "In Afrika", sagt Metsu, "habe ich die Werte wieder gefunden, wie Freundschaft, Solidarität, uneigennützige Hilfsbereitschaft, die in Europa längst verloren gegangen sind. Dort ruft dich ein Spieler nur an, wenn du ihm beim Lösen seines Problems helfen sollst. In meiner neuen Heimat rufen sie mich immer an, um zu hören, wie es mir geht".

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