"Freund-Feind-Schema"
EU weitet Kartellverfahren gegen Microsoft aus

Das im August vergangenen Jahres eingeleitete Kartellverfahren gegen die Microsoft ist von der Europäischen Kommission ausgeweitet worden. Wie die Behörde am Donnerstag in Brüssel berichtete, richten sich die neuen Verdächtigungen dagegen, dass Microsoft illegal sein Software-Produkt Media-Player an sein Betriebssystem Windows koppele, das am Markt für Low-End-Server eine dominante Position einnehme. Die Kommission geht davon aus, dass Microsoft Anbietern konkurrierender Software Teile des eigenen Software-Codes vorenthalte. Dadurch werde eine Interoperabilität konkurrierender Software mit Microsoft-Programmen verhindert.

vwd BRÜSSEL. Was die Bereitstellung technischer Schnittstelleninformationen angeht, soll sich Microsoft entweder geweigert haben, die einschlägigen Daten preiszugeben oder aber diese Informationen gemäß einem "Freund-Feind-Schema" diskriminierend und selektiv weitergegeben haben. Die Kommission glaubt außerdem, dass Microsoft seine Strategie zur Erweiterung seiner Marktbeherrschung von Personal Computer auf Server durch eine missbräuchliche Lizenzvergabe für das Betriebssystem Windows 2000 gestärkt habe. Für Kunden, die kein umfassendes Microsoft-Paket für PC und Server abnähmen, sondern auf Server-Produkte von Wettbewerbern zurückgriffen, enstünden daher doppelte Kosten.

Abnehmer würden so künstlich zum Kauf von Microsoft-Serverprodukten gedrängt, wodurch sich die Auswahlmöglichkeiten zum Nachteil des Endverbrauchers verringerten. Die Koppelung des Media Players von Microsoft in Windows ist nach Auffassung der Kommission ein Vertriebsweg, der Wettbewerbern nicht zur Verfügung stehe. Microsoft enthalte somit PC-Herstellern und Endverbrauchern Auswahlmöglichkeiten bei PC-Produkten vor, zumal es keine einfachen technischen Möglichkeiten gebe, diesen Media-Player zu entfernen. Produkte von Konkurrenten würden damit im vorhinein benachteiligt.

Abschluss des Verfahrens noch offen

Die Kommission spricht von "einer neuen Dimension" in dem Kartellverfahren. Server-Netze seien das Herz der Web-Zukunft, weshalb alle Anstrengungen gemacht werden müssten, um eine Monopolbildung durch rechtswidrige Praktiken zu verhindern, ließ EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti verlauten. Die Kommission wolle auch auf dem Markt der Media-Player einen unverfälschten Wettbewerb gewährleistet sehen. Microsoft hat inzwischen auf die erste Beschwerdeliste der Kommission vom August 2000 geantwortet, über den Inhalt dieser Antwort will die Kommission jedoch wegen der Ausweitung des Verfahrens derzeit keine Angaben machen.

Schwerpunkt des ersten Beschwerdebriefs aus Brüssel waren diskriminierende Lizenzerteilung und Weigerung, Wettbewerbern Software-Informationen zur Interoperabilität von Serverprodukten mit älteren Versionen von MS-Windows bereitzustellen. Microsoft soll innerhalb zwei Monaten auf die neuen Beschuldigungen antworten. Wann mit einem Abschluss des Verfahrens zu rechnen ist, bleibt derzeit offen.

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