Freundin Gäfgens sagte aus: Jakob von Metzler starb qualvollen Tod

Freundin Gäfgens sagte aus
Jakob von Metzler starb qualvollen Tod

Der vor sieben Monaten entführte und ermordete Bankierssohn Jakob von Metzler ist nach Feststellungen eines Gerichtsmediziners unter Qualen gestorben. Vor Eintritt der Bewusstlosigkeit habe der von seinem Entführer erstickte Junge vermutlich zwischen zwei und drei Minuten Todesangst erlitten, sagte der Gerichtsmediziner Fritz-Rudolf Lutz am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht. Der Jurastudent Magnus Gäfgen soll den Jungen aus Geldgier entführt und umgebracht haben.

HB/dpa FRANKFURT. Der Angeklagte hatte Jakob von Metzler nach eigenem Geständnis am 27. September vergangenen Jahres in seiner Wohnung an Händen und Füßen gefesselt. Mit einem Silberband überklebte er zuerst den Mund und dann auch die Nase seines Opfers. Als sich Jakob wehrte, habe er ihn mit bloßen Händen gewürgt. Gäfgen bestreitet jedoch im Gegensatz zur Anklage eine vorsätzliche Tötung.

Den angeblichen Plan des Angeklagten, den Jungen mit Wodka betrunken machen wollen, damit er sich später nicht mehr an seinen Entführer erinnern könne, bezeichnete Lutz als "untaugliches Mittel". "Das was vorher war, bleibt im Gehirn erhalten", erläuterte Lutz. Das Einflößen von Alkohol bei einem Kind sei zugleich mit einer nicht "unbeträchtlichen Gefahr" verbunden, die zum Tod führen könne.

Auch der Toxikologe Gerold Kauert von der Universität Frankfurt sagte, ein "Filmriss" durch Alkoholgenuss könne sich nicht auf zurückliegende Ereignisse beziehen. Erst vom Zeitpunkt der Einnahme des Alkohols an könne es Erinnerungslücken geben. Gäfgen hatte am Dienstag ausgesagt, er habe dem Jungen so viel Alkohol einflößen wollen, dass dieser sich nicht mehr erinnere. Der Vorsitzende Richter hatte bereits Zweifel an dieser Darstellung geäußert.

Nach den medizinischen Sacherverständigen sagte am Donnerstag die 17-jährige Freundin des Angeklagten zwei Stunden lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Zum Inhalt der Vernehmung wollten sich die Prozessbeteiligten nicht äußern. Die nicht-öffentliche Vernehmung begründete der Kammervorsitzende Hans Bachl damit, dass "Einzelheiten der intimen Privatsphäre" des Mädchens erörtert würden. Da sie sich seit der Tat in ärztlicher Behandlung befinde, könne das "zu erwartende Medieninteresse" ihren psychischen Zustand verschlimmern.

Nicht zur Sprache kamen bei der Vernehmung auf Beschluss der Kammer die Umstände bei der Festnahme des Mädchens. Die junge Frau hatte vor wenigen Tagen schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Ihr sei nach ihrer Festnahme am 30. September vergangenen Jahres am Frankfurter Flugplatz von einem Sonderkommando der Polizei Vergewaltigung angedroht worden. Außerdem sei sie nackt ausgezogen worden. Dies Polizei hat diese Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt.

Für bundesweites Aufsehen hatte gesorgt, dass die Polizei dem Angeklagten Gäfgen nach dessen Festnahme mit Folter gedroht hatte, wenn er nicht den Aufenthaltsort seines Entführungsopfers nenne. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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