Freundlichkeiten auf beiden Seiten
Beckham: Können jeden schlagen

Wenn für England und Frankreich die EM mit dem direkten Duell beginnt, treffen auch die Freunde Zinedine Zidane und David Beckham aufeinander. Und beide Starspieler gehen von einem Sieg aus.

HB LISSABON. Zündstoff liegt in der Luft vor dem heutigen Europameisterschafts-Auftaktspiel der Engländer gegen Titelverteidiger Frankreich in der Vorrundengruppe B. Doch zumindest vor dem Anpfiff will David Beckham den Franzosen als Gentleman begegnen - besonders einem. «Ich werde am Sonntag kurz mit Zinedine Zidane plaudern. Nicht viel, aber ich werde Hallo sagen oder vielleicht besser Bonjour», kündigte der Kapitän der englischen Fußball-Nationalmannschaft an.

Wenn England am Sonntag um 20.45 Uhr MESZ im Lissabonner Estadio de Luz (Stadion des Lichts) gegen Frankreich antritt, stehen sich in Zidane und Beckham nicht nur zwei Weltstars und Mannschaftskollegen gegenüber, sondern auch zwei Freunde. Die Profis des spanischen Rekordmeisters Real Madrid haben eine mäßige Saison ohne Titel hinter sich, zuletzt musste das Star-Ensemble fünf Niederlagen in Folge verkraften. Der erste Auftritt in Portugal ist auch für Zidane und Beckham der Wegweiser für das gesamte Turnier.

«Es ist gut, dass wir gleich auf einen der schwersten Gegner treffen. So müssen wir von Anfang an mit voller Energie auflaufen», sagt Mittelfeld-Ass Zidane. Seinem englischen Teamgefährten zollt er vor dem Spiel höchsten Respekt: «Ich mag David. Er ist ein extrem netter Kerl. Dadurch, dass er am Sonntag mein Gegenspieler ist, wird es für mich ein sehr spezielles Match.»

Mit Freundlichkeiten hält sich vor dem «Lokal-Derby» (immerhin neun Franzosen verdienen ihr Geld in der Premier League) auch Beckham nicht zurück. «Ich schätze ihn sehr. Neben Zinedine habe ich gelernt, selbstbewusster zu spielen. Wir werden Frankreich eine würdige Partie liefern», sagt der 29-Jährige, der in den vergangenen Tagen vor allem Freistöße trainierte. Er empfiehlt seinen Kollegen: «Die Franzosen haben die besten Spieler der Welt, aber das müssen wir vergessen. Wenn wir es richtig angehen, können wir jeden schlagen.»

In der abgelaufenen Saison machte der Werbestar hauptsächlich durch seine außereheliche Beziehung zu Rebecca Loos Schlagzeilen. Beckham gab auch zu, in der spanischen Rückrunde nicht auf bestem Niveau gespielt zu haben. Dass im englischen Nationaltrikot alles anders wird, bekundet Beckham nun mit einem fast militärischen Kurzhaarschnitt und einer neuen Tätowierung. Das St-Georgs-Kreuz im Nacken des Weltstars soll seine absolute Fokussierung auf die Europameisterschaft bekräftigen. «Wenn ich Fußball spiele, tauche ich in eine andere Welt ein. Ich werfe alles ab. Wenn ich da draußen auf dem Rasen bin, ist alles andere egal», sagt Beckham.

Genau das will die englische Öffentlichkeit hören. Die Zeitung «The Independent» fordert vor dem Klassiker: «Du kannst in Millionen Zeitungsartikeln und Hochglanzbildchen auftauchen. Du kannst Millionen Autobiographien verkaufen, bevor sie überhaupt im Geschäft stehen. Aber am Ende wird alles in einer Frage münden: Was machst Du in den 90 Minuten auf dem Platz?»

Die Engländer haben seit dem WM-Titel 1966 nichts mehr geholt und warten sehnlich auf einen Titel. Nachdem Sven-Göran Eriksson die Mannschaft vor dreieinhalb Jahren als Nationaltrainer übernahm fordert «The Guardian»: «Nun muss der Jahrgang endlich reif sein.»

Und auch die Spieler selbst wissen, dass Portugal und die WM in Deutschland in zwei Jahren ihre Chance - ihre letzte Chance - sind. «Die meisten von uns sind auf dem Höhepunkt ihrer körperlichen Fitness. Die nächsten zwei Jahre zählen», weiß Michael Owen, der mit seinen 24 Jahren schon ein alter Hase im Team ist. Der 29 Jahre alte Paul Scholes gibt zu: «Die Jahre rennen förmlich davon», jetzt sei die Zeit, sich einen Platz in der Geschichte zu sichern.

Diesen Platz verbuchen aber auch die Franzosen, die bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea kläglich in der Vorrunde scheiterten, für sich. «Die WM beschäftigt uns noch immer. Gerade deshalb werden wir den Europatitel behalten», sagt Zidane. Sein Trainer Jacques Santini findet: «Wir müssen mit einem Sieg die Weichen für die Zukunft stellen. Wenn wir gegen die Engländer verlieren, stehen wir unter einem mächtigen Druck. Und man hat ja bei der WM gesehen, dass wir uns von einem frühen Patzer nicht leicht erholen können.»

Patrick Vieira spricht von einem «Lokal-Derby» und «Krieg». Der Mittelfeldspieler von Arsenal London sagt: «Die Engländer wollen uns zeigen, dass sie in ihrem Land die besten sind. Wenn wir mit einer Niederlage nach England zurückkehren, werden wir leiden müssen.»

Seit nunmehr 1032 Minuten hat die französische Nationalmannschaft kein Gegentor hinnehmen müssen. Doch zum Titelfavoriten macht das Team nicht die Defensive, sondern der Sturm. Thierry Henry von Arsenal London zu stoppen, halten die Briten für eine wichtige Aufgabe im Auftaktspiel. Dabei wird dem Eriksson-Team John Terry vom FC Chelsea in der Abwehr fehlen. Die Franzosen müssen auf Terrys Vereinskollegen Marcel Desailly (Knieverletzung) verzichten.

Dass beide Mannschaften siegessicher nicht nur für das Auftaktspiel, sondern die gesamte EM sind, zeigt der Besuchsplan. Trainer Santini verbot seinen Spielern der Equipe Tricolore, ihre Frauen vor dem Finale einfliegen zu lassen. Beckhams Ehefrau, die Popsängerin Victoria, hat einen engen Terminplan. Auch sie konnte sich erst für das Endspiel freimachen.

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