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Friedensabkommen in Nadschaf geschlossen

Dem schiitischen Großajatollah Ali el Sistani ist es nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN gelungen, ein vorläufiges Friedensabkommen mit dem radikalen Prediger Muktada el Sadr in der Pilgerstadt Nadschaf zu erzielen.

dpa NADSCHAF. Dem schiitischen Großajatollah Ali el Sistani ist es nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN gelungen, ein vorläufiges Friedensabkommen mit dem radikalen Prediger Muktada el Sadr in der Pilgerstadt Nadschaf zu erzielen.

Wie der Sender am Donnerstagabend meldete, tritt ein Waffenstillstandsabkommen sofort in Kraft. Nadschaf, wo drei Wochen lang gekämpft wurde, und die Nachbarstadt Kufa sollen waffenfreie Orte sein. Die amerikanischen Streitkräfte sollen aus Nadschaf abziehen, hieß es. Ordnung soll allein durch die staatlichen Sicherheitskräfte aufrecht erhalten werden.

Die Ankunft von El Sistani in der seit drei Wochen umkämpften Pilgerstadt Nadschaf hatte bereits große Hoffnungen auf ein Ende der Kämpfe geweckt. Er verhandelte mit Vertretern des radikalen Predigers Muktada el Sadr auf, dessen Anhänger sich im heiligen Bezirk um die Imam-Ali-Moschee verschanzt hielten. Mehr als 10 000 Menschen waren Sistanis Aufruf gefolgt und mit ihm nach Nadschaf gezogen. Überschattet wurden die Friedensbemühungen von einer neuen Welle der Gewalt mit mehr als 100 Toten in den Schiiten-Städten.

Bei einem Mörsergranaten-Angriff auf eine Moschee im benachbarten Kufa und durch Beschuss auf der Straße von Kufa nach Nadschaf starben am Morgen nach Angaben von Ärzten bis zu 100 Menschen, die sich dem von Sistani angeregten Friedensmarsch anschließen wollten. Wer auf die Menge gefeuert hatte, war unklar. Einige überlebende beschuldigten Angehörige der irakischen Nationalgarde. Dies bestritten sowohl die Übergangsregierung als auch der Provinzgouverneur von Nadschaf, Adnan el Surfi. Er machte Terroristen der Gruppe um Abu Mussab el Sarkawi für das Blutbad verantwortlich.

Die Teilnehmer des Friedensmarsches, die vor allem aus Kerbela und anderen Schiiten-Städten nach Nadschaf kamen, erhielten von den Sistani-Getreuen aus Sicherheitsgründen die Anweisung, an den Polizeisperren vor den Toren der Stadt anzuhalten. Auch der Konvoi von Sistani wurde nach Angaben arabischer Reporter bei der Einfahrt nach Nadschaf beschossen. Verletzt wurde dabei niemand.

Sistani war am Mittwoch nach einer Herzoperation vorzeitig in den Irak zurückgekehrt, um im Konflikt um die von Sadr-Milizionären besetzte Imam-Ali-Moschee zu vermitteln.

In der nordirakischen Stadt Tikrit töteten Aufständische zwei US-Soldaten. Wie Polizeioffizier Hassan Ahmed berichtete, wurden ein dritter Soldat, ein Polizist und zwei Zivilisten bei dem Panzerfaust- Angriff vor einer Polizeistation verletzt. Medien in Saudi-Arabien berichteten unterdessen, Grenzwächter hätten an der Grenze zahlreiche Verdächtige gestoppt, die versucht hätten, illegal in den Irak einzureisen. Ob sich die Männer Terrororgruppen oder Aufständischen im Nachbarland anschließen wollten, blieb unklar.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat eine Vorausgruppe der Nato in Bagdad inzwischen ein Büro eröffnet, das die Ausbildungshilfe des Bündnisses für die irakische Armee koordinieren soll. Die Mitgliedstaaten des Militärbündnisses hatten sich Ende Juli auf den Trainingseinsatz im Irak geeinigt. Nach mehr als 13 Jahren schickt der Irak wieder einen Botschafter nach Deutschland. Der Diplomat Alaa Abdul Madschid Hussein al-Haschimi sollte noch im Laufe des Donnerstags sein Beglaubigungsschreiben an Bundespräsident Horst Köhler übergeben.

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