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Friedensnobelpreis für Umweltschützerin Maathai

Als erste afrikanische Frau erhält die Umweltschützerin und Menschenrechtlerin Wangari Maathai aus Kenia den Friedensnobelpreis. Das Osloer Nobelkomitee begründete die Vergabe mit dem Einsatz der 64-Jährigen für eine „nachhaltige Umweltentwicklung."

dpa OSLO/NAIROBI. Als erste afrikanische Frau erhält die Umweltschützerin und Menschenrechtlerin Wangari Maathai aus Kenia den Friedensnobelpreis. Das Osloer Nobelkomitee begründete die Vergabe mit dem Einsatz der 64-Jährigen für eine "nachhaltige Umweltentwicklung."

Das Komitee lobte auch ihren Einsatz für Demokratie und Frieden in ihrem Heimatland und in ganz Afrika. "Maathai denkt global und handelt lokal", sagte der Komiteevorsitzende Ole Danholt Mjøs. Die Biologin, die in den siebziger Jahren Tiermedizin in Deutschland studiert hatte, war zunächst durch ihren Kampf gegen die Entwaldung Kenias bekannt geworden.

Die jetzige Vize-Umweltministerin von Kenia setzte sich aber zunehmend auch gegen die Verfolgung Oppositioneller, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und gegen Korruption ein. Selbst war sie wegen ihres politischen Engagements mehrfach Misshandlungen und Festnahmen ausgesetzt.

Maathai sagte in Nairobi in einem Interview mit dem TV-Sender NRK: "Ich bin völlig überwältigt, emotional sehr bewegt. Dies ist die größte Überraschung in meinem ganzen Leben." Sie bezeichnete die Erhaltung der Umwelt als unerlässliche Voraussetzung von Frieden. Sie hatte in den siebziger Jahren eine Bewegung in ihrem Land zur Verhinderung der Waldzerstörung und zur Wiederaufforstung ("Green Belt Movement"/"Bewegung Grüner Gürtel") gegründet, was ihr 1984 bereits den "Alternativen Nobelpreis" einbrachte.

Bundespräsident Horst Köhler gratulierte der Kenianerin in einem Telegramm, sie erhalte die Anerkennung "für ihr jahrzehntelanges (...) Engagement zur Bewahrung einer intakten Umwelt". Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte, es freue ihn "ganz besonders, dass die Anstrengungen für den Natur- und Umweltschutz in Afrika damit gewürdigt werden". Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hob in einem Brief das "mutige Engagement für Demokratie in Kenia" sowie Maathais Verdienste als "international herausragende Umweltschützerin" hervor.

Der Vorsitzende des Nobel-Komitees Mjøs sagte nach Bekanntgabe der Entscheidung: "Wir haben mit dem Preis für Wangari Maathai den Friedensbegriff bewusst erweitert. Ohne eine gut funktionierende Umwelt gibt es keinen Frieden." Das Komitee habe auch "dem großen Kontinent Afrika die Hand reichen wollen". Der Friedensnobelpreis wurde bisher sieben Mal an Afrikaner vergeben, zuletzt 1995 an die südafrikanischen Ex-Präsidenten Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk.

Mit Jubel reagierte die "Bewegung Grüner Gürtel" auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihre Gründerin. "Wir sind ganz aus dem Häuschen", sagte Projektmitarbeiterin Muguru Muchai in Nairobi. Beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (Daad) wurde die Vergabe des Friedensnobelpreises an Maathai ebenfalls begeistert aufgenommen. Maathai hatte 1978 in Deutschland als Stipendiatin des Daad Tiermedizin studiert und damit als erste Frau Ostafrikas einen Doktortitel erworben. Norwegens Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik begrüßte die Vergabe als "genau richtig".

Im vergangenen Jahr war mit der iranischen Juristin Shirin Ebadi ebenfalls eine Frau ausgezeichnet worden, die sich für die Durchsetzung der Menschenrechte einsetzt. Seit der ersten Vergabe des Friedensnobelpreises 1901 haben einschließlich Maathai zwölf Frauen und 79 Männer sowie 20 Organisationen den Friedensnobelpreis erhalten. Er ist mit zehn Mill. schwedischen Kronen (1,1 Mill. Euro) dotiert und wird traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1 833-1 896), überreicht.

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