Friedliche Bilanz für Weltwirtschaftsforum

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Friedliche Bilanz für Weltwirtschaftsforum

Nach vier Tagen Weltwirtschaftsforum können die Veranstalter des hochkarätig besetzten Treffens, Protestgruppen und die New Yorker Polizei eine weitgehend friedliche Bilanz ziehen.

ap NEW YORK. Zwar gab es gegen Ende der Konferenz am Sonntag und Montag noch einmal eine höhere Anzahl von Festnahmen, die meisten davon waren aber auf Randereignisse zurückzuführen, bei denen es fast nur Sachschäden gab. Hauptursachen des relativ ruhigen Verlaufs der Veranstaltung waren weniger Demonstranten, mehr Polizisten und eine geänderte Taktik der Sicherheitskräfte. So hatte die Polizei die Straßen um das Waldorf-Astoria-Hotel am Sonntag fast für sich allein.

Nur wenige Demonstranten machten bei ungemütlich kaltem und windigem Wetter ihrem Unmut über die drinnen versammelten Politiker und Wirtschaftsbosse und deren Globalisierungspolitik Luft. Die größte Gruppe von Demonstranten bildeten rund 150 Mitglieder der chinesischen Falun-Gong-Sekte, deren Hauptanliegen aber darin bestand, auf ihre Verfolgung durch die in Peking herrschenden Kommunisten aufmerksam zu machen.

Noch am Tag zuvor hatten sich in Manhattan über 7 000 Demonstranten verschiedenster Gruppen in der Nähe des Tagungsortes zu einer Protestkundgebung versammelt. Schon das waren weit weniger, als die 50 000 Menschen, die 1999 zum Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) nach Seattle und die 100 000, die im vergangenen Jahr zum Weltwirtschaftsgipfel nach Genua gekommen waren. In Genua wurde ein Demonstrant getötet und rund 500 wurden verletzt. Rund 180 Menschen wurden verhaftet. Einige Straßen Genuas sahen aus wie ein Schlachtfeld. Auch in Seattle wurden über 90 Protestler verletzt und etwa 500 festgenommen.

Diesmal wurden innerhalb von drei Tagen knapp über 200 Demonstranten festgenommen, die meisten davon wegen ordnungswidrigen Verhaltens wie Verkehrsbehinderungen. So nahm die Polizei 3,5 Kilometer vom Tagungsort entfernt 87 Konferenzgegner fest, weil sie auf einer belebten Verkehrsstraße marschiert waren und damit Staus auslösten. Ein Augenzeuge sagte, der harmlose Marsch habe sich zuerst wie ein Schulausflug angesehen und sei sehr friedlich verlaufen, bis die Polizei Vorfälle provoziert habe. Anderenorts trugen die Sicherheitskräfte eher zur Entspannung der Lage bei, und sei es allein durch ihre massive Präsenz.

So waren über 4 000 Polizisten für die Sicherheit des Treffens abgestellt, dazu kamen noch Soldaten und private Wachdienste. In den Tagen vor dem Treffen ließ die Polizei die Öffentlichkeit an ihrer Sicherheitsplanung teilhaben und schließlich wurde es den Demonstranten gestattet, sich in Sichtweite des Tagungsortes zu versammeln, so dass die Konferenzteilnehmer den Protest sehen und hören konnten.

"Antikapitalistische Suppe"

Zahlreiche private Initiativen, Kirchengemeinden und Basisgruppen sorgten dafür, dass viele von weit und nah angereiste Demonstranten billig oder sogar kostenlos übernachten konnten und verpflegt wurden. Auf große Bequemlichkeit durfte man dabei allerdings in den meisten Fällen nicht hoffen. Mit Luftmatratzen und Schlafsäcken wurde auf Kirchenböden oder in Gemeinderäumen, in Jugendherbergen oder beim Christlichen Verein junger Menschen (CVJM) übernachtet. Mobile Kantinen versorgten die Teilnehmer mit "antikapitalistischer Suppe", Sandwiches, Obst und Salat.

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