Friedliche Wahlen
Djukanovics Bündnis holt 51 % der Stimmen

Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen in Montenegro haben die Verfechter einer staatlichen Unabhängigkeit um Präsident Milo Djukanovic nur eine knappe Mehrheit bekommen. Die Befürworter der Abspaltung von Jugoslawien (Serbien/Montenegro) können auf etwa 51 % der Stimmen bauen, sind aber von einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament weit entfernt, wie die staatliche Wahlkommission am Montag in der Hauptstadt Podgorica mitteilte.

dpa BELGRAD/PODGORICA. Damit schien ein Streit um die von Djukanovic angekündigte Volksabstimmung zur Unabhängigkeit vorprogrammiert. Die deutsche Regierung forderte in einer ersten Reaktion Verhandlungen für eine partnerschaftlichen Regelung des Konflikts mit Belgrad.

Die nach Unabhängigkeit strebende Djukanovic-Koalition "Sieg von Montenegro" erhielt nach Auszählung von 99 % der Stimmen in der kleineren jugoslawischen Teilrepublik 42,05 %. Der Liberale Bund, der ebenfalls ein selbstständiges Montenegro befürwortet, kommt auf 7,65 %. Lokale Albanerparteien erhielten gut 2,4 %. Dagegen kann das pro-serbische Bündnis "Gemeinsam für Jugoslawien" 40,67 % der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen. Die Wahlbeteiligung betrug 81 % - ein Rekordergebnis.

Obwohl Djukanovic hinter Wahlumfragen deutlich zurückblieb und jetzt eine Koalitionsregierung bilden muss, erklärte er sich zum Sieger. "Es ist ein wichtiger Sieg für die Parteien, die die Eigenstaatlichkeit wollen", sagte er vor seinen Anhängern. Indirekt räumte er aber ein, dass er ein besseres Ergebnis erwartet hatte. "Wir sind uns bewusst, dass wir uns der Vereinigung der politischen Kräfte versichern müssen, um unser Ziel zu erreichen", sagte er.

Nach Angaben von unabhängigen Wahlbeobachtergruppen dürfte die Verteilung der Mandate im 77-sitzigen Parlament wie folgt aussehen: "Sieg von Montenegro" 35, "Gemeinsam für Jugoslawien" 33, Liberale 6 und zwei kleinere Albaner-Parteien zusammen 3 Mandate.

Belgrad reagierte mit Zufriedenheit auf das gute Abschneiden des pro-serbischen Blocks. Djukanovic könne jetzt vom Referendum "nicht mal träumen", sagte Dragoljub Micunovic, Präsident der Bürgerkammer des jugoslawischen Parlaments. Deswegen sollten umgehend Verhandlungen über eine neue Verfassung des gemeinsamen Bundesstaates zwischen Serbien und Montenegro beginnen.

Die deutsche Regierung begrüßte den friedlichen Verlauf der Parlamentswahlen. "Belgrad und Podgorica sind jetzt aufgefordert, unverzüglich ernsthafte Gespräche über die gemeinsame Zukunft zu beginnen", sagte Außenminister Joschka Fischer am Montag in Berlin. Ziel müsse sein, die Beziehungen nach demokratischen Grundsätzen, in Übereinstimmung mit bestehenden verfassungsrechtlichen Regeln und unter Beachtung der Stabilität in der Region neu zu ordnen. "Einseitige Schritte würden diesem Ziel zuwiderlaufen", sagte Fischer.

In der Bundesrepublik Jugoslawien ist die Teilrepublik Montenegro neben dem acht Mal größeren Serbien der Juniorpartner. Die Regierung in Podgorica erkennt die politischen Entscheidungen aus Belgrad nicht mehr an. Sie hat ein eigenes Wirtschaftssystem mit der D-Mark als Währung aufgebaut. Vor dem Sturz des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ist Montenegro finanziell und politisch erheblich aus dem Ausland unterstützt worden.

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