Friedrich für Rehmer
Völler spürt „Lust und Aggressivität“

Rudi Völler hört nicht auf zu warnen, doch auch der Teamchef lässt sich von der "Lust und Aggressivität" seiner Spieler anstecken. "Wir müssen so Gas geben wie im Training. Wenn es uns gelingt, von Anfang an Druck zu erzeugen und ein schnelles Tor zu erzielen, kann das Spiel ein Selbstläufer werden", bestätigte Völler am Dienstag den auch bei ihm größer werdenden Glauben an ein Schützenfest im EM-Qualifikationsspiel gegen die Feierabend-Fußballer von den Färöer-Inseln.

HB/dpa BARSINGHAUSEN. Die Vize-Weltmeister brennen im ersten Heimspiel nach der WM-Endrunde in Japan und Südkorea am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) in Hannover auf das von den deutschen Fans erwartete Tor-Festival: "Sechs bis acht Stück ist vielleicht übertrieben, aber es muss schon ein klares Ergebnis sein", meinte Abwehrspieler Christian Wörns.

Völlers Vorgabe für das letzte Pflichtspiel des WM-Jahres ist eindeutig: Im Zweikampf mit dem "Schotten" Berti Vogts um das einzige direkte Ticket zur Europameisterschaft 2004 in Portugal will er als klarer Tabellenführer überwintern. "Es gibt sogar in so einem Spiel drei Punkte - die muss ich verlangen", bemerkte der 42-Jährige vor dem Duell mit der Mannschaft, gegen die sich die Schotten mit einem 2:2 blamiert hatten. Mit vier Punkten aus zwei Spielen führt das am Mittwoch spielfreie Schottland die Tabelle der Gruppe fünf vor Deutschland (1 Spiel/3 Punkte) und Litauen (2 Spiele/3 Zähler) an.

Seine schwierigste Aufgabe sah Völler bereits 24 Stunden vor der Rückkehr ins Niedersachsenstadion, wo seine Ära als Teamchef am 20. August 2000 mit einem umjubelten 4:1-Sieg gegen Spanien begonnen hatte, als erfüllt an. "Es ist ganz wichtig, dass vor solchen Spielen kein Schlendrian hereinkommt", betonte der DFB-Teamchef, den die positiven Trainingseindrücke an den vier Tagen in der Sportschule Barsinghausen beruhigt haben: "Im Training ist so viel Lust und Aggressivität drin, da kann man als Trainer nur froh sein."

Im Nachhinein hat sich sogar das enttäuschende 1:1 im Vorlauf gegen Bosnien-Herzegowina als Motivationsmittel erwiesen. "Die Mannschaft ist gewillt, das schlechte Spiel gegen Bosnien wettzumachen", bemerkte Wörns. Außerdem hat die Rückkehr verletzter Stammkräfte wie Michael Ballack und Dietmar Hamann den Kampf um die elf Startplätze unter den insgesamt 20 Akteuren verschärft. "Jeder will dabei sein", bemerkte Wörns, der nach seinem Platzverweis in Sarajevo am Dienstag vom DFB-Sportgericht für das Freundschaftsspiel am 20. November gegen die Niederlande gesperrt wurde.

Taktisch wird Völler am gegen Bosnien geprobten Grundsystem mit Viererkette und zwei Spitzen festhalten. Personell jedoch wird er vor allem im Mittelfeld einige Umbesetzungen vornehmen. Ballack, Hamann und Bernd Schneider übernehmen wieder die Schlüsselrollen, im Kampf um die vierte Stelle fällt die Entscheidung zwischen dem erfahrenen Münchner Jens Jeremies und dem jungen Dortmunder Sebastian Kehl.

In der Viererkette zeichnet sich eine Umbesetzung an, weil der Berliner Marko Rehmer erneut über muskuläre Probleme klagt. "Wir werden kein Risiko eingehen bei angeschlagenen Spielern", betonte Völler. "Gerade im Fall Rehmer müssen wir aufpassen", ergänzte der Teamchef, der von Hertha-Coach Huub Stevens schon für die Nominierung des ständig verletzten Abwehrspielers kritisiert worden war. Rehmers Berliner Teamkollege Arne Friedrich könnte damit erstmals in der Anfangsformation stehen. "Die Möglichkeit besteht", bestätigte Völler, der im Angriff erneut auf Carsten Jancker und Miroslav Klose setzt, zumal Oliver Neuville (Innenbanddehnung) angeschlagen ist.

Vor dem Abschlusstraining am Dienstagabend wollte Völler mit einer intensiven Video-Analyse noch die Unkenntnis seiner Spieler über das Team der Färöer-Inseln sowie dessen Stärken und Schwächen beseitigen. "Das sind die klassischen Mannschaften, die schwieriger einzuschätzen sind", warnte der Teamchef sein Personal: "Wir müssen uns etwas einfallen lassen, den Abwehrriegel zu knacken." Entscheidend aber ist und bleibt die richtige Einstellung, wie Völler beim missratenen Test gegen Bosnien einmal mehr festgestellt hatte: "Wichtig ist, dass wir keinen Gegner unterschätzen. Das ist das ganze Geheimnis."

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