Friedrichshafen und Umland
Führender Technologiestandort am Bodensee

Ausgerechnet das 5600-Seelen-Örtchen Immenstaad am Bodensee hat geschafft, was außerhalb der USA bislang nur wenigen gelungen ist: die legendäre US-Weltraumbehörde Nasa nachhaltig zu beeindrucken.

FRIEDRICHSHAFEN. Zwei Satelliten zur Erforschung des Gravitationsfelds der Erde hat der Raumfahrt-Konzern EADS Astrium in Immenstaad für die Nasa gebaut. Die beiden Erdtrabanten, seit März 2002 im Einsatz, arbeiten derart präzise und störungsfrei, dass Nasa-Projektleiter Phil R. Morton Anfang Juli eigens an den Bodensee reiste, um den Deutschen persönlich für die Arbeit zu danken - und die Ingenieurskunst "made in Germany" mit dem begehrten "Nasa Group Achievement Award" auszuzeichnen.

Firmen wie EADS Astrium sind es, denen der Bodenseekreis um Friedrichshafen seine einzigartige wirtschaftliche Stellung in Deutschland verdankt. Die auf den ersten Blick ländliche Gegend, scheinbar dominiert vom Obst-, Wein- und Hopfenanbau und vom Tourismus, ist eine der wettbewerbsfähigsten Flächenkreise der Republik - stark vor allem im High-Tech-Segment.

Im Zukunftsatlas 2004, der umfassenden Standort-Analyse von Handelsblatt und Prognos, schafft es der Kreis auf Platz 35 von 439. "Der Bodenseekreis ist ein ausgesprochen erfolgreicher Technologie-Standort auf dem Lande", sagt Peter Kaiser, Regional-Experte der Prognos AG.

Oberschwaben melden die meisten Patente an

Die Daimler-Chrysler-Tochter MTU Friedrichshafen baut hier leistungsfähige Großdieselmotoren und Notstromaggregate; der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen Getriebe für Busse, Lastwagen und Schiffe sowie Antriebe für den Maschinenbau. Der Telekom-Netzausrüster Nortel Networks hat ein Entwicklungszentrum vor Ort; ein gutes Dutzend Nachfolgefirmen des Technologiekonzerns Dornier bauen High Tech aller Art - von Satelliten über Verteidigungselektronik bis hin zu mobilen Brücken.

Die Tüftler aus der Region Oberschwaben sind so findig und innovativ, dass sie beim Deutschen Patentamt in München regelmäßig auffallen: Im Jahr zählen die Beamten des Patentamts rund 300 Anmeldungen pro 100 000 Erwerbstätige aus der Region. Das sind dreimal mehr als im Bundesdurchschnitt. Besonders bemerkenswert dabei: Im Bodenseekreis ist es ausschließlich die private Wirtschaft, die Forschung und Entwicklung vorantreibt - staatliche Fördermittel, Hochschulen oder Institute gibt es nicht.

"Wir haben keine technische Universität, kein Max-Planck-Institut und auch kein Fraunhofer-Institut", sagt Christoph Dickmanns, Geschäftsführer der lokalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. "Patente aus dem öffentlichen Bereich gibt es nicht." In der Region arbeiten von 100 Beschäftigten sieben in Forschung und Entwicklung - siebenmal mehr als im Bundesdurchschnitt. Es ist ein historischer Zufall, dem die Region ihre Ausnahmestellung zu verdanken hat: 1898 war Graf Ferdinand von Zeppelin, zuvor Generalleutnant in der württembergischen Armee, auf der Suche nach einem Standort für die Entwicklung seiner "Starrluftschiffe". "Der württembergische König Wilhelm II. war von der Idee so angetan, dass er Zeppelin Ländereien in Manzell kostenlos zur Verfügung stellte", sagt Wolfgang Meighörner, Direktor des Zeppelin-Museums. "Das war die Initialzündung", sagt Josef Büchelmeier, Oberbürgermeister von Friedrichshafen, "Zeppelin war die technologische Keimzelle, die bis heute Früchte trägt."

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