Friesinger und Pechstein dominieren die Mehrkampf-EM der Eisschnellläufer
Die deutschen Männer laufen hinterher

Am Ende der Mehrkampf-Europameisterschaften im Eisschnelllaufen war es wie fast immer: Die deutschen Frauen mit den Stars Anni Friesinger und Claudia Pechstein machten die Titelvergabe unter sich aus - die deutschen Männer freuten sich über respektable Ränge auf den Einzelstrecken, fanden sich aber in der Gesamtrechnung hinter den Podiumsplätzen wieder.

Friesinger untermauerte mit Siegen über 500, 1 500 und 3 000 Meter und einem zweiten Platz über 5 000 Meter ihre Favoritenrolle und wurde souverän Europameisterin vor Pechstein, die über die 5 000-Distanz siegte, über 500 und 1 500 Meter Rang zwei und über 3 000 Meter Rang drei belegte.

Bei den Herren gelang Christian Breuer mit Platz zwei über 500 Meter und Platz sechs über 1 500 Meter eine überzeugende Vorstellung, doch aufs Podium gelangte er ebenso wenig wie Frank Dittrich aus Chemnitz, der Erster über 10 000 Meter und Vierter über 5 000 Meter wurde. Dabei hatten die deutschen Herren gute Chancen auf bessere Platzierungen, weil einige der besten Holländer wegen der bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Salt Lake City auf ihren EM-Auftritt verzichteten.

Die hiesigen Damen schneiden besser ab als die Herren, das war - von wenigen Ausnahmen abgesehen - auch in der Ära der Sport-Großmacht DDR nicht anders. Und die Experten zerbrechen sich die Köpfe über die Gründe. "Am fehlenden Talent, Fleiß oder Ehrgeiz liegt es nicht", sagt die erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten, Gunda Niemann-Stirnemann. Wahrscheinlich hätten die Trainer aber mehr Erfahrung darin, Frauen zur Weltspitze zu führen, mutmaßt die Erfurterin.

"Das Trainingssystem der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft ist derzeit auf die Frauen ausgerichtet", glaubt auch der augenblicklich erfolgreichste deutsche Eis-Allrounder Christian Breuer. Diese profitierten in den Trainingszentren in Inzell, Berlin, Erfurt oder Chemnitz vom gemeinsamen Training mit den Männern. Dadurch kämen sie auf Geschwindigkeiten und Belastungen, die in einer reinen Frauengruppe nicht erreichbar wären.

Erst hat Breuer solche Bedingungen in der holländischen Profigruppe von Unit 4 gesucht. Nun trainiert er in Grefrath mit Stephan Heythausen und Nico Martin aus Berlin in einem Miniteam. "Aber eigentlich wäre mein Training optimal, wenn ich im Sprint mit dem Berliner Michael Küntzel, über 1 500 Meter mit dem Inzeller Jan Friesinger und auf der Langstrecke mit dem Chemnitzer Frank Dittrich zusammenarbeiten würde." Der 25-Jährige weiß, dass dieser Idealzustand nicht zu verwirklichen ist, denn das würde die konkurrierenden Leistungszentren existenziell gefährden. "Irgendwo verstehe ich die DESG, sich auf die Frauen zu fokussieren", sagt Breuer. Denn mit dem Aufwand, mit dem man die Damen aufs Treppchen führen könne, erreiche man bei den Herren höchstens Rang vier oder fünf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%