Frist beginnt am 14. Februar
Scharon ernennt Unterhändler für Koalitionsverhandlungen

Die Arbeitspartei Baraks hat bereits ein Koalitionsangebot abgelehnt. Für Syrien ist die Wahl eine "Kriegserklärung".

dpa JERUSALEM. Nach seinem überwältigenden Wahlsieg über den amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Barak hat der designierte israelische Regierungschef Ariel Scharon ein Team von Unterhändlern ernannt, die in den kommenden Tagen die Sondierungen mit möglichen Koalitionspartnern aufnehmen sollen. Zu den Unterhändlern gehört unter anderem der Bürgermeistermeister von Jerusalem, Ehud Olmert.

Scharon hatte der Arbeitspartei Baraks unmittelbar nach dem Feststehen seines Sieges am Dienstagabend ein Koalitionsangebot gemacht, das dieser jedoch spontan ablehnte. Es wird damit gerechnet, dass Scharon, Vorsitzender der rechtsgerichteten Likud-Partei, nun zunächst eine Koalition aus ultraorthodoxen und rechten Parteien bilden wird.

Für die Regierungsbildung hat er 45 Tage Zeit. Die Frist beginnt jedoch erst nach der Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses der Wahl, das am 14. Februar erwartet wird. Scharon hatte Barak bei der Wahl am Dienstag mit 62,5 zu 37,5 % der abgegebenen Stimmen geschlagen. Barak erklärte zwei Stunden nach Bekanntgabe der ersten Computerprognosen am späten Abend seinen Rückzug aus der Politik. Er bleibt jedoch zunächst Übergangsministerpräsident bis zur Vereidigung des Kabinetts von Scharon.

Als "Kriegserklärung an die Araber" und "gefährlichen Schlag für den Friedensprozess" haben am Mittwoch syrische Zeitungen die Wahl von Ariel Scharon zum neuen Regierungschef Israels gewertet.

"Der Sieg des blutbeschmierten Terroristen, Kriegsverbrechers und Schlächters ist eine eindeutige Botschaft der Zionisten an die Araber in Form einer offiziellen Kriegserklärung", schrieb das Organ der regierenden sozialistischen Baath-Partei, "Al-Baath". Indem Israel Scharon gewählt habe, habe es sich für "Eskalation, Terrorismus und Aggression" entschieden und den "letzten dünnen Friedensfaden durchschnitten".

Das Regierungsblatt "Tishrin" erklärte, der Sieg Scharons versetze dem Friedensprozess und den Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft einen gefährlichen Schlag. Der "blutdürstige General" spreche nur die "Sprache des Terrors, des Tötens und der Expansion".

Heftige Kritik äußerte auch die Presse in Libanon. Die Tageszeitung "As Safir" schrieb: "Die Israelis haben ihren neuen König gewählt, und zwar komplett mit seinem Kriegsprogramm." In einem anderen Blatt, "Al Mustaqbal", hieß es: "Der Frieden hat Urlaub genommen, der so lange dauern wird wie Scharon bleibt." In Süd- Libanon demonstrierten am Mittwoch Hunderte von palästinensischen Flüchtlingen gegen die Wahl Scharons.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%