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Fritten und Fanfaren - 175 Jahre Belgien

Die Belgier haben einfach kein Glück. Da feiern sie nun schon den 175. Geburtstag des Landes - niemand hätte je geglaubt, dass es Flamen und Wallonen so lange miteinander aushalten würden. König Albert II.

Die Belgier haben einfach kein Glück. Da feiern sie nun schon den 175. Geburtstag des Landes - niemand hätte je geglaubt, dass es Flamen und Wallonen so lange miteinander aushalten würden. König Albert II. und Königin Paola sind gekommen, die Sonne scheint wie auf Bestellung.

Belgien will endlich einmal zeigen, was es kann - und den Weltrekord beim Fanfaren-Stoßen brechen. Drei Militärorchester sind aufmarschiert, um die belgische Hymne, das Europalied und andere Welthits zu intonieren. Die Stimmung ist gut, jeder glaubt an neue Höchstleistungen aus dem Land der Fritten und Fanfaren.

Doch dann die Enttäuschung: Der Weltrekord wurde klar verfehlt. Statt mehr als 11.000 Musikanten, wie kürzlich in Japan, haben es die Belgier nur auf 1197 gebracht - das ist bestenfalls Provinzniveau. Eine Woche nach dem französischen Nationalfeiertag haben auch die Belgier den Blues.

Ein Ende des Frusts ist nicht absehbar. "175 Jahre Belgien - was nun?" fragt die Tageszeitung "Le Soir" - ohne eine Antwort zu geben. Irgendwie hat man als "Expatriat", wie EU-Ausländer hier genannt werden, den Eindruck, dass das Land selbst nicht weiß, wo es steht und wohin es möchte.

Bis vor kurzem lag Belgien wenigstens noch in der Mitte Europas, Brüssel nannte sich stolz "Capitale de l'Europe". Doch seit der Osterweiterng vor einem Jahr liegt der EU-Schwerpunkt irgendwo in Deutschland, die heimliche Hauptstadt ist wohl eher Berlin als Brüssel.

Nicht einmal Benelux, der Kern des alten Kerneuropas, spendet noch Trost. Seit Belgiens Außenminister Harry de Gucht es kürzlich wagte, den niederländischen Premier Jan-Peter Balkenende "eine Mischung aus Harry Potter und einem anständigen Kleinbürger" zu schimpfen, herrscht zwischen Brüssel und Den Haag diplomatische Funkstille.

Auch mit Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker läuft nicht mehr viel - nach dem gescheiterten EU-Gipfel von Juni hat er sich frustriert in sein Großherzogtum zurückgezogen. "Benelux ist tot, Europa liegt am Boden", behaupten selbst altgediente Brüsseler Diplomaten.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es immerhin: Nach einer Umfrage auf der Website von "Le Soir" votieren nur zehn Prozent für ein Ende des Experiments Belgien. 29% ist die Zukunft ihres Landes wurscht, immerhin 61 Prozent freuen sich schon auf die nächsten 175 Jahre. Na dann...

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