Front National
Jean-Marie Le Pen: Die nationale Karte

Jean Le Pen-Marie gibt nicht auf. Kurz vor Toreschluss hat der Politiker der rechtsextremen Front National angekündigt, doch noch an der französischen Präsidentenwahl teilnehmen zu wollen - mittlerweile zum fünften Mal.

PARIS. Eine einzelne Flamme erleuchtet die Bühne im stockdunklen Saal, Rauch steigt auf, Lichtkegel streichen über die Köpfe von 3 000 Menschen hinweg, ein Film läuft an: Jagdflugzeuge ziehen blau-weiß-rote Rauchfahnen hinter sich her, rasen über französische Landschaften hinweg, erreichen die Hauptstadt Paris und schließlich den Élysée-Palast. Jetzt kommt der Hauptakteur zum Einsatz: Ein weißhaariger älterer Herr betritt die Bühne, begleitet vom Geschrei seiner Anhänger: "Le Pen président, Le Pen président."

So beginnt der typische Wahlkampfauftritt des Chefs der rechtsextremen Partei Front National (FN). Jean Le Pen-Marie hat mittlerweile Routine. Schon viermal bewarb sich der 78-Jährige um das höchste Staatsamt der französischen Republik. Seit Mittwoch ist der Weg frei für seine fünfte Kandidatur. Der Mann von rechts außen hat es wieder einmal geschafft: Er fand 500 Bürgermeister und andere politische Mandatsträger, die ihn mit ihrer Unterschrift unterstützen. Damit erfüllt Le Pen die formalen Voraussetzungen für eine Kandidatur gerade noch rechtzeitig vor Toresschluss. Das politische Schreckgespenst Frankreichs hatte dieses Mal allerdings einige Mühe bei seiner Autogrammsammlung. Viele Inhaber politischer Ämter hatten Angst, sich offen zu dem Mann zu bekennen, der mit ausländerfeindlichen und nationalistischen Parolen auf Stimmenfang geht.

Im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2002 hatte eine Unterschrift für Le Pen oft unangenehme Folgen. "Ich wurde bedroht. Man warf mir vor, meine Gemeinde entehrt zu haben", berichtete Roger Lechevalier, Bürgermeister des nordfranzösischen 128-Seelendorfes Saint-Pierre-d?Arthéglise. Deshalb habe er dieses Mal nicht für Le Pen signiert, obwohl die FN ihm 1000 Euro für die Reparatur der Kirchenfenster geschickt habe.

Le Pen setzte sich schließlich trotzdem durch, und zwar mit der Hilfe eines mächtigen Konkurrenten. Der konservative Innenminister Nicolas Sarkozy, derzeit aussichtsreichster Bewerber für die Nachfolge von Jacques Chirac, engagierte sich öffentlich für die Kandidatur des Rechtsextremen. Sarkozy wollte wohl verhindern, dass sich Le Pen als Opfer des französischen Wahlsystems stilisiert. Außerdem buhlt der Innenminister selber um die Wählerschaft am rechten Rand.

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