Früh genug neue Trend erkennen
Rechtzeitig reagieren: Die Fonds-Bilanz des Jahres 2000

Entschlusskraft zahlt sich aus. Wer im vergangenen Jahr rechtzeitig Technologieaktien, vor allem die Wachstumsaktien des Neuen Marktes, verkauft und stattdessen auf defensive, konjunkturresistente Aktien wie Pharma- und Biotechtitel gesetzt hat und überdies eine hinreichend hohe Bargeldquote hielt, konnte seine Verluste begrenzen und bestenfalls sogar beträchtlichen Gewinn verbuchen.

FRANKFURT. Entschlusskraft zahlt sich aus. Wer im vergangenen Jahr rechtzeitig Technologieaktien, vor allem die Wachstumsaktien des Neuen Marktes, verkauft und stattdessen auf defensive, konjunkturresistente Aktien wie Pharma- und Biotechtitel gesetzt hat und überdies eine hinreichend hohe Bargeldquote hielt, konnte seine Verluste begrenzen und bestenfalls sogar beträchtlichen Gewinn verbuchen.

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Schließlich hat der Aktienfonds mit dem höchsten Wertzuwachs seinen Wert immerhin mehr als verdoppelt: Der Pharma- und Biotechfonds der britischen Fondsgesellschaft Framlington, der Framlington International Portfolios Health Fund, legte 2000 um 113,92 Prozent zu.

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Fondsmanager Antony Milford erklärt sein Spitzenergebnis damit, dass er Kursschwankungen optimal nutzen konnte: In den ersten Monaten habe es eine Kursrally bei Biotech-Aktien gegeben, dann seien die Kurse um 60 Prozent eingebrochen, um sich wieder zu verdoppeln und erneut einzubrechen. Später im Jahr profitierten auch die Pharma-Aktien von den zunehmenden Sorgen über eine Konjunkturabschwung der Weltwirtschaft.

Milford glaubt nicht, dass der Gesundheitssektor ein solches Jahr wiederholen kann. Doch er bleibt optimistisch: "Eine zunehmende Zahl von Produkten steht vor der Einführung, und die Firmen sind so gut mit Kapital ausgestattet wie nie zuvor". Er setzt weiterhin auf mittelgroße US-Firmen, deren Produkte in der Endphase der klinischen Studie sind. Damit ist auch Michael Fischer, Berater des viertplatzierten DG Lux Lacuna Apo BioTech Fonds, gut gefahren. "US-Titel sind nach wie vor günstig bewertet", sagt er. Gemieden hat er dagegen überteuerte deutsche Aktien, die Mode-Investments in Genomics und Zulieferer für Biotech-Firmen. Auch große US-Titel wie Amgen sind ihm zu teuer.



Bei den meisten anderen Aktienfondskategorien lautete das Motto "Verlustbegrenzung": Besonders Technologie-, Telekom - und Medienfonds verbuchten rote Zahlen. Während die Fonds im Durchschnitt um gut 31 Prozent verloren, hielt sich der wiederholt beste Fonds mit-2,67 Prozent knapp unter der Nullmarke.

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Innerhalb der Branche konzentrierte sich Fondsmanager Stewart O?Gorman von Henderson stärker auf etabliertere Unternehmen wie den Infrastrukturanbieter Cisco Systems und das Software-Haus Bea Systems. Der zweitplatzierte Uni Sector High Tech setzt wie bereits 2000 auf Anbieter von Infrastruktur- und Speicherlösungen wie EMC und auf Biotechfirmen. Fondsmanagerin Pia Hellbach mag außerdem ausgewählte Softwareanbieter wie Siebel Systems.

Auch bei Fonds für Wachstumsaktien an den europäischen Neuen Märkten schafften nur zwei Fonds ein Plus, während sie im Durchschnitt einen Kapitalverlust von einem Fünftel ausweisen. Der führende Nordinvest EuropGrowth erzielte immerhin ein mageres Plus von 2,89 Prozent, das Fondsmanager Marc Schädler mit frühen Verkäufen im März erklärt. Zeitweise habe er danach zu einem Viertel Bargeld gehalten. "Außerdem haben wir innerhalb der Branche breiter investiert, die Zahl der Titel erhöht, und es wurden größere Firmen gekauft." Jetzt sei er wieder voll investiert und halte relativ defensive Firmen wie Aixtron, Pfeiffer Vacuum und Schweiter die Treue, die ihn durch die Krise gebracht hätten.

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Fernab der Branchenfonds lautete der Schlüssel zu einer halbwegs passablen Rendite "Tech-Aktien früh verkaufen, Pharma übergewichten und geschickt mit liquiden Mitteln operieren". Klaus Kaldemorgen, Leiter internationale Aktienfonds bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS, erklärt zumindest damit seinen wiederholten Rang eins bei internationalen Aktienfonds in der Dreijahresbetrachtung.

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Seine hohe Bargeldquote von fast 30 Prozent diente ihm zeitweilig als Puffer gegen Verluste. Allerdings hat er dagegen zur Hälfte Optionen auf Nasdaq - und Dax stehen. Ausgezahlt habe sich außerdem, einen Bogen um den Neuen Markt zu machen, erklärt Bernd Vorbeck von Universal Investment, verantwortlich für den viertplatzierten Acatis Aktien Global UI. Auf gewinnstabile Aktien zu Lasten von Tech-Werten setzte auch Ben Elwes, Fondsmanager des besten europäischen Aktienfonds auf Sicht von drei Jahren, des Henderson Horizon European Fund. Zum guten Wertzuwachs von 12,64 Prozent im Jahr 2000 habe außerdem beigetragen, bei Aktien wie BNP Paribas oder Prisa Gewinne mitzunehmen. Dirk Ropers von der Dresdner-Tochter DIT hat für den DIT Aktien Europa AF neben Pharmaktien Finanztitel übergewichtet und mag hier besonders Allfinanzkonzerne wie ING oder Amvescap. Den Verlust des Fonds 2000 von 1,84 Prozent begründet er mit der stärkeren Ausrichtung auf Wachstumsaktien.

Den Erfolg des Baring German Growth Trust Fund am deutschen Aktienmarkt erklärt Fondsmanager Dan Ison mit Mut zum eigenen Stil: "Man darf keine Angst haben zu verkaufen, wenn man Aktien für überbewertet hält, auch wenn der Markt noch euphorisch ist - und umgekehrt." So hat er seinen Anteil im Neuen Markt von 30 Prozent im Frühjahr rechtzeitig auf rund sieben Prozent verringert und kauft seit Dezember zu. "Aktien wie Aixtron, Qiagen und Lambda Physik sind jetzt günstig", sagt er.

Die Spitzenperformance 2000 von 11,7 Prozent erreichte Hans-Peter Schupp mit dem Santander Deutsche Aktien mit defensiven Aktien wie Versorgern, Versicherern und Grundstofftiteln. Schupp bleibt seinem Stil treu, unterbewertete Titel zu kaufen, zurzeit Autoaktien. Vor rund einem Jahr galt diese Art zu investieren bei vielen Börsianern als völlig überholt. Zu Unrecht, wie sich seitdem gezeigt hat.



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