"Früher hatten Cabrios etwas Asoziales"
Autotest: Mehr als ein Versprechen

Managementberaterin Gertrud Höhler will selbst leben, fahren und entscheiden. Beim Peugeot 307cc zeigt sie Emotionen.

Das Piepsen fordert die Managementberaterin nachdrücklich auf, sich anzuschnallen. "So was liebe ich ja", sagt Gertrud Höhler sarkastisch und seufzt, legt dann aber doch den Gurt um. Die übertriebene Fürsorge der Entwickler des Peugeot 307cc verdirbt ihr beim Weekend-Journal-Autotest gleich zu Anfang die Laune. Aber kaum hat sie die Hände am Steuer des schnittigen Cabrios und den Fuß auf dem Gaspedal, weicht der Unmut ihrer Versöhnungsbereitschaft.

Überhaupt Cabrios. Früher hätten die etwas "Asoziales" gehabt, sagt sie, während sie den Wagen vom Berliner Stadtteil Dahlem Richtung Wannsee lenkt. Schließlich habe der Fahrer höchstens eine Person mitnehmen können. Heute passten mehr Leute in die Sommerautos. "Naja", sagt sie nach einem Blick über die Schulter, "zumindest Kinder und Tiere." Statt einer Menge Platz auf der Rückbank hat dieses spezielle Cabrio andere Qualitäten. So muss die Fahrerin nicht extra anhalten, um das Verdeck zu öffnen. Ein Knopfdruck im Schritttempo, und 25 Sekunden später hat sie den blauen Himmel über sich. An einem klaren Märztag wird es so schnell ein bisschen zugig, also testet sie den Wagen lieber geschlossen auf Speed - soweit die Verkehrsschilder das zulassen. Denn: Gertrud Höhler fährt gern schnell. "Hier konnte man mit 180 Stundenkilometern entlangrasen", erzählt sie auf dem Hüttenweg, der zu den Seen führt. "Und die einzelnen Platten unter dem Wagen machten peng-peng-peng." Jede Geschwindigkeit habe man vor der Wende in Berlin fahren können.

Nach dem Mauerfall hätten in der ehemaligen Inselstadt mit den Autos auch die Regeln zugenommen. "Berlin ist auf bedrückende Weise normalisiert worden."

Um heute schnell zu fahren, müsste Höhler erst über eine Stunde im dichtesten Verkehr auf dem Berliner Ring überstehen. 1985 war das noch alles anders, als sie in die Stadt zurückkehrte, in der sie studiert hatte. Nun war sie Professorin für Literaturwissenschaft und Germanistik. Dennoch entschied Höhler sich gegen eine Uni-Karriere und wurde "Beraterin von Wirtschaft und Politik". In Fahrt kam die Karriere der gebürtigen Wuppertalerin 1987. Alfred Herrhausen, der legendäre Vorstandssprecher der Deutschen Bank, engagierte Höhler als Managerin für die Öffentlichkeitsarbeit.

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