Frühere brandenburgischen Sozialministerin wurde 60 Jahre alt
Regine Hildebrandt nach Krebsleiden gestorben

Die als "Stimme des Ostens" über Parteigrenzen hinweg geschätzte SPD-Politikerin Regine Hildebrandt ist tot. Die langjährige brandenburgische Sozialministerin starb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 60 Jahren nach einem Krebsleiden. Das teilte die Landesregierung in Potsdam mit.

ap/ddp POSTSDAM. Die SPD-Politikerin war von 1990 bis 1999 Ministerin für Arbeit und Soziales in Brandenburg. Hildebrandt litt seit mehreren Jahren an Brustkrebs und hatte erst vor wenigen Monaten eine neue Chemotherapie hinter sich gebracht. Auf dem SPD-Parteitag in der vergangenen Woche war Hildebrandt noch mit einem Traumergebnis in den Bundesvorstand wiedergewählt worden.

Ministerpräsident Manfred Stolpe äußerte sich betroffen über den Tod seiner Mitstreiterin. "Wir haben eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren, die sich in einer seltenen Glaubwürdigkeit und großen Entschlossenheit eingebracht hat", sagte der zurzeit auf einer China-Reise befindliche Regierungschef im ORB-Hörfunk. Hildebrandt habe vor allem an die Menschen im Osten gedacht, die nach der Wende schwere Belastungen zu bestehen gehabt hätten. Entschlossen habe sie sich für die Interessen von Arbeitslosen und sozial Benachteiligten engagiert. Sie sei auch "eine Brücke im innerdeutschen Gespräch gewesen", erklärte Stolpe.

Vorbild für viele Menschen

Auch der brandenburgische CDU-Landesvorsitzende Jörg Schönbohm würdigte Hildebrandt als tapfere Person, die sich selbst nicht geschont habe. "Großen Respekt vor dieser tapferen Frau, wie sie ihre Krankheit getragen hat", sagte der Potsdamer Innenminister. Damit sei sie für viele Menschen zum Vorbild geworden. Er achte die persönliche Lebensleistung Hildebrandts, wenn er auch einige politische Aussagen nicht geteilt habe, erklärte Schönbohm.

Die Politikerin hatte ihr Amt als Sozialministerin nach der letzten Landtagswahl niedergelegt, weil sie eine große Koalition zwischen SPD und CDU nicht mittragen wollte. Seither hatte sie sich auf die Parteiarbeit konzentriert. Erst vor einer Woche war Hildebrandt auf dem Nürnberger SPD-Parteitag wieder in den Bundesvorstand der Partei gewählt worden. Mit 416 Stimmen im ersten Wahlgang erzielte sie dabei das beste Ergebnis aller Beisitzer des SPD-Führungsgremiums. Auch im Forum Ostdeutschland der Partei arbeitete sie mit.

Die studierte Biologin hatte sich in der DDR zunächst in der Bürgerbewegung "Demokratie jetzt" engagiert. Nach der Gründung der Sozialdemokratischen Partei der DDR im Oktober 1989 trat sie der damaligen SDP bei. In der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière wurde sie Ministerin für Arbeit und Soziales. Im November 1990 übernahm sie dieses Ressort in der Regierung des neu gegründeten Landes Brandenburg. Dort engagierte sie sich vor allem dafür, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu finanzieren, statt Sozialhilfe zu zahlen.

Bundespräsident Rau würdigt "couragierte Mitmenschlichkeit"

Bundespräsident Johannes Rau würdigte die verstorbene brandenburgische SPD-Politikerin als unermüdliche Kämpferin für die Interessen der Ostdeutschen. Sie habe sich große Sympathie und Achtung in ganz Deutschland erworben, schrieb Rau in einem Beileidstelegramm.

Regine Hildebrandt habe niemals Streit gesucht, sei ihm aber auch nicht ausgewichen, wo sie ihn für nötig oder unvermeidlich hielt. "Auch wo sie in der politischen Debatte scharf zuspitzte und angriffslustig formulierte, blieb sie stets humorvoll und wurde dadurch unverwechselbar", betonte Rau. "Sie war die Stimme vieler, die sich unverstanden und mitunter ohnmächtig fühlten", heißt es in dem Beileidsschreiben. "Ihr ganz uneitles Wesen und ihre Uneigennützigkeit" seien überall anerkannt gewesen. Dabei habe sich Regine Hildebrandt selber nicht geschont. Ihre "couragierte Mitmenschlichkeit" werde allen in Erinnerung bleiben.

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